Börse am Nachmittag Dax baut Gewinne aus

In New York deutet am Nachmittag alles auf einen freundlichen Handelsauftakt hin. Der Dax baut seine Zugewinne aus. Technologiewerte und Autoaktien sind gefragt. MLP setzt seinen Erholungskurs fort.


Frankfurt am Main – Besonders die Standardwerte haben sich an den deutschen Aktienmärkten am frühen Nachmittag in guter Verfassung präsentiert. Die vorbörslichen Barometer in den USA ließen nach den Verlusten am Vortag einen freundlichen Handelsauftakt erwarten. Der Dax baute nach guten Konjunkturdaten seine Zugewinne auf 1,8 Prozent bei 5308 Zähler aus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 hatten zwar ihr Minus deutlich reduzieren können. Doch so recht mochten die Investoren der Rallye am Vormittag noch kein Vertrauen schenken. Zuletzt lag der Index noch mit 0,3 Prozent bei 1075 Zählern im Minus.

"Ifo sei Dank", begründete ein Händler die Kursgewinne. Der Juli-Geschäftsklimaindex des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung stieg anders als von vielen Analysten erwartet von 89,5 auf 89,8 Punkte. Damit ist der Index zum ersten Mal seit Januar wieder gestiegen. In ersten Reaktionen hatten Händler die Zahlen euphorisch als "megapositiv" kommentiert. Analysten hatten zuvor mit einem deutlichen Rückgang des Index gerechnet. Der Anstieg der Erwartungshaltung sei ein gutes Zeichen. Damit gebe es Hoffnung, dass auch der Dax sich nun deutlich erhole.

An die Dax-Spitze hatten sich die Papiere des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP gesetzt, die ein Plus von 5,88 Prozent auf 73,80 Euro verzeichneten und damit ihren Erholungskurs vom Vortag fortsetzen konnten. Die Aktie hatte in der Vergangenheit drastische Verluste hinnehmen müssen.

Dank starker vorbörslicher Kurse der US-Technologiebörse Nasdaq waren Technologiewerte stärker gefragt. Infineon zogen um 4,35 Prozent auf 24,94 Euro an. Siemens stiegen um 3,40 Prozent auf 56,34 Euro, SAP zeigten sich 2,93 Prozent fester auf 158 Euro.

Autotitel profitierten von der Nachricht, dass General Motors seinen Ausblick für das dritte Quartal bestätigt hat. Wie GM mitteilte, rechnet der Konzern weiter damit, die Konsensprognosen von Analysten zu übertreffen. DaimlerChrysler hatte zuvor erklärt, dass der Konzern trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet. BMW stiegen um drei Prozent auf runde 36 Euro. DaimlerChrysler zeigten sich 2,82 Prozent stärker auf knapp 50 Euro. Volkswagen kletterten um rund zwei Prozent auf 49,39 Euro.

Preussag-Aktien um 3,22 Prozent auf rund 34,32 Euro. Händler begründeten die Kursaufschläge mit den für Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen. Allgemein wird erwartet, dass Preussag wesentlich besser der weltweiten Konjunkturschwäche trotzen wird als seine Konkurrenten.

Gegen den Trend notierten die Aktien von MAN weiter schwach und standen zuletzt noch mit 5,35 Prozent bei 23,71 Euro im roten Bereich. Der Konzern hatte am Morgen seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nochmals deutlich herabgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr könne das operative Ergebnis um ein Drittel zurückgehen, berichtete die MAN. Neben der rückgängigen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen werde der Konzern durch die Bilanzfälschungen bei der britischen Tochter ERF erheblich belastet. Im ersten Halbjahr habe sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 245 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die T-Aktie stand zuletzt mit rund einem Prozent auf 17,26 Euro im Plus. Am Vormittag hatte das Papier noch unter der Meldung gelitten, dass der Verkauf des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom an die Liberty Media Group zu scheitern drohe. Zudem erwäge nun auch der Großaktionär Telephone & Data Systems (TDS) nach einem Bericht von "Focus-Money", sich von seinen T-Aktien zu trennen.

Am Neuen Markt zögerten Händler trotz der Aufholrallye am Vormittag von einer Trendwende zu sprechen. Zwar sei der Markt überverkauft, doch bereits jetzt einen generellen Richtungswechsel anzunehmen, dafür sei es zu früh. Aus den USA gebe es noch längst keine Entwarnung. "Noch immer besteht die Gefahr, dass der Nasdaq-100-Index auf seine Tiefststände vom März zurückfällt", sagte ein Händler von Lang&Schwarz. Sollte dies passieren, könnte auch der Nemax 50 in den dreistelligen Bereich abfallen. Zudem stehe mit dem September ein traditionell schwacher Monat bevor.

Die Aktien des Telematik-Spezialisten Comroad lagen mit Kursaufschlägen von rund sieben Prozent auf 8,14 Euro an der Spitze des Nemax 50. Das Unternehmen hatte zuvor einen Auftrag in zweistelliger Millionenhöhe gemeldet.

Thiel Logistik standen zuletzt mit zwei Prozent auf 16,83 Euro im Plus. Das Unternehmen will am Donnerstag seine Halbjahreszahlen vorlegen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass sich Thiel besser schlagen wird, als D.Logistics, die am Dienstag berichtet hatten und Gerüchte um eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr den Kurs mit mehr als acht Prozent nach unten gerissen hatten. D.Logistics verbuchten am frühen Nachmittag gleichwohl ein Minus von 2,72 Prozent auf 9,30 Euro.

Ejay waren größter Gewinner am gesamten Neuen Markt. Die Aktie kletterte zuletzt um 37 Prozent auf schlappe 0,55 Euro zu. Das Unternehmen hatte zuvor eine Vertriebskooperation mit der Münchner Acclaim Entertainment GmbH für Musiksoftware abgeschlossen.



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