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20. Februar 2001, 14:33 Uhr

Börse am Nachmittag

Chemie verliert

Bei ruhigem Handel gewinnen weiterhin die Technologietitel hinzu. Kurz vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen zieht auch die VW-Aktie leicht an.

Frankfurt am Main – Die deutschen Aktien zeigen sich wenig verändert. Der Dax steht mit 0,7 Prozent im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 geben bei einem ruhigen Geschäft auf plus 0,4 Prozent leicht nach. Positive Impulse könnte die Eröffnung der US-Börsen dem Handel geben. Der Nasdaq-Future stand mit 1,2 Prozent im grünen Bereich.

Offenbar agieren die Investoren immer noch recht kurzfristig in ihren Anlageentscheidungen. Chemietitel, die gestern noch den Ton im Dax angegeben hatten, litten am frühen Nachmittag unter Verkaufsdruck, wobei sich die Verluste noch in Grenzen hielten. BASF gab 0,6 Prozent ab. Bayer fiel rund ein halbes Prozent zuück. Die Papiere des Pharmakonzerns Fresenius Medical Care, die am Vortag noch mit einem Plus aus dem Handel gegangen waren, verloren zuletzt 2,62 Prozent auf 87,4 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax.

Metro (minus 2,2 Prozent) notierte ebenso am Dax-Ende. Die niederländische Bank ABN Amro hatte die Aktie des Großhandelskonzerns gestern herabgestuft. Heute folgte die französische Großbank Credit Lyonnais.

Deutlich im Plus notierten weiter die T-Aktie und die Technologietitel. Die Papiere der Deutschen Telekom gaben geringfügig auf plus 3,2 Prozent bei 27,8 Euro ab. Die Meldung, dass die British Telecom erwägt, den Börsengang ihrer Mobilfunktochter BT Wireless abzublasen, können die T-Aktie weiterhin nicht beeinflussen.

Technologiewerte befanden sich nach den gestrigen Kursabschlägen auf Erholungskurs, wobei Siemens und SAP allerdings deutlich nachgeben mussten. Infineon verbesserten sich auf plus 3,3 Prozent bei 41,7 Euro und verdrängten damit die T-Aktie von Platz eins. Epcos standen zuletzt mit 1,6 Prozent im Plus.

Die Papiere der Konzernmutter Siemens gaben auf plus 0,1 Prozent nach. Auch SAP fielen auf plus 0,6 Prozent zurück. Dafür konnten sich allerdings die Papiere von MAN mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent einen Spitzenplatz im Dax ergattern.

Die Deutsche Bank (plus 1,7 Prozent auf 97,39 Euro) will nach einem Bericht "Börsen-Zeitung" im Frühjahr einen Antrag auf Notierung ihrer Aktien an der New Yorker Börse stellen. Kurz nach Vorlage der Geschäftszahlen der Dresdner Bank fiel das Papier kurz zurück, rutschte dann aber mit einem Plus von 1,2 Prozent auf Platz sechs des Dax.Experten rechneten jedoch damit, dass die Aktie im weiteren Handelsverlauf noch unter Druck geraten würde. Möglicherweise honorieren die Anleger jedoch die angekündigte Umstrukturierung der deutschen Großbank.

Kurz vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das Jahr 2000 drehte die Aktie von Volkswagen mit einem halben Prozent ins Plus auf 57,60 Euro.

Unter den Wachstumswerten im Nemax 50 hatte fortgesetzt Intertainment mit einem Kursaufschlag von rund 15,6 Prozent bei 7,80 Euro die Führung inne. Fundamentale Nachrichten lagen auch am Nachmittag dafür nicht vor.

Teleplan International konnte sich nach der Meldung eines Großauftrages weiter in der Spitzengruppe des Nemax 50 halten. Das Unternehmen wird in Zukunft für Hewlett-Packard die Garantiefälle für Speicherlaufwerke und Festplatten in Nordamerika abwickeln. Teleplan-Papiere standen zuletzt mit 8,5 Prozent auf 32,70 Euro im Plus.

Qiagen verharrte bei einem Minus von drei Prozent auf 33,35 Euro. Das Biotech-Unternehmen steigerte im Geschäftsjahr 2000 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 204 Millionen Dollar. Der Nettogewinn kletterte um 45 Prozent auf 20,1 Millionen Dollar.

Die rote Laterne im Nemax50 hielt weiter die Aktie von Fantastic mit Abschlägen von 15,5 Prozent auf 1,95 Euro. Das Unternehmen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 mit sinkenden Umsätzen und einen sich von 53,2 auf 60,2 Millionen Dollar ausgeweiteten Verlust zu kämpfen.

Digital Advertising hat seinen Verlust vor Zinsen und Steuern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2000/2001 von 0,2 auf 3,6 Millionen Mark ausgeweitet. Gleichzeitig erhöhte die Gesellschaft ihre Verlust-Prognose für das laufende Geschäftsjahr von 2,9 auf 6 Millionen Mark. Derlei Nachrichten strafen die Anleger mit starken Verkäufen ab. Die Aktie des Internetdienstleisters rutschte mit fast 18 Prozent auf runde 6 Euro ab und war damit schwächster Wert im marktbreiteren Nemax-All-Share.

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