Börse am Morgen MAN stürzt ab

Die deutschen Aktien starten erwartungsgemäß schwach in den Tag. MAN-Titel befinden sich nach der Gewinnwarnung auf steiler Talfahrt. Die T-Aktie verliert nach weiteren Gerüchten um Paketverkäufe durch Großinvestoren.


Frankfurt am Main - Schwache Vorgaben der Wall Street und die düstere Einschätzung der amerikanischen Konjunktur von US-Notenbankchef Alan Greenspan haben den Handelsauftakt in Deutschland belastet. Der Dax rutschte bis 9.30 Uhr um 1,2 Prozent auf 5152 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rauschten um knapp drei Prozent auf 1047 Punkte in den Keller.

Die Lufthansa hat trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs in den ersten sechs Monaten 2001 ihre Ergebnisprognose für das gesamte Geschäftsjahr bekräftigt. Die Aktie legte zunächst 1,51 Prozent auf 16,80 Euro zu und führte damit die Gewinnerliste im Dax an.

"Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von 700 bis 750 Millionen Euro zu erreichen", teilte der Konzern am Mittwoch mit. Im ersten Halbjahr ging der operative Gewinn um mehr als zwei Drittel auf 105 Millionen Euro und damit im Rahmen der Erwartungen zurück. Die Umsätze zogen dagegen um 13,7 Prozent auf 7,81 Milliarden Euro an. Nach Steuern verbuchte die Lufthansa ein Minus von 43 Millionen Euro nach einem Gewinn von 460 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nochmals deutlich herabgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr könne das operative Ergebnis um ein Drittel zurückgehen, berichtete die MAN AG am Mittwoch in München. Neben der rückgängigen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen werde der Konzern durch die Bilanzfälschungen bei der britischen Tochter ERF erheblich belastet. Im ersten Halbjahr habe sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 245 Millionen Euro mehr als halbiert. Die Aktie rutschte zunächst um mehr als acht Prozent auf rund 23 Euro ab.

Die T-Aktie gab zu Handelsbeginn um weitere 1,70 Prozent auf 16,82 Euro nach, nachdem sie am Vortag mit 16,63 Euro zeitweilig auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen war. Der Verkauf des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom an die Liberty Media Group droht zu scheitern. Wie das "Handelsblatt" aus dem Umfeld des US-Konzerns erfuhr, will Liberty-Präsident John Malone vor Unterzeichnung der Kaufverträge Zusagen der Bundesregierung darüber bekommen, dass Liberty in Deutschland keine Probleme mit dem Bundeskartellamt bekommt und zusätzlich zu dem Telekom-Kabel weitere kleinere Netzanbieter aufkaufen kann.

T-Aktie: Neue Großverkäufe drohen

Widersprüchliche Meldungen gibt es zu dem möglichen Verkauf weiterer T-Aktien-Pakete: "Focus-Money" berichtet, dass nach der Hongkonger Hutchison Whampoa und der finnischen Mobilfunkgesellschaft Sonera nun offenbar auch der US-Großaktionär Telephone & Data Systems (TDS) den Verkauf seiner T-Aktien erwägt. Ein TDS-Sprecher sagte hingegen der "Financial Times Deutschland", dass der Konzern seine 131,5 Millionen T-Aktien als langfristige Investition betrachte und sich in diesem Jahr nicht von seinen Papieren trennen werde.

Schwache Vorgaben aus den USA

Die New Yorker Aktienmärkte haben am Dienstag nach der Zinssenkung der US-Notenbank kräftig nachgegeben. Die Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sei bereits in den Kursen vorweggenommen worden, sagten Händler. Da Fed-Chef Alan Greenspan den Anlegern keine Hoffnungen auf ein Anziehen der amerikanischen Konjunktur machen konnte, sondern vielmehr seine Entscheidung mit dem anhaltenden Risiko einer Rezession für die US-Wirtschaft begründete, zeigten sich die Investoren enttäuscht und verkauften.

Die Kurseinbrüche in den USA werfen somit ihren Schatten auf den Handelstag in Deutschland: Der Dow Jones fiel um 1,41 Prozent auf 10.174 Zähler zurück. Die Technologiebörse Nasdaq gab 2,66 Prozent auf 1831 Punkte nach. Analysten zufolge habe sich die Notenbank mit ihrer Begründung des Zinsschrittes die Tür für eine weitere Zinssenkung bei ihrem Treffen am 2. Oktober offen gelassen habe. Nach mittlerweile sechs verblassten Zinssenkungen konnte dies jedoch die Märkte nicht beflügeln.

Massiver Stellenabbau in den USA hält an

Belege für die von Greenspan konstatierte Schwäche der US-Unternehmen hatten gleich mehrere Konzerne geliefert. So hatten die zweitgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase, der weltgrößte Büromöbelhersteller Steelcase und der Elektronik-Zulieferer Agilent Technologies massive Stellenstreichungen angekündigt. Nachbörslich wurde in New York bekannt, dass der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner 1700 Arbeitsplätze abbauen will.

Die gute Nachricht: Der Autokonzern General Motors hat den Ausblick für das dritte Quartal bestätigt. Wie das Unternehmen mitteilte, rechnet es weiter damit, die Konsensprognosen von Analysten zu übertreffen. Dies könnte Autowerte genauso beflügeln wie die Nachricht, dass DaimlerChrysler trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich von dem Kursrutsch an der Wall Street wenig beeindruckt. Der Nikkei schloss mit einem Prozent auf 11.396 Punkte im Plus.



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