Börse am Morgen Siemens verliert vor Zahlen

Deutliche Kursverluste bei den Technologiewerten drücken den Dax ins Minus. Der Neue Markt profitiert von einer technischen Reaktion und legt leicht zu.


Frankfurt am Main – Der Dax hat seine Verluste am Vormittag leicht begrenzen können und notierte um 11 Uhr mit 0,5 Prozent im Minus auf 5760 Punkten. Der Nemax 50 fiel wieder leicht zurück, präsentierte sich mit einem Zugewinn von 2,7 Prozent auf 1111 Zähler jedoch fest.

Wie schon in den vergangenen Handelstagen wurden die Technologiewerte von schlechten Unternehmensnachrichten im Zuge der Berichtssaison belastet. So warnte der Internetriese Amazon vor enttäuschenden Umsätzen. Auch Texas Instruments und Lexmark senkten ihre Prognosen.

Am Dienstag haben die Börsen eine Auszeit von der Berichtssaison genommen. Von den Schwergewichten werden keine Zahlen erwartet. Stattdessen gibt es Neuigkeiten auf der Konjunkturseite. Der Markt wartet auf die Juni-Verbraucherpreisdaten. Zudem spricht US-Notenbankchef Alan Greenspan am Nachmittag vor dem Bankenausschuss des US-Senats und wird auf die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Wirtschaftsmacht eingehen. Anleger in Frankfurt und New York warten auf erste Anzeichen einer Erholung.

"Anfang des Jahres hofften die Anleger auf eine Erholung im zweiten Quartal. Vor wenigen Wochen spekulierte man allgemein auf einen Umschwung in der zweiten Jahreshälfte. Jetzt setzt man an der Wall Street auf ein Anziehen der Konjunktur zu Beginn des neuen Jahres: Doch die Nerven werden immer dünner", sagte Terry Diamond, Chairman of Talon Asset Management.

Wie schon am Vortag hat die Aktie von MLP die Verliererliste angeführt. Das Papier rutschte um rund acht Prozent auf 90,38 Euro nach unten. Am Montag war MLP mit einem Abschlag von über sieben Prozent aus der Sitzung gegangen. Vor der Aufnahme in den Dax sei die Aktie "hochgekauft" worden, erklärte ein Händler. Nun würde sie "heruntergeprügelt", weil sie den Anlegern zu teuer erscheine.

SAP ist von Marktgerüchten um eine Berichtigung der am Donnerstag präsentierten Geschäftszahlen belastet worden. Das Papier verlor 1,4 Prozent auf 157,71 Euro. Gegen die Softwareschmiede ermittelt der "Berliner Zeitung" zufolge das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", wird eine Sprecherin des Amtes zitiert. Am Wochenende hatte der größte europäische Softwarekonzern eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben als noch am vergangenen Donnerstag präsentiert. Auslöser waren die Quartalsverluste von mehr als zwei Milliarden Mark des US-Softwareherstellers Commerce One, an dem SAP beteiligt ist.

Die Talfahrt beim Dax-Neuling MLP hat sich auch am Dienstag fortgesetzt. Das Papier rutschte um 2,7 Prozent auf 95,60 Euro. Der Finanzdienstleister war am Montag zum ersten Mal im Edelsegment der Deutschen Börse notiert worden und hatte den Handel gleich als Schlusslicht mit einem Minus von mehr als sieben Prozent beendet.

Die Gewinnerliste wurde angeführt von defensiven Werte. Die Aktien von Fresenius Medical Care (plus 3,4 Prozent auf 84,70 Euro), Lufthansa (plus 1,4 Prozent auf 19,30 Euro) und der Allianz (plus ein Prozent auf 319,07 Euro) notierten freundlich.

Im Vorfeld der für Mittwoch erwarteten Zahlen gaben die Aktien von Siemens deutlich nach. Die Titel verloren knapp zwei Prozent auf 59,73 Euro, die der Konzerntochter Epcos gaben 1,7 Prozent auf 52,02 Euro nach. Der Markt befürchte, dass die Quartalszahlen des Elektronik-Konzerns schlecht ausfallen, sagte ein Händler. Die Konkurrenz aus der Schweiz habe ja bereits am Morgen ein negatives Beispiel geliefert: ABB musste im ersten Halbjahr 2001 einen Gewinneinbruch hinnehmen. Möglicherweise sei bei Siemens das negative Überraschungspotenzial aber inzwischen so weit eingepreist, dass die Aktie am Mittwoch bei Veröffentlichung der Zahlen sogar steigen könnte, erklärte der Händler. "Das wäre ein klassischer Fall von 'Sell on bad news'", ergänzte er.

Technische Reaktion verhilft den Neuen Markt ins Plus

Der Neue Markt stemmte sich mit deutlichen Zugewinnen gegen die schlechten Vorgaben der Nasdaq. Händler machten für die freundliche Tendenz eine technische Reaktion verantwortlich. Fundamental habe sich nichts geändert, zudem sei die Nachrichtenlage aus den USA eher belastend.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Aktie von EM.TV, die sich um knapp 14 Prozent auf 2,05 Euro verteuerten. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass der Firmengründer Thomas Haffa kurz davor stehen soll, seinen Anteil von 43 Prozent am Unternehmen für rund 180 Millionen Mark zu verkaufen.

Mobilcom-Aktien gewannen zwei Prozent auf 12,16 Euro. Das Unternehmen hat die Gespräche zur Übernahme des Konkurrenten Talkline beendet, nachdem man sich nicht über den Kaufpreis einigen konnte. Dies meldete die FTD unter Berufung auf einen MobilCom-Sprecher.

Die Aktien des Telematik-Dienstleisters Init sanken am ersten Handelstag auf dem Frankfurter Parkett unter den Ausgabepreis von 5,10 Euro. Nach einem Umsatz von knapp 160.000 Papieren gab der Kurs auf 4,95 Euro nach.

Kurserholung in Tokio

Die Tokioter Börse hat am Dienstag den Handel sehr fest beendet. Der Nikkei 225 legte 2,4 Prozent auf 11.883 Zähler zu. Nachdem der Markt am Vortag auf ein neues 16-Jahrestief gefallen war, sei diese Entwicklung als technische Reaktion zu betrachten, hieß es aus Händlerkreisen. Viele Schnäppchenjäger seien auf der Suche nach besonders günstigen Titeln, hieß es. Technologieaktien und Bankwerte hätten besonders stark davon profitieren können.

In den USA verlief der Handel am Montag hingegen sehr schwach. Der Dow Jones gab um 1,4 Prozent nach, auf einen Stand von 10.424 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 fiel um 1,6 Prozent auf 1191 Zähler zurück. Die Nasdaq brach um zwei Prozent auf 1989 Punkte ein.

Euro notiert etwas stärker

Der Euro hat am Morgen zulegen können. Dabei überwand er die Marke von 0,87 Dollar, die er am Vortag unterschritten hatte. Gegen 10.30 Uhr kostetet die Devise in Frankfurt 0,8705 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Montag den Referenzkurs auf 0,8676 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2543 Mark.

Eine nachhaltige Kurserholung bei der Gemeinschaftswährung sei derzeit nicht zu erwarten, erklärten Händler. Vielmehr bestehe eher die Gefahr, dass die Währung wieder nachgebe. Im Übrigen dürften sich die Marktteilnehmer im Moment damit zurückhalten neue Euro-Dollar-Positionen zu eröffnen, fügten sie hinzu. Hintergrund für diese Einschätzung seien Spekulationen, wonach die Opec in den kommenden sieben bis zehn Tagen ihre Ölproduktion drosseln könnte, um den fallenden Ölpreis zu stabilisieren.



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