Börse am Morgen MLP setzt Talfahrt fort

Die deutschen Aktienmärkte sind uneinheitlich in den Handel gestartet. Während die Blue Chips unter Abgabedruck leiden, klettert der Nemax nach oben. EM.TV profitiert von Gerüchten um Chef Thomas Haffa.


Frankfurt am Main – Der Dax hat in der ersten halben Handelsstunde 0,5 Prozent verloren und fiel auf 5762 Punkte. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 2,3 Prozent auf 1107 Zähler.

Die Börsen haben heute eine Auszeit von der Berichtssaison genommen. Von den Schwergewichten werden keine Zahlen erwartet. Stattdessen gibt es Neuigkeiten auf der Konjunkturseite. Der Markt wartet auf die Juni-Verbraucherpreisdaten. Zudem spricht US-Notenbankchef Alan Greenspan am Nachmittag vor dem Bankenausschuss des US-Senats und wird auf die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Wirtschaftsmacht eingehen. Anleger in Frankfurt und New York warten auf erste Anzeichen einer Erholung.

"Anfang des Jahres hofften die Anleger auf eine Erholung im zweiten Quartal. Vor wenigen Wochen spekulierte man allgemein auf einen Umschwung in der zweiten Jahreshälfte. Jetzt setzt man an der Wall Street auf ein Anziehen der Konjunktur zu Beginn des neuen Jahres: Doch die Nerven werden immer dünner", sagte Terry Diamond, Chairman of Talon Asset Management.

Der Technologiesektor wurde von einer Reihe negativer Nachrichten aus den USA belastet. So warnte der Internetriese Amazon vor enttäuschenden Umsätzen. Auch Texas Instruments und Lexmark senkten ihre Prognosen.

In Frankfurt verlor die Aktie von SAP im frühen Handel 2,8 Prozent auf 155,52 Euro. Gegen die Softwareschmiede ermittelt der "Berliner Zeitung" zufolge das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", wird eine Sprecherin des Amtes zitiert. Am Wochenende hatte der größte europäische Softwarekonzern eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben als noch am vergangenen Donnerstag präsentiert. Auslöser waren die Quartalsverluste von mehr als zwei Milliarden Mark des US-Softwareherstellers Commerce One, an dem SAP beteiligt ist.

Die Talfahrt beim Dax-Neuling MLP hat sich auch am Dienstag fortgesetzt. Das Papier rutschte um 2,7 Prozent auf 95,60 Euro. Der Finanzdienstleister war am Montag zum ersten Mal im Edelsegment der Deutschen Börse notiert worden und hatte den Handel gleich als Schlusslicht mit einem Minus von mehr als sieben Prozent beendet.

Die Gewinnerliste wurde angeführt von Fresenius Medical Care. Die Aktie verteuerte sich um 2,3 Prozent auf 83,79 Euro.

Am Neuen Markt stieg die Aktie von EM.TV um knapp zehn Prozent auf 1,97 Euro. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass der Firmengründer und Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Thomas Haffa kurz davor stehen soll, seinen Anteil von 43 Prozent am Unternehmen für rund 180 Millionen Mark zu verkaufen.

Kurserholung in Tokio

Die Tokioter Börse hat am Dienstag den Handel sehr fest beendet. Der Nikkei 225 legte 2,4 Prozent auf 11.883 Zähler zu. Nachdem der Markt am Vortag auf ein neues 16-Jahrestief gefallen war, sei diese Entwicklung als technische Reaktion zu betrachten, hieß es aus Händlerkreisen. Viele Schnäppchenjäger seien auf der Suche nach besonders günstigen Titeln, hieß es. Technologieaktien und Bankwerte hätten besonders stark davon profitieren können.

In den USA verlief der Handel am Montag hingegen sehr schwach. Der Dow Jones gab um 1,4 Prozent nach, auf einen Stand von 10.424 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 fiel um 1,6 Prozent auf 1191 Zähler zurück. Die Nasdaq brach um zwei Prozent auf 1989 Punkte ein.

Euro notiert etwas stärker

Der Euro hat am Morgen zulegen können. Dabei überwand er die Marke von 0,87 Dollar, die er am Vortag unterschritten hatte. Gegen 9 Uhr kostetet die Devise in Frankfurt 0,8708 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Montag den Referenzkurs auf 0,8676 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2543 Mark.

Eine nachhaltige Kurserholung bei der Gemeinschaftswährung sei derzeit nicht zu erwarten, erklärten Händler. Vielmehr bestehe eher die Gefahr, dass die Währung wieder nachgebe. Im Übrigen dürften sich die Marktteilnehmer im Moment damit zurückhalten neue Euro-Dollar-Positionen zu eröffnen, fügten sie hinzu. Hintergrund für diese Einschätzung seien Spekulationen, wonach die Opec in den kommenden sieben bis zehn Tagen ihre Ölproduktion drosseln könnte, um den fallenden Ölpreis zu stabilisieren.



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