Börse am Nachmittag Nemax 50 fällt unter 1200 Punkte

Der Nemax 50 droht unter die Marke von 1200 Zählern zu fallen. Die Nerven der Investoren liegen blank. Im Dax stemmen sich Infineon gegen den starken Abwärtstrend bei Techwerten.


Frankfurt am Main - Der Nasdaq Future stand gegen 14.15 Uhr mit 1,3 Prozent im Minus und versprach zunächst keinen positiven Handelsauftakt der US-Börsen. Schließlich drückten auch noch die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten auf die Stimmung: Demnach stieg die Arbeitslosenquote im Juni auf 4,5 Prozent nach 4,4 Prozent im Mai.

Der Dax notierte zuletzt 1,5 Prozent schwächer auf 5909 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fielen zeitweilig unter die Marke von 1200 Punkten, nachdem sie bereits am Morgen die charttechnische Widerstandslinie von 1250 Punkten durchbrochen hatten. Zuletzt betrug das Minus 6,2 Prozent bei 1202 Zählern.

Infineon reagiert auf Gerüchte

Unter den Technologiewerten notierten die Aktien von Infineon noch am besten. Der angeschlagene Chiphersteller schließt eine Absage der geplanten Kapitalerhöhung grundsätzlich nicht mehr aus.

"Wir werden die Aktien natürlich nicht zu jedem Preis platzieren", sagte ein Infineon-Sprecher. Nach den ersten drei Tagen der Road Show bei Investoren habe man aber ein "sehr positives Feedback". Gerüchte über eine Absage der Kapitalerhöhung hatten den Infineon-Aktienkurs am Freitagvormittag kurzzeitig Auftrieb verliehen. Zuletzt standen die Aktien bei 26,69 Euro, ein Minus von 0,41 Prozent.

Die anderen Technologiewerte gehörten hingegen weiter zu den größten Verlierern. Siemens, SAP und Epcos verzeichneten Abschläge zwischen drei und 3,50 Prozent und waren damit die schwächsten Werte im Dax.

Abgeben musste auch die T-Aktie, die zuletzt rund zwei Prozent auf 26,53 Euro verlor. Die "FAZ" berichtet, die Staatsanwaltschaft Bonn weite ihre Ermittlungen gegen die Deutsche Telekom aus. Die Staatsanwälte gehen nun dem Verdacht nach, dass das technische Anlagevermögen in der Eröffnungsbilanz der Deutschen Telekom zum 1. Januar 1995 überbewertet gewesen sei. Das Blatt beruft sich dabei auf das Vorstandsmitglied Max Hirschberger.

Zudem prüft die Frankfurter Börse nach Angaben eines Sprechers die Rechtmäßigkeit der Börsenzulassung von rund 1,1 Milliarden Aktien des Konzerns. Gegen die Zulassung hatte ein Rechtsanwalt Widerspruch eingelegt, der gegen die Telekom wegen möglicher Falschbilanzierung des Immobilienbestandes klagt.

Schwach standen auch die Aktien der Deutsche Bank, die 2,25 Prozent auf 81,86 Euro nachgaben. Die Deutsche Bank reduziert für das laufende Geschäftsjahr den Etat für ihre Internet-Produkte. Statt der geplanten Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro sollen 2001 nur 200 Millionen Euro investiert werden. Das berichtet die "Financial Times Deutschland".

Investoren räumen ihre Depots

"Die Gewinnwarnungen von EMC und AMD haben den Technologiewerten den Rest gegeben", sagte ein Frankfurter Börsenhändler. Die Nerven bei den Investoren lägen blank. Derzeit würde unter den einzelnen Werten nicht differenziert und alles, was nach Technologie aussähe, aus den Depots geworfen.

Dies zeige sich etwa am Fall SAP. "Obwohl das Unternehmen nach der Gewinnwarnung der US-Firmen Broadvision und I2 Technologies Rückschlüsse auf das eigene Ergebnis zurückgewiesen hat, sind die Anleger ziemlich geschockt und ziehen sich aus der SAP-Aktie zurück", sagt der Händler. In zwei Wochen gibt SAP Zahlen bekannt. Da verkaufen viele schon jetzt.

"Der Aktienmarkt ist sehr sensibilisiert für negative Meldungen." Eine schlechte Nachricht reiche aus, um den Gesamtmarkt nach unten zu ziehen", bestätigte Analyst Ralph Bressler vom Bankhaus Lampe.

Wie bereits am Vortag gehörten defensive Titel zu den wenigen Gewinnern im Dax. Die Aktien des Versorgers RWE legten 2,33 Prozent auf 48,15 Euro zu. Preussag verbesserten sich um 0,25 Prozent auf 36,79 Euro. Die Aktien der Deutsche Post verteuerten sich um 0,62 Prozent auf 19,38 Euro. MAN legten 1,51 Prozent auf 26,20 Euro zu.

Zu den Gewinnern zählte ebenso die Aktien von BMW, die sich um 0,27 Prozent auf 40,33 Euro verteuerten. Konkurrent DaimlerChrysler fielen dagegen um 1,35 Prozent auf rund 54,15 Euro ab. Volkswagen präsentierten sich 2,81 Prozent schwächer auf 54,22 Euro.

Singulus trotzt Steag Hamtech

Ein einziger Hoffnungsschimmer leuchtete am Freitag im ehemaligen Wachstumssegment Neuer Markt: Trotz der Gewinnwarnung des Konkurrenten Steag HamaTech legten die Aktien des Herstellers von DVD-Produktionsanlagen Singulus zuletzt um 1,74 Prozent auf 23,40 Euro zu. Doch das war für so manchen Marktteilnehmer kein Trost. "Hier waren Schnäppchenjäger am Werk", sagte ein Händler. Steag Hamatech verloren zuletzt 12,75 Prozent 8,90 Euro. Das Unternehmen hatte vor Handelsbeginn gewarnt, dass es in diesem Jahr nicht mehr mit einem Gewinn rechnet.

Mit einem Plus von rund 37 Prozent auