Börse am Nachmittag Brokat zählt zu den Spitzenwerten

Eine schwache Eröffnung der Wall Street drückt zunächst auf die Aktienkurse in Deutschland. Dax und Nemax-50 gehen nach unten. Die Experten deuten das aber nur als eine Verschnaufpause.


Dow Jones und Nasdaq eröffnen schwach, drehen dann aber wieder leicht ins Plus. Vorerst geben Dax (minus 0,3 Prozent) und Nemax-50 (minus 0,4 Prozent) ein wenig nach. Das sollte die Anleger nicht beunruhigen. Nach dem Höhenflug der vergangenen Tage ist so eine gemäßigte Gegenreaktion normal und womöglich heilsamer als der unkontrollierte Kaufrausch, wie er sich gestern vor allem am Neuen Markt abzuzeichnen begann.

Die Wachstumswerte lassen ein wenig Luft ab und sammeln neue Kraft für den nächsten Kursanstieg. Der wird nach Einschätzung von Experten auch kommen. Charttechniker sehen vorerst ein Steigerungspotential des Nemax-50 auf 3000 bis 3100 Zähler.

Im Dax müssen die Titel einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben. Daimler Chrysler verringern ihr Plus auf 1,48 Prozent, Deutsche Telekom sinken auf plus 1,53 Prozent. Erfreulich hingegen die Entwicklung der Aktien von BMW. Die Deutsche Bank, Großaktionär von DaimlerChrysler, hatte die Titel von BMW und Volkswagen mit einer negativen Gewinn-Einschätzung belastet, gleichzeitig aber die Papiere des deutsch-amerikanischen Autobauers mit einem Treueschwur unter die Arme gegriffen.

Nun allerdings scheinen die Anleger diese Art von Kurspflege zu durchschauen und eher der Einschätzung von Merrill Lynch zu folgen. Das renommierte Investmenthaus hatte die Papiere von BMW als "Bullenaktie" ausgezeichnet. BMW standen zuletzt 1,37 im Plus. Volkswagen notierten mit 0,47 Prozent im Minus.

Chemie- und Pharmatitel gehörten weiter zu den Verlierern. BASF gaben um knapp zwei Prozent nach, Bayer verloren 1,44 Prozent, Schering verringerten sich um 1,33 Prozent. Offenbar trauen die Anleger den Werten nach einer Klasse-Performance im vergangenen vierten Quartal vorerst kein Steigerungspotential zu.

Einen Umsatzanstieg von 73 Prozent auf 28,2 Millionen Mark meldete Focus Digital für das abgelaufene Geschäftsjahr. Zugleich seien die Werbeeinnahmen um 150 Prozent auf rund 17 Millionen Mark gestiegen. Die Investoren sind interessiert, zumal der Verlust hinter der Prognose zurückbleiben soll. Focus verteuerte sich zuletzt um 14,49 Prozent auf 7,90 Euro zu.

Zu den größten Gewinnern unter den Wachstumswerten im Nemax-50 gehörten die Medienwerte Intertainment (plus 26,48 Prozent auf 18,20 Euro), Edel Music (plus 22 Prozent auf 8,48 Euro) sowie Constantin Film (plus 19 Prozent auf knapp 24 Euro). Bei Intertainment ist der Kursanstieg allerdings bemerkenswert. Die Aktie hat in den vergangenen Tagen ihren Wert mehr als verdreifacht. Händler führen dies auf spekulative Käufe von Großinvestoren zurück.

Weiter aufwärts bewegt sich auch der Kurs von Brokat. Die Aktie des Anbieters von Sicherheitslösungen für das Internet legte zuletzt rund 21 Prozent auf 25,05 Euro zu und gehörte damit ebenfalls zu den Spitzenwerten im Nemax-50.

IDS Scheer verzeichneten ein Plus von zuletzt 16,67 Prozent auf 17,50 Euro. Das Software- und Beratungsunternehmen hatte seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 vorgelegt. Demnach stieg das operative Ergebnis von 23,5 Millionen auf rund 25 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte zum Vorjahr um 18,5 Prozent auf fast 32 Millionen Mark. Der Umsatz steig im Jahr 2000 um 44 Prozent auf rund 245 Millionen Mark. Derlei positiver Nachrichten erwecken das Kaufinteresse der Anleger.

Intershop gilt bei den Anlegern weiter als Übernahmekandidat von SAP, auch wenn die Unternehmen dies bereits gestern dementiert hatten. Die Aktie der angeschlagenen Intershop ist gefragt und steigerte sich zuletzt um 12,92 Prozent auf 13.20 Euro.

Die deutlichen Kursanstiege des im marktbreiteren Nemax-All-Share geführten Unternehmens führen Händler auf die angekündigte Wachstumsstrategie des Vorstands zurück. Das Softwareunternehmen will sich durch Zukäufe vergrößern und suche derzeit in den USA nach geeigneten Firmen, hieß es. Realtech ist in erster Linie auf die technische SAP R/3-Beratung, Softwareentwicklung und den Vertrieb der eigenentwickelten Software konzentriert. Die Aktien von Realtech legten zuletzt 33 Prozent auf 18 Euro zu.

Der Anbieter von Internet-Sicherheitssystemen Norcom hat nach vorläufigen Zahlen das angepeilte positive Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr verpasst. Zusätzliche Investitionen in die Entwicklung einer neuen Sicherheitstechnologie fürs Internet und längere Verkaufszyklen hätten einen Jahresverlust von 900.000 Euro ergeben, teilte das Unternehmen mit. Der Verlust vor Steuern und Zinsen liege bei rund zwei Millionen Euro. Der Umsatz des Unternehmens kletterte hingegen um 130 Prozent auf 33 Millionen Euro. Die Aktie gab zuletzt rund neun Prozent auf 16,60 Euro nach.

Gewinnmitnahmen machen Händler hingegen für die Verluste von Broadvision (minus 20,63 Prozent), Steag Hamatech (minus 15,98 Prozent auf 17,30 Euro) und Plasmaselect (minus 19,37 Prozent) verantwortlich. Alle Aktien waren in der Vergangenheit sehr gut gelaufen. Nun kassierten die Anleger die Kursgewinne ein und verkauften die Papiere.



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