Börse am Nachmittag Börsen drehen ins Plus

Von einer starken Wall Street gezogen hat der Dax den Sprung aus der Verlustzone geschafft. Auch die Kurserosion am Neuen Markt scheint vorerst gestoppt.


Frankfurt am Main - Der Dax hat sich vom positiven Kursverlauf der Wall Street anstecken lassen und drehte am Nachmittag ins Plus. Um 16.30 Uhr notierte der Blue-Chip-Index mit 0,2 Prozent im Plus bei 5875 Punkten. Der Tagestiefststand wurde am Vormittag bei 5778 Zählern gemessen. Auch am Neuen Markt hellte sich das Bild auf. Der Nemax 50 hat sein Minus ebenfalls abgebaut und notierte nahezu unverändert zum Schlusskurs vom Freitag knapp unter der 1200-Punkte-Linie.

In New York präsentierten sich die Börsen kurz nach Handelsbeginn noch unentschlossen, legten im weiteren Verlauf aber deutlich zu. Der Dow Jones baute sein Plus innerhalb der ersten Handelsstunde um 0,4 Prozent aus und notierte bei 10.292 Punkten. Die Nasdaq gewann 1,5 Prozent auf 2034 Zähler.

Im Vorfeld der anstehenden Berichtssaison für das zweite Quartal regiert an der Wall Street wieder das Prinzip Hoffnung. Im Blickpunkt der Anleger stehen vor allem die Zahlen der Schwergewichte General Electric, Motorola und Yahoo. Vor Börseneröffnung überraschte zudem der Telekom-Riese AT & T. Das drittgrößte US-Kabelfernsehunternehmen Comcast will die Kabelfernsehsparte von AT & T im Zuge eines Aktientauschs für 44,5 Milliarden Dollar kaufen. Comcast würde damit auf einen Schlag zum dominierenden amerikanischen Kabelfernsehanbieter mit 22 Millionen Kunden. Nummer zwei wäre dann der Medien- und Online-Konzern AOL Time Warner.

In Frankfurt sorgten die Daten zur deutschen Industrieproduktion für eine etwas bessere Stimmung. Im Mai habe das Produktionsniveau saisonbereinigt zum Vormonat um 0,9 Prozent zugenommen, teilte das Bundesfinanzministerium am Mittag mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer stagnierenden Produktion gerechnet.

Die defensiven Werte blieben am Nachmittag in der Käufergunst oben. Die Dax-Gewinnerliste wurde angeführt von RWE. Die Aktie legte um 2,7 Prozent auf 49,01 Euro zu. Der Versorger profitiert noch immer von positiven Analystenstimmen.

Ebenfalls fester präsentierten sich die Aktien von Henkel (plus 2,3 Prozent auf 73,70 Euro), Lufthansa (plus 2,2 Prozent auf 19 Euro) und Adidas Salomon (plus 2,1 Prozent auf 71,59 Euro).

Die Verliererliste wurde erneut von den Technologietiteln angeführt. Ganz unten notierten die Papiere von Epcos. Die Anteilsscheine verloren 4,1 Prozent auf 52,80 Euro. Siemens-Titel verloren drei Prozent auf 62,10 Euro. Die Aktien der Chiptochter Infineon gaben 2,6 Prozent auf 25,97 Euro nach. Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, belasteten beide Werte massiv. Offenbar wollen institutionelle Anleger nicht mehr als 25 Euro für die neu ausgegebenen Infineon-Aktien zahlen - dies scheint Infineon Schumacher zu wenig zu sein. Man wolle die Kapitalerhöhung "nicht um jeden Preis", hieß es in der vergangenen Woche.

SAP-Titel notierten mit einem Minus von 1,8 Prozent bei 137,50 Euro - nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage ist der Abwärtstrend noch nicht gestoppt. Die T-Aktie verlor zuletzt 0,5 Prozent auf 25,96 Euro. Bei der möglichen Fehlbewertung des technischen Anlagevermögens könnte es sich um eine Summe zwischen 15 und 21 Milliarden Mark handeln.

Finanztitel notierten uneinheitlich. Die Deutsche Bank erwägt, in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar dazu ab. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor 1,2 Prozent auf 80,61 Euro.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank im Zeitplan. Die Aktie notierte am Montag 1,3 Prozent fester bei 338,28 Euro.

Bayer-Titel gaben um ein Prozent auf 43,93 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland heute Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Untergangsstimmung am Neuen Markt

"Der Neue Markt hat das Vertrauen vollends verloren", fasste ein Händler die Situation zusammen. Wenn die Deutsche Börse die Regeln nicht schnell und drastisch verschärfte, dann "droht für lange Zeit ein Totentanz". Zu den Maßnahmen würden auch Sanktionen gehören, wenn die Unternehmen die Planzahlen nicht erfüllen. "An der Nasdaq wird ein Verfehlen der Prognosen untersucht und gegebenenfalls auch geahndet", sagte er. Bereits am Freitag hatte der Nemax 50 die 1200-Punkte-Marke durchbrochen und markierte am Montag neue Jahrestiefs. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit.

Den Auswahlindex Nemax 50 führten am Nachmittag die Aktien von Biodata (plus 11,9 Prozent auf 12,30 Euro), Aixtron (plus 8,9 Prozent auf 24,40 Euro) und Umweltkontor (plus 5,9 Prozent auf 45 Euro).

Die Titel von Heyde gaben ihre frühen Gewinne wieder ab und notierten mit 0,4 Prozent im Minus auf 2,37 Euro. Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen.

Die größten Verlierer im Nemax 50 waren Pandatel, Balda und Morphosys. Die Aktien gaben zwischen 18 und zwölf Prozent ab.

Die Anteilsscheine des Telekommunikationsunternehmens Mobilcom waren im frühen Handel wegen eines Gerüchts unter Druck geraten. Das Unternehmen leide unter Liquiditätsschwierigkeiten und habe die Quartalszahlen nicht erreicht, wurde von interessierte Kreisen gestreut. Mobilcom dementierte: Man habe noch 700 Millionen Euro Liquidität. Der Wert der Aktie sank im Handelsverlauf bis auf 10,91 Euro, erholte sich zum Nachmittag aber wieder auf 12,34 Euro - ein Minus von 3,4 Prozent.

Der Internet-Anbieter Ejay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um 23,5 Prozent auf 0,65 Euro ein.

Euro notiert fester

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8459 (Freitag: 0,8384) Dollar. Der Dollar kostete damit 2,3121 (2,3328) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6014 (0,5996) Pfund, 106,19 (105,65) Yen und 1,5196 (1,5220) Schweizer Franken fest.



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