Börse am Morgen MLP und Lufthansa an der Spitze

Vor den Geschäftszahlen der Deutschen Telekom gab es bereits eine positive Überraschung. Die Lufthansa erzielte ein besseres Ergebnis als erwartet und hilft dem Dax auf die Beine.


Frankfurt am Main – "Die Lufthansa-Zahlen sehen sehr gut aus und werden dem Markt helfen", sagte ein Aktienhändler. Als Unsicherheitsfaktor bleibe jedoch die Deutsche Telekom Chart zeigen, die am Vormittag Geschäftszahlen vorlegen will. "Da weiß keiner, was kommt", sagte der Händler.

Trotz des Vabanquespiels mit der T-Aktie erwischte der Dax einen guten Start und kletterte innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 1,3 Prozent auf 3816 Punkte. Der MDax stieg um 0,3 Prozent auf 3441 Zähler. Am Neuen Markt notiere der Nemax 50 auf 498 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent.

Mit einem Plus von annähernd fünf Prozent auf 12,75 Euro führte die Lufthansa-Aktie Chart zeigen die Gewinnerliste im Dax an. Händler und Analysten äußerten sich zufrieden mit dem Halbjahresbericht der Fluggesellschaft. "Auf den ersten Blick sieht es gut aus", sagte ein Analyst. "Allerdings muss ich mir die Zahlen noch etwas genauer ansehen." Ein Händler sagte: "Die Zahlen sind besser als erwartet ausgefallen."

"Sowohl die Zahlen als auch der Ausblick stimmen", sagte ein Frankfurter Händler. "Hinzu kommt, dass die Aktie zuvor stark unter Druck gekommen ist und jetzt Aufholpotenzial hat." Die Lufthansa hatte vor Börseneröffnung für das erste Halbjahr 2002 ein deutlich besseres Ergebnis bekannt gegeben. Von Januar bis Juni sei der operative Konzerngewinn auf 332 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahr waren in den ersten sechs Monaten 105 Millionen Euro verzeichnet worden. Für 2002 erwartet Lufthansa einen operativen Gewinn von "mindestens 500 Millionen Euro".

Ebenfalls zu den Gewinnern im frühen Handel gehörten MLP Chart zeigen, die sich um 4,4 Prozent auf 16,70 Euro verbesserten.

Spannung vor den Telekom-Zahlen

Die T-Aktie notierte vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen leicht stärker auf 11,91 Euro. Das Unternehmen hat nach Ansicht von Analysten im zweiten Quartal trotz eines deutlichen Gewinneinbruchs operativ zugelegt. Die von dpa-AFX befragten Analysten erwarten im Durchschnitt ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 3,95 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der größte europäische Telekomkonzern ein Ebitda von 3,62 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der Umsatz hat sich den Schätzungen zufolge von 11,39 auf 12,88 Milliarden Euro verbessert. Unter dem Strich wird wohl wieder eine tiefrote Zahl stehen. Im Durchschnitt erwarten die Analysten einen Fehlbetrag von 1,47 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von neun Millionen Euro in den Büchern.

Ungeachtet des hohen Verlustes erwarten die Experten eine Steigerung gegenüber dem Vorquartal, als die Telekom einen Verlust von 1,81 Milliarden Euro verzeichnete. Der Fehlbetrag dürfte geringer ausfallen, sagte Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Auch Frank Wellendorf, Analyst bei der WestLB Panmure, rechnet mit einer "leichten" Trendverbesserung. "Eine wirklich positive Überraschung wäre ein Ebitda von mehr als vier Milliarden Euro."

Rückrufaktion bei BMW

Die Anteilsscheine von BMW Chart zeigen gewannen um 0,2 Prozent auf 39,45 Euro. Der Autokonzern ruft einem Zeitungsbericht zufolge in den USA 20.500 Autos der Modellreihe 323i und 328i (Auslieferung 1999) wegen Problemen mit den Seitenairbags zurück.

