Börse am Nachmittag Dax rumpelt Richtung 3000 Punkte

Schlechte Konjunkturdaten aus den USA lassen die Märkte einbrechen. Der Dax liegt verliert mehr als fünf Prozent. Vor allem Finanz- und Technologiewerte stehen deutlich unter Druck.


Frankfurt am Main/New York - Der Dax hat sich auch nach Eröffnung der Wall Street nicht aus der Verlustzone befreien können und notierte um 16.20 Uhr auf 3361 Punkten, ein Minus von 4,9 Prozent. Der Fall unter die Marke von 3500 Punkten habe so genannte Stop-Loss-Verkäufe zur Begrenzung von Verlusten ausgelöst, sagte ein Händler. Angesichts des aktuellen Ausverkaufs sei eine Prognose zur künftigen Dax-Entwicklung schwierig, fügten andere Marktteilnehmer hinzu.

Ebenfalls deutlich im Minus präsentierten sich die Nebenwerte. Der MDax rutschte um 2,7 Prozent auf 3313 Zähler. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 6,7 Prozent auf 484 Punkte.

"Es herrscht Frustration am Markt", sagte ein Händler. Viele Anleger hätten sich zuletzt die Finger verbrannt und hielten sich daher zurück. Neben der anhaltenden Unsicherheit über die Bilanzierungspraktiken trübten nun vermehrt die schwachen Konjunkturdaten aus den USA die Stimmung. Zu den vielen Verlierern zählten vor allem die Finanz- und Technologiewerte.

Händler begründeten die Abschläge bei Bankenwerten unter anderem mit einer mögliche Streichung der Steuererleichterungen fü Anteilsverkäufe nach der Bundestagswahl am 22. September. Zudem könnten dauerhaft schwache Börsenumsätze bei den Kreditinstituten zu Wertberichtigungen und die steigende Zahl von Firmenpleiten zu einer höheren Risikovorsorge führen.

Miese Wirtschaftsdaten aus den USA

In New York eröffneten die Börsen schwächer. Der Dow Jones verlor innerhalb der ersten Stunde rund ein Prozent auf 8229 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1245 Zählern, ein Minus von 0,2 Prozent. Damit hielten sich die Aktienmärkte erstaunlich gut, da zum Auftakt wieder einmal schlechte Konjunkturdaten vermeldet wurden. Der Einkaufsmanagerindex ISM für den Dienstleistungssektor ist stärker als erwartet gefallen. Der Index sei von 57,2 Punkte im Juni auf 53,1 Punkte im Juli gesunken, teilte das Institute for Supply Management (ISM) in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 55,4 Punkte gerechnet.

Positive Nachrichten gab es hingegen vor Börseneröffnung von Procter & Gamble Chart zeigen und der DaimlerChrysler-Tochter Chart zeigen Chrysler. Der weltgrößte Konsumgüter-Konzern steigerte den Gewinn im vierten Quartal stärker als erwartet. Der Volumenabsatz kletterte um zehn Prozent, und der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 10,17 Milliarden Dollar, teilte Procter & Gamble mit. Chrysler wird in diesem Jahr nicht nur den Break-Even erreichen, sondern erstmals auch Gewinne an den Mutterkonzern überweisen. Laut Dieter Zetsche, Chef des US-Autobauers, werde das Unternehmen das in diesem Jahr anvisierte Sparziel von 5,7 Milliarden Dollar durch Kostenreduzierungen und Umsatzsteigerungen erfüllen.

Telekom-Vorstand droht Strafanzeige

Aktien der Deutschen Telekom Chart zeigen verringerten ihre Tagesverluste und fielen zuletzt um 1,9 Prozent auf 10,80 Euro. Aktiven und ehemaligen Spitzenmanagern des Bonner Konzerns droht nach Presseberichten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue. Ihnen werde vorgeworfen, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Deutsche Telekom wies die Vorwürfe zurück. Mit Epcos Chart zeigen, SAP Chart zeigen und Siemens Chart zeigen standen auch die Technologiewerte unter Druck.

Versicherer wieder unter Wasser

Auch Finanzwerte standen im Minus. So setzten Allianz-Titel Chart zeigen ihre Talfahrt fort und rutschten um 4,1 Prozent auf 128 Euro, zwischenzeitlich stand das Papier noch tiefer bei 125,10 Euro. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau war das Papier zuletzt vor mehr als sechs Jahren.

Die Anteilsscheine der Münchener Rück Chart zeigen verloren 4,6 Prozent auf 180 Euro. Aktien der HypoVereinsbank Chart zeigen gaben 4,2 Prozent auf 18,95 Euro nach. Die der Deutschen Bank Chart zeigen büßten 1,4 Prozent auf 57 Euro ein.

Technische Erholung bei MLP

Nach den dramatischen Verlusten der Vorwoche stieg die MLP-Aktie Chart zeigen um 11,3 Prozent auf 8,90 Euro und führte damit die kurze Gewinnerliste im Dax an. Nachdem der Finanzdienstleister am Freitag seine Prognosen gesenkt hatte, brach das Papier um knapp die Hälfte ein. Mitte April hatte das Papier noch bei 75 Euro notiert.

Schwächster Wert war die Aktie von Fresenius Medical Care Chart zeigen mit einem Verlust von 9,7 Prozent auf 27 Euro. Der Titel des Anbieters von Dialyse-Systemen war nach Senkung der Unternehmensprognosen für 2002 in der vergangenen Woche von einigen Analystenhäusern herabgestuft worden.



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