Börse am Nachmittag DaimlerChrysler leidet unter Gewinnmitnahmen

Die deutschen Aktien verharren im tiefroten Bereich; Technologie-Titel können sich nicht aus dem Stimmungstief befreien. Am Neuen Markt gehen bei Gigabell langsam die Lichter aus.


Frankfurt am Main - Von Karneval keine Spur - die Stimmung auf den deutschen Aktienmärkten ist frostig kalt. Der Dax stand am frühen Nachmittag mit einem Prozent im roten Bereich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 dümpelten in den Niederungen von minus vier Prozent. Auf eine freundliche Eröffnung der US-Börsen konnten die Händler nicht zählen. Der Nasdaq Future notierte mit rund einem Prozent weiter im Minus.

Händler erklärten die Talfahrt im Dax mit gestiegenen Verbrauerpreisen in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Damit sei eine Zinssenkung in der Eurozone unwahrscheinlicher geworden. Vor allem auf Zykliker und Bankwerte werde "eingeprügelt", sagte Robert Halver, Händler bei Delbrück Asset Management.

Vor der wichtigen Pressekonferenz von DaimlerChrysler, auf der der Konzern Details seines Restrukturierungsprogramms erläutern will, litten die Aktien des Autoherstellers unter kräftigen Gewinnmitnahmen. Die Papiere verloren zuletzt 4,5 Prozent auf knapp 55 Euro. Die Aktie hatte seit Anfang Februar rund zehn Prozent zugelegt. Gestern noch gehörte der Wert - wie andere Autoaktien auch - zu den Gewinnern im Dax.

Da dürfte es die Stuttgarter Autobauer wenig trösten, dass auch Konkurrent BMW rund 2,3 Prozent auf rund 39 Euro nachgeben musste. Volkswagen stand mit 0,9 Prozent bei 59,4 Euro im Minus.

Die T-Aktie fiel wieder auf ihr Vortagesniveau von 25,20 Euro zurück. Zwar notiert das Papier schon seit Tagen unter der wichtigen Marke von 33 Euro. Dies räumt den Aktionären des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream grundsätzlich das Recht ein, über das Übernahmeangebot der Deutsche Telekom neu zu verhandeln. Doch gehen Beobachter davon aus, dass VoiceStream derzeit kein anderer Partner zur Verfügung stehe und die ehrgeizigen Expansionspläne der Amerikaner ohne die Deutsche Telekom nicht zu bewerkstelligen seien.

Unterdessen wies die Telekom den Verdacht fehlerhafter Aussagen in ihren Börsenprospekten entschieden zurück. Der Sprecher reagierte damit auf die Mitteilung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), wegen der Immobilien-Wertberichtigung die Möglichkeit einer Prospekthaftungsklage gegen die Telekom zu prüfen.

Die Dax-Spitze führten fortgesetzt die Papiere von Henkel mit Aufschlägen von mittlerweile 3,5 Prozent bei 72,10 Euro an. Das Konsum- und Chemieunternehmen hatte am Morgen seine Jahresbilanz vorgelegt und dabei leicht über den Erwartungen der Analystenschätzungen gelegen.

Technologiewerte gaben weiter nach. SAP erwischte es mit Abschlägen von 3,3 Prozent auf 182 Euro dabei noch am härtesten. Epcos verschlechterte sich um zwei Prozent. Siemens stand mit 1,5 Prozent im roten Bereich. Die Titel der Tochter Infineon konnten sich auf ihr Vortagsniveau von 39,10 Euro emporarbeiten.

Der Siemens-Konzern strebt für das laufende Geschäftsjahr weiterhin ein zweistelliges Umsatzplus und ein überproportionales Ergebniswachstum an. Das Rekordergebnis aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000 (30.September) sei nur eine Zwischenstation, ließ Konzernchef Heinrich von Pierer mitteilen. Das nützte der Aktie allerdings wenig. Womöglich drückte den Kurs auch die Aussage des Konzernchefs, dass Siemens unter der gegenwärtigen Schwäche im Mobilfunkmarkt leide.

Unter den Wachstumswerten im Nemax 50 gab es nur wenige Gewinner. Händler berichteten von einer "gedrückten Stimmung". Der Markt laufe einmal mehr der Technologie-Börse Nasdaq in New York hinterher. Allerdings seien die Umsätze gering und der Handel orientierungslos.

Zu den wenigen Gewinnern zählten unter anderem die Papiere von Singulus, die sich um 4,3 Prozent auf 23,80 Euro steigern konnten. Die Analysten der Credit Suisse First Bosten hatten die Aktie zum Kauf empfohlen und sehen das Kursziel bei 53 Euro.

Nach der Kursrallye am Vortag mit Kursaufschlägen von mehr als 20 Prozent litten die Titel von Brokat fortgesetzt unter Gewinnmitnahmen. Bei hohen Umsätzen büßte das Papier 8,3 Prozent auf 15,86 Euro ein.

Die Papiere der Direktbanken standen ebenso unter Verkaufsdruck. Consors büßte 5,4 Prozent auf 30 Euro ein. Die Direkt Anlage Bank notierte 7,8 Prozent schwächer bei 31,80 Euro. Comdirect verbilligte sich 5,2 Prozent auf 15,10 Euro.

Bei Gigabell gehen langsam die Lichter aus. Mit Verlusten von zuletzt 60 Prozent auf noch 0,40 Euro war das Papier der billigste und schwächste Wert am gesamten Neuen Markt.

Die Aktie der Gigabell ist automatisch am Geregelten Markt der Frankfurter Börse zugelassen, nachdem sie vom Kurszettel der Neuer-Markt-Titel gestrichen wurde. Das erklärte ein Sprecher der Deutschen Börse. Damit seien die Anteilsscheine aber nicht automatisch in diesem Marktsegment notiert, können also nicht ab kommender Woche weiter gehandelt werden. Um wieder gelistet zu werden, müsste Gigabell gemeinsam mit einem zugelassenen Kreditinstitut einen Antrag stellen.

Die Aktie hatte die Zulassung zum Wachstumsmarkt eingebüßt, weil Gigabell trotz "mehrfacher Mahnung" keinen Quartalsbericht für das dritte Jahresviertel zum 31. Dezember 2000 erstellt habe, begründete die Deutsche Börse ihre Entscheidung.

Arg unter die Räder kamen auch die Papiere von Brainpower. Die Aktie verlor zuletzt rund ein Drittel ihres Wertes auf 3,64 Euro. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2000 einen Nettoverlust von 3,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr habe der Fehlbetrag lediglich 1,9 Millionen Euro betragen, teilte der niederländische Anbieter von Finanzsoftware mit. Der Umsatz wurde von 1,6 Millionen Euro auf 3,6 Millionen Euro gesteigert.



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