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27. März 2002, 09:46 Uhr

Börse am Morgen

Eier suchen statt Aktien kaufen

Technologietitel verteidigen ihre Gewinne vom Vortag, doch die Umsätze sind niedrig. Am Neuen Markt ist Thiel Logistik im Aufwind, während MobilCom-Aktionäre in die Röhre schauen.

Frankfurt am Main – Die Konjunkturdaten sind gut, doch Anleger halten sich vor Ostern weiterhin zurück. Der Dax gab zum Auftakt um 0,3 Prozent auf 5372 Zähler nach. Am Neuen Markt pendelte der Nemax 50 um seinen Vortagesschluss von 1024 Punkten.

Die Technologietitel starteten mit Ausnahme der Deutschen Telekom behauptet. Der Softwarehersteller SAP , der Chiphersteller Infineon und der Bauelemente-Produzent Epcos gehörten am Morgen zu den Gewinnern im Index. Die Deutsche Telekom notierte zum Start dagegen etwas schwächer. Die Telekom-Tochter T-Mobile will mit deutlichen Preissenkungen ihre Kunden zur Nutzung der neuen Mobilfunk-Übertragungstechnik GPRS bewegen. In den Monaten April und Mai müsse nur noch der monatliche GPRS-Grundpreis gezahlt werden.

Die Aktien des Wiesbadener Industriegas-Herstellers Linde tendierten kurz vor Erläuterung der Jahresbilanz unverändert. Trotz eines schwächeren Ergebnisses im Jahr 2001 hält der Konzern an seiner Dividende von 1,13 Euro fest. Analysten erwarten für das Jahr 2002 einen positiven Ausblick.

DaimlerChrysler: Deutsch-japanische Freundschaft

Der Autobauer DaimlerChrysler gab am Mittwoch Morgen um 0,5 Prozent auf 53,15 Euro nach. Nach japanischen Zeitungsberichten prüft der japanische Automobilkonzern Mitsubishi Motors, sein Lkw- und Bus-Geschäft in ein Joint Venture mit DaimlerChrysler An dem Gemeinschaftsunternehmen könnte DaimlerChrysler, das bereits mit 37 Prozent an Mitsubishi beteiligt ist, 30 Prozent übernehmen, hieß es. Außerdem hat DaimlerChrysler-Manager Rolf Eckrodt die Spitze bei Mitsubishi übernommen.

Die Aktie der Lufthansa war bereits gestern stark unter Druck geraten und setzte am Mittwoch den Sinkflug fort. Die Commerzbank hält die Aktie für deutlich überbewertet und hat die Aktie herabgestuft. Größter Verlierer war am zum Auftakt die HypoVereinsbank , die gestern noch als Tagessieger aus dem Handel gegangen war. Hier nehmen Anleger Gewinne mit.

Neuer Markt: Senator nach Zahlen fest

Der Medienkonzern Senator Entertainment erwartet nach roten Zahlen für 2001 für das laufende Geschäftsjahr ein positives Ergebnis. Der positive Ausblick verhalf der Aktie um knapp acht Prozent ins Plus. Das Ebit ist im Jahr 2001 allerdings auf 5,7 Mio Euro gegenüber 18,1 Millionen Euro im Vorjahr gesunken, das Jahresergebnis lag 2001 bei minus 4,2 Millionen Euro. Grund ist die Beteiligung an der defizitären CinemaxX AG.

Ebenfalls deutlich zulegen konnte der Logistik-Dienstleister Thiel Logistik. Das Unternehmen stehe vor dem Abschluss von Neuverträgen mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. Derzeit werde konkret mit vier Kunden verhandelt, deren Logistik zu übernehmen, sagte der Unternehmenslenker Günter Thiel der "Financial Times Deutschland".

ConSors schwächer

Der zweitgrößte deutsche Online-Broker ConSors hat 2001 einen Konzern-Verlust von 125,5 Millionen Euro verbucht. Beim Vorsteuer-Ergebnis lief ein Fehlbetrag von 212,83 Millionen Euro auf, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 28,3 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Angesichts der hohen Verluste will Consors für 2001 keine Dividende zahlen. Im Vorjahr hatte das Nürnberger Unternehmen noch 0,18 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgezahlt. Consors rechnet aber für das laufende Geschäftsjahr 2002 mit einem ausgeglichenen Ergebnis bei der AG. Consors soll wie geplant Ende März in einem Bieterverfahren verkauft werden, heißt es. Die Aktie gab mehr als drei Prozent nach.

Mobilcom: Nur der Chef kassiert

Die Aktie des Büdelsdorfer Mobilfunkbetreibers MobilCom verlor am Mittwoch weitere fünf Prozent auf 12,91 Euro und war erneut Schlusslicht im Nemax 50. Am Dienstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, Konzernchef Gerhard Schmid werde seine Anteile an eine Gruppe von Finanzdienstleistern verkaufen. Spekulative Anleger seien daraufhin ausgestiegen, "weil sie sich darüber im Klaren sind, dass France Telecom MobilCom in nächster Zukunft nicht konsolidieren wird", sagte ein Händler. Viele hätten darauf gesetzt, dass es zu einem Pflichtangebot an die freien Aktionäre kommen wird. "In den nächsten ein bis zwei Jahren wird das nicht passieren", sagte der Händler. Der DVD-Anlagenbauer Singulus hat 2001 sinkende Umsätze in allen Bereichen hinnehmen müssen. Insgesamt sei der Umsatz im abgelaufenen Jahr auf 225,5 Millionen Euro von 375,7 Millionen Euro im Jahr zuvor gefallen. Einen Einblick in die Bilanz gewährt auch das biopharmazeutische Unternehmen MediGene . In den Zahlenreigen stimmt auch PrimaCom mit ein.

Nikkei fest

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte verbesserte sich deutlich um 115,76 Punkte oder 1,03 Prozent und ging mit 11 323,68 Punkten aus dem Handel. Mitsubishi gehörte mit einem Plus von knapp elf Prozent zu den größten Gewinnern: Offenbar versprechen sich die Anleger viel von der deutsch-japanischen Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler.

Der Euro notierte am Morgen mit 0,8758 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Dienstag den Referenzkurs bei 0,8737 Dollar festgesetzt. Es gelinge dem Euro nicht, den Widerstand bei 0,88 US-Dollar zu brechen, hieß es. Der leide gegenwärtig unter neuen Inflationsängsten, die hervorgerufen würden durch die Ölteuerung und die mit der Euro-Einführung beobachteten Preissteigerungen.

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