Techem-Vorstandschef tritt zurück

Bewegung gab es am Mittwoch auch in der zweiten Börsenreiche. Bereits vor Handelsbeginn hat der Energiedienstleister Techem Chart zeigen seine am Montag herausgegebene Umsatz- und Gewinnwarnung präzisiert. Zudem trete Vorstandschef Dieter Dannheimer zum 31. August "im gegenseitigen Einvernehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der Techem-Gruppe" zurück, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Die Börse reagierte positiv, die Aktie kletterte um zwei Prozent auf 8,54 Euro.

Die Dürr-Aktie verlor fünf Prozent auf 19 Euro. Der Technologiekonzern ist im ersten Halbjahr 2002 vor allem wegen Umstrukturierungskosten in die roten Zahlen gerutscht. Für das Gesamtjahr 2002 gehe Dürr davon aus, dass Auftragseingang und Umsatz auf dem Niveau von 2001 stagnierten, hieß es. Sofern sich die konjunkturelle Entwicklung nicht weiter abschwäche, werde das Ergebnis vor Sonderposten (Umstrukturierungsaufwand) ebenfalls das Niveau des Vorjahres erreichen. Zuversichtlich sei Dürr, von 2003 an von einer konjunkturellen Belebung überdurchschnittlich zu profitieren.

Wall Street nach Gewinnmitnahmen unter Druck

Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Dienstag auf Grund von Gewinnmitnahmen auf breiter Front nachgegeben. Die Verluste hielten sich jedoch bei geringen Umsätzen im Rahmen. Der S&P-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 größten US-Firmen widerspiegelt, hatte in den vergangenen vier Wochen um fast 20 Prozent zugelegt. Jetzt hat es einen Rückschlag von 13,27 Punkten oder 1,4 Prozent auf 937,43 Punkte gegeben.

Der Dow-Jones-Index fiel um 118,72 Zähler oder 1,3 Prozent auf 8872 Punkte. Der technologieorientierte Nasdaq-Index gab um 17,95 Zähler oder 1,3 Prozent auf 1376 Punkte nach.

An der New Yorker Börse wurden allerdings bei sehr ruhigem Sommergeschäft nur rund 1,3 Milliarden Aktien gehandelt. Es gab 1242 Gewinner und 1982 Verlierer. 179 Aktien blieben unverändert. Chip-, Finanz-, Ölfeld- und Pharmaaktien wiesen Minuszeichen auf, während Netzwerker-, Biotech-, Airline- und Goldaktien zulegten.

Telekomaktien auf Talfahrt

Telefonaktien wie Verizon, BellSouth und SBC Communications Chart zeigen zählten zu den Verlierern. Der angeschlagene Telekomriese Qwest Chart zeigenkonnte allerdings kräftig zulegen, da er seine Gelbe-Seiten-Tochterfirma für mehr als sieben Milliarden Dollar an eine Investmentfirmen-Gruppe verkaufen will.

Der Telefonriese AT&T Chart zeigen zog ebenfalls an. Der Medienkonzern AOL Time Warner Chart zeigen will nach bisher unbestätigten Berichten den Anteil der Telefongesellschaft an dem Joint-Venture Time Warner Entertainment für neun Milliarden Dollar kaufen. Die AOL-Aktien verbesserten sich ebenfalls.

Die Aktien von General Motors Chart zeigen stiegen. Einzelhandelswerte tendierten uneinheitlich, doch konnte der Heimwerker-Einzelhändler Home Depot zulegen.

Tokio etwas fester

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch leichte Gewinne erzielt. Der Nikkei-Index für 225 führende Wertes schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 9642 Punkten. Der breit angelegte Topix stieg um 0,2 Prozent auf 947 Zähler.

Euro über 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist im frühen Handel über die Marke von 0,98 Dollar gestiegen. Gegen 9.00 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9829 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag noch bei 0,9792 (Montag: 0,9799) Dollar festgesetzt.

Die Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung in den USA habe den Dollar belastet, sagten Händler in Tokio. Zunehmend zögen Anleger Gelder aus den USA ab und legten sie in der Eurozone an. Nach einem Bericht der "Financial Times" hat ein Großinvestor aus Saudi Arabien Anlagevermögen im Wert von 100 bis 200 Milliarden Dollar aus den USA abgezogen. Dies habe den Druck auf den Dollar erhöht, sagten Händler.



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