Börse am Nachmittag Nemax 50 fällt auf Rekordtief

Land unter am Neuen Markt: Der Nemax 50 markiert ein neues Jahrestief und liegt unter der Marke von 2000 Punkten. Tech-Werte im Dax geben weiter ab, auch die T-Aktie rutscht ins Minus.


Frankfurt am Main – Das wird heute ein äußerst schwacher Wochenausklang. Die vorbörslichen Barometer in New York zeigen steil nach unten. Der Nasdaq Future steht mit rund drei Prozent im Minus. Parallel geht es mit den Wachstumswerten am Neuen Markt mit Abschlägen von mehr als vier Prozent auf 1986 Zähler rapide nach unten. Der Index fällt damit unter sein Jahrestief von gestern, das kurzzeitig mit 1995 Zählern markiert worden war. Der Dax steht mit 1,7 Prozent im tiefroten Bereich.

Die Kurszugewinne der Dax-Werte sind wie weggeblasen. Die T-Aktie fiel zuletzt sogar mit 0,24 Prozent auf 25,21 ins Minus. Die Aktie war lange Zeit des Tages Spitzenreiter im Dax. Die Zuwächse hatten zeitweise mehr als drei Prozent betragen. Die Aktie hatte von der Nachricht profitiert, dass die Deutsche Telekom die Mehrheit an den restlichen Kabelregionen für rund zehn Milliarden Mark verkaufen will und damit ihre Schulden weiter abtragen wird.

Mit geringen Kursaufschlägen standen vor allem defensive Werte in der Dax-Spitze. Lufthansa-Aktien verzeichneten noch ein Plus von 0,8 Prozent bei 23,7 Euro. Von einer Flucht aus Tech-Titeln konnten noch adidas (plus 0,8 Prozent) und KarstadtQuelle (plus 0,5 Prozent) profitieren.

DaimlerChrysler-Aktien standen unter keinem guten Stern. Das Papier verliert 3,8 Prozent auf 52,60 Euro. Händler begründen die Abschläge mit fortgesetzten Gewinnmitnahmen. Der Aufschwung sei zu schnell gewesen, um ohne Rückschläge weiterzugehen, hieß es. Am Vormittag hatte zudem das Investmenthaus UBS Warburg sich negativ zu den Gewinnaussichten des Konzerns geäußert.

Technologietitel gerieten am frühen Nachmittag immer stärker unter Druck. Vermutlich hat eine Studie des Investmenthauses Goldman Sachs, das sich negativ zu Telekommunikations-Aktien geäußert hat, diese Talfahrt noch beschleunigt. Siemens fiel mit Abschlägen von mehr als fünf Prozent auf 124 Euro zurück. Siemens ist stark im Handygeschäft engagiert. Epcos, das einen großen Teil seiner Erlöse als Zulieferer für Telekommunikations-Konzerne erwirtschafte, fiel um 3,8 Prozent zurück. Doch auch SAP verlor mehr als vier Prozent.

Auch die Papiere von Schering zählten mit einem Minus von 3,9 Prozent auf 53,40 Euro zu den großen Verlierern. Allgemein seien Pharmawerte, besonders auch Schering, im vergangenen Jahr sehr gut gelaufen, sagte Andreas Theisen von der WGZ Bank. In diesem Jahr fielen einige Faktoren weg, die die Aktie im vergangenen Jahr beflügelt hätten. So seien zum Beispiel die Wechselkursbedingungen gegenüber dem japanischen Yen im vergangenen Jahr sehr günstig gewesen.

Die Haltung von Investoren zur Schering-Aktie sei auch durch den auf Ende 2002 verschobenen Börsengang der Biotech-Tochter metaGen eingetrübt worden. Schering-Forschungsvorstand Günter Stock hatte Mitte Februar in einem Interview erklärt: "Das IPO ist zwar für 2002 angedacht, aber ich möchte heute keinen konkreten Zeitpunkt für den Börsengang nennen."

Weiter auf Höhenflug befanden sich dagegen die Aktien des M-Dax-Wertes Rheinmtall mit Kursaufschlägen von mehr als zehn Prozent bei 9,74 Euro. Rheinmetall erhält überraschend einen neuen Aktionär: Der amerikanische Finanzexperte Guy Wyser-Pratte hat rund fünf Prozent der Stammaktien des Mischkonzerns gekauft. Er gilt als aktiver Aktionär, der den Börsenwert des Konzerns durch massiven Einfluss auf die Firmenpolitik steigern will, vermeldete das "Handelsblatt".

Unter den Wachstumswerten im Nemax 50 gab es nur noch wenige Gewinner. Einen kräftigen Satz machten die Aktien von PrimaCom, nach dem die Deutsche Telekom den Abschied aus dem Kreis der Kabelnetzbetreiber bekannt gab. Um zuletzt noch rund fünf Prozent auf 13 Euro verteuerten sich die Papiere, weil sich mit dem Ausstieg des ehemaligen Monopolisten die Aussichten für kleinere Unternehmen verbessern. Das Kursplus hatte zuvor noch bei rund zwölf Prozent gelegen. Der Wert stand damit dennoch auf Platz eins des Index.

Von der zunächst guten Performance der T-Aktie profitierten auch die Papiere der Tochter T-Online. Der Titel verbesserte sich um 3,4 Prozent auf 12,31 Euro und belegte damit einen Spitzenplatz im Nemax 50.

Kein Blumentopf war erneut mit den Aktien von Heyde zu gewinnen, die 13,5 Prozent auf 5,45 Euro abgaben. "Vor den Geschäftszahlen möchte niemand mehr den Wert anfassen", sagte ein Händler. Das Unternehmen wird am 28. Februar mit vorläufigen Zahlen Klarheit über seine Situation schaffen. Heyde gehörte bereits am Vortag mit Abschlägen von rund sieben Prozent zu den großen Verlierern im Nemax 50.

Zum letzten Mal standen die Aktien von Gigabell unter Druck, denn sie dürfen ab Montag nicht mehr am Frankfurter Neuen Markt gehandelt werden. Die Deutsche Börse hatte die Zulassung auf Notierung am Wachstumssegment am Donnerstag entzogen. Die Wertpapiere rutschten um erneut 30 Prozent auf 0,26 Euro ab und waren damit billigster und schwächster Wert am gesamten Neuen Markt.

Derweil beginnt bei Gigabell eine Schlammschlacht. Die Aktie hätte nach den Worten des ehemaligen Firmenchefs Daniel David am Neuen Markt notiert bleiben können. David erklärte, der Insolvenzverwalter Dirk Pfeil und der formal noch als Gigabell-Finanzchef fungierende Johannes Funke hätten Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt. Pfeil wies den Vorwurf zurück. David machte Pfeil und Funke dafür verantwortlich, dass kein Quartalsbericht für das dritte Jahresviertel erstellt worden sei. Die Börse hatte daraufhin der Aktie die Zulassung zum Neuen Markt entzogen.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.