Börse am Nachmittag Märkte fahren Achterbahn

Die US-Börsen geben nach festem Start schon wieder nach. Gewinnmitnahmen und die Unsicherheit nach neuen Milzbrandfällen belasten die Kurse. Auch die Gewinne von Dax und Nemax schmelzen dahin. Infineon und DaimlerChrysler bleiben aber fest.


New York/Frankfurt am Main - Der Dow Jones war zur Eröffnung um 1,1 Prozent auf 9485 Zähler geklettert, rutschte zuletzt aber um 0,1 Prozent ins Minus. Der Technologieindex Nasdaq Composite hatte zunächst 1,6 Prozent auf 1749 Punkte zugelegt und rutschte nach 45 Minuten Handel um 1,1 Prozent in die Verlustzone. Nach positiven Unternehmensnachrichten zum Handelsbeginn hätten Nachrichten von neuen Milzbrandfällen für einen Dämpfer gesorgt, sagten Händler. Auch der mögliche Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan trage nicht zur Beruhigung bei, hieß es.

Die Ertragssaison bringt bislang eher positive als negative Überraschungen, doch nach den Kursgewinnen der vergangenen Tage und wegen der wieder steigenden Unsicherheit nehmen Anleger erste Gewinne mit. Die Quartalszahlen von IBM Chart zeigen und Intel Chart zeigen wurden am Markt positiv aufgenommen.

Allerdings hatten die Analysten ihre Erwartungen im Vorfeld stark gesenkt. "Es war fast unmöglich, diese Erwartungen nicht zu erfüllen", kommentierte ein Händler. Anleger lauschen derzeit der Rede von Notenbankchef Alan Greenspan, die um 16 Uhr deutscher Zeit vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss beider Häuser des US-Kongresses begonnen hat.

Hoffnung in der Tech-Branche

Aus dem Hightechsektor gibt es überwiegend gute Nachrichten: Sun Microsystems legten zu Handelsbeginn rund fünf Prozent zu. Der Hardware-Hersteller hatte seine neue Prozessorfamilie "UltraSPARC IIIi" vorgestellt. Veritas Software gehörte ebenfalls zu den Gewinnern, nachdem das Unternehmen mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen hatte.

Ergebnisse unter den Erwartungen meldeten dagegen die Investmentbank JP Morgan Chart zeigen und der SAP-Konkurrent i2 Technologies. Der Autohersteller Ford lag mit einem gemeldeten Gewinneinbruch im Rahmen der Erwartungen.

AOL überrascht positiv

Der weltgrößte Medien- und Internetkonzern AOL TimeWarner hat im dritten Quartal seinen Nettoverlust von 902 auf 996 Millionen Dollar ausgeweitet. Der Cash-Ertrag je Aktie, also der Gewinn einschließlich aufgelaufener Abschreibungen, stieg jedoch binnen Jahresfrist von 21 auf 30 Cent. Damit übertraf AOL die Schätzungen der Analysten, die im Schnitt mit 26 Cent gerechnet hatten, deutlich.

Dax auf hohem Niveau - erste Gewinnmitnahmen

Auf Grund der Gewinne bei Technologie- und Finanztiteln notierte der Dax um 16.15 Uhr noch 1,2 Prozent fester bei 4684 Zählern. Gewinnmitnahmen lassen das Kursplus jedoch schrumpfen. Die Wachstumswerte im Nemax 50 hatten am Morgen zum ersten Mal seit Wochen die Marke von 1000 Punkten übersprungen und verzeichneten zeitweise ein Plus von 9,1 Prozent. Am Nachmittag stand der Index noch 6,9 Prozent im Plus.

Die Zahlen von IBM und Intel haben der Siemens-Familie Auftrieb verliehen.Infineon Chart zeigen notierte zuletzt acht Prozent stärker auf 17,95 Euro. Siemens Chart zeigen und Epcos Chart zeigen folgten mit Kursaufschlägen zwischen 6 und 7,1 Prozent. SAP legt am morgigen Donnerstag seine Quartalszahlen vor - die Aktie machte mit einem Plus von knapp fünf Prozent ihre Vortagesverluste wieder wett.

Nach der Entscheidung der französischen Regierung zu günstigeren Konditionen für den Mobilfunkstandard UMTS haben Telekom-Aktien europaweit zugelegt. In Frankfurt kletterten die Papiere der Deutsche Telekom Chart zeigen um 3,8 Prozent auf 18,95 Euro.

Finanztitel auf der Kaufliste

Trotz der schwächeren Zahlen von JP Morgan ging die Erholung der deutschen Finanztitel weiter. Commerzbank Chart zeigen -Papiere zogen um 4,7 Prozent auf 17,60 Euro an. Die erhöhte Nachfrage sei eine Reaktion auf die gestern bekannt gewordenen Restrukturierungen und das Sparprogramm, sagte ein Frankfurter Händler. Auch HypoVereinsbank Chart zeigen , Deutsche Bank Chart zeigen und Allianz Chart zeigen legten zwischen 2,4 und 4,5 Prozent zu.

DaimlerChrysler im Vorwärtsgang

Trotz der hohen Verluste des US-Autokonzerns Ford zog die Aktie von DaimlerChrysler Chart zeigen um mehr als sechs Prozent an. DaimlerChrysler hat in einem schwachen Inlandsmarkt seinen Marktanteil als einziger Premiumhersteller behauptet. Unverändert liegt dieser bei 14,2 Prozent, was gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres ein Plus von 1,7 Prozentpunkten darstellt.

Neuer Markt: Händler warnen vor Euphorie

Trotz des Höhenflugs am Neuen Markt wollten Marktbeobachter nicht von einer Trendwende sprechen. "Das kam alles sehr schnell. Gewinnmitnahmen können jederzeit ein Thema sein", hieß es. Die aktuelle politische Krise dominiere noch immer das Marktgeschehen. Dann könne der Index auch schnell wieder unter 1000 Punkte fallen, sagte ein Aktienhändler. Zuletzt hatten der Nemax 50 und der marktbreitere Nemax All Share am 6. September über 1000 Punkten notiert.

Am Nachmittag schlug die Stunde der Zockerwerte. Carrier1 Chart zeigen , Broadvision Chart zeigen und Biodata Chart zeigen setzten sich mit Gewinneun von jeweils mehr als 20 Prozent an die Spitze der Gewinner im Nemax 50. Doch auch die Biotechnologiewerte setzten ihre Rallye fort. MorphoSys Chart zeigen verteuerten sich um 20 Prozent und stieg über 57 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen hat die Erteilung eines neuen Patents durch das US-Patentamt bekannt gegeben. Auch Lion Bioscience Chart zeigen und MediGene Chart zeigen gehörten zu den Gewinnern.

Die im Nemax All Share notierten Papiere von Kinowelt Chart zeigen legten zuletzt zehn Prozent auf 0,66 Euro zu: Der angeschlagene Filmrechte-Verwerter hat angeblich die Merchandisingrechte an dem ersten Teil der Roman-Verfilmung "Herr der Ringe" verloren. Am Mittag wurde bekannt, dass das angeschlagene Unternehmen eine Einstweilige Verfügung gegen den Ausschluss vom Neuen Markt erwirkt hat.

Weitere Zahlen an der Wall Street

Der Reigen an Unternehmensmeldungen geht heute im Laufe des Handelstages in New York weiter. Im Laufe des Tages werden unter anderem Citigroup Chart zeigen und Philip Morris Chart zeigen ihre Geschäftsberichte vorlegen. Nach Handelsschluss in den USA treten wieder Technologiekonzerne in den Vordergrund. So berichten der Intel-Rivale Advanced Micro Devices Chart zeigen , die Computerkonzerne AppleChart zeigen und Texas InstrumentsChart zeigen .

Euro vor Greenspan-Rede etwas schwächer

Der US-Dollar hat am Mittwoch vor der Rede von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan deutlich an Boden gewonnen. Händlern zufolge beurteilen die Marktteilnehmer die konjunkturellen Aussichten in den USA vorsichtig optimistisch. Der Euro notierte zuletzt mit 0,9071 Dollar nach einer letzten Notiz am Vortag von 0,9082 Dollar



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