Börse am Nachmittag Amerikanische Verbraucher haben immer weniger Vertrauen

Der amerikanische Verbraucherindex ist weiter zurückgegangen. Die deutschen Aktienmärkte und die Wall Street behaupten sich dennoch im Plus.


Frankfurt am Main – Der Dax hielt sich am Nachmittag knapp im grünen Bereich und notierte um 16.15 Uhr mit 0,4 Prozent auf 5813 Punkten im Plus. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 0,3 Prozent auf 1237 Zähler zu.

In den USA legten die Börsen nach einer unentschlossenen Eröffnung zu. Der Dow Jones kletterte innerhalb der ersten 45 Handelsminuten um 0,8 Prozent auf 10.484 Punkte. Die Nasdaq gewann 0,5 Prozent auf 2027 Zähler.

Der stärker als erwartete Rückgang des US-Verbrauchervertrauens im Juli ist an der Wall Street gelassen aufgenommen worden, sagten Marktbeobachter. Der Index ist im Juli auf 116,5 Punkte gefallen, nach einem revidierten Stand von 118,9 Punkten im Juni. Damit wurden die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Diese hatten 118,0 Punkte erwartet.

Das persönliche Einkommen der Amerikaner ist jedoch im Juni um 0,4 Prozent gestiegen. Im Mai waren es nur 0,2 Prozent gewesen. Die persönlichen Ausgaben legten um 0,3 Proent zu. Mehr als von Analysten erwartet.

In Frankfurt wurde das Geschäft hingegen von den Geschäftszahlen der Deutschen Telekom bestimmt. "Der Handel schläft ein", sagte ein Frankfurter Händler. Lediglich Metro und die Telekom würden nach der Präsentation der Zahlen laufen.

Die T-Aktie baute ihre Verluste auf drei Prozent aus und fiel knapp unter die Marke von 25 Euro. Händler begründeten die Verluste zum Teil mit Gewinnmitnahmen. Andererseits hätte der Markt aber auch den angestiegenen Schuldenberg des Konzerns negativ bewertet. Die Schulden der Deutsche Telekom sind auf knapp 69 Milliarden Euro angestiegen. Damit steigt die Zinslast und drückt in Zukunft auf Ergebnis und den Cash Flow. Jenseits aller Bilanzkosmetik muss vor allem dies jedem Investoren missfallen. Die West LB hat die Deutsche Telekom von "Kaufen" auf "Outperformer" zurückgestuft und das Kursziel gesenkt. Die Analysten erwarten in Zukunft geringere Gewinne.

Die Telekom habe nach Ansicht von Werner Stäblein, Analyst bei der BHF-Bank, "lediglich zwei aussagekräftige Zahlen" vorgelegt, nämlich zum Umsatz und zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda) von der Mobilfunk-Sparte T-Mobile. Das Ebitda von T-Mobile sei "sehr gut" ausgefallen, besser als von Stäblein erwartet. Einschränkend meinte der Experte, dass die Bilanz vorläufig sei. Interessanter sei, was die Telekom am 28. August präsentiert, weil dann die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche aufgeschlüsselt würden. "Die Zahlen von heute sind nur Stückwerk", gab sich der Analyst vorsichtig. "Man sollte sich da vor Kaffeesatzleserei hüten."

Deutlich positiv bewertete der Markt dagegen die Geschäftszahlen von Metro mit Kursaufschlägen von zuletzt 4,8 Prozent auf 44,85 Euro. Der Wert führte damit die Gewinnerliste im Dax an. Der Umsatz des Handelskonzerns stieg um 5,8 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro (45,2 Milliarden Mark). Das Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (Ebit) wuchs um 10,9 Prozent auf 206,4 Millionen Euro.

Händler beschrieben die Zahlen für das zweite Quartal als erfreulich. "Sie liegen am oberen Ende der Erwartungen", sagte ein Händler von M.M. Warburg. Entsprechend werde das Ergebnis von den Anlegern honoriert. Zudem hätten die Aktien in den vergangenen Tagen etwas schwächer notiert.

Fresenius Medical Care hat im ersten Halbjahr 2001 das Ergebnis nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 116 Millionen Dollar gesteigert. Der Umsatz konnte um 16 Prozent auf 2,36 Milliarden Dollar erhöht werden. Die Zahlen lagen etwa im Rahmen der Erwartungen. Nach einem schwachen Handelsstart arbeitete sich die Aktie um 0,4 Prozent auf 88,84 Euro vor.

Epcos und Infineon, am Vortag noch die größten Gewinner im Dax, notierten dagegen leichter. Die Aktien verloren 1,3 Prozent auf 51,82 Euro beziehungsweise 1,8 Prozent auf 28,69 Euro.

Neuer Markt nimmt eine Verschnaufpause

Nachdem der Neue Markt in den vergangenen Handelstagen rund 20 Prozent zulegen konnte, beruhigte sich die Wachstumsbörse am Dienstag wieder leicht. Trotz der deutlichen Kurserholung blieben Händler jedoch weiterhin skeptisch und warnten vor zuviel Euphorie. Noch sei keine erkennbare Trendwende auszumachen, das Rückschlagpotenzial weiterhin hoch.

Die Aktien von Heyde gewannen 15,6 Prozent auf 2,75 Euro, nachdem das angeschlagene Unternehmen durch den Verlauf von Software-Töchtern 25 Millionen Euro einnehmen wird. "Das können die gut gebrauchen", sagte ein Händler. Wie das Kerngeschäft gelaufen sei, könne man aber erst nach den Quartalszahlen sehen.

Nachdem sich die ersten Erfolge der Restrukturierung des Softwareunternehmen Ixos abzeichnen, stiegen die Aktien um mehr als 17 Prozent auf 7,90 Euro und führten die Nemax-50-Gewinnerliste an. Das Unternehmen hatte zuvor die Rückkehr zu schwarzen Zahlen gemeldet.

Singulus-Titel waren am Nachmittag mit mehr als drei Prozent auf 24,33 Euro ins Plus gedreht. Der Hersteller von Produktionsanlagen für optische Speichermedien hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet und die Analystenerwartungen verfehlt. Allerdings blickt der Vorstand optimistisch in die Zukunft, weshalb sich die Kursabschläge in Grenzen hielten.

Umweltkontor setzten ihren positiven Vortagestrend fort und standen mit 9,6 Prozent auf 47,15 Euro im grünen Bereich. Der Dienstleister für erneuerbare Energien hatte am Vortag gute Geschäftszahlen für das erste Halbjahr abgeliefert. So wurde etwa der Umsatz um 200 Prozent gesteigert. Analysten erwarten weiterhin hohe Wachstumsraten.

Die Aktien der insolventen Metabox knüpften an ihren Höhenflug vom Montag an und gewannen knapp 60 Prozent auf 0,97 Euro. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, das Kapital der Gesellschaft durch Ausgabe von einer Million Aktien zu je einem Euro aus dem genehmigten Kapital gegen Bareinlagen erhöhen zu wollen.

Kurs des Euro leicht gestiegen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8755 (Montag: 0,8751) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2340 (2,2350) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6143 (0,6136) Pfund, 109,30 (109,45) Yen und 1,5102 (1,5114) Schweizer Franken fest.



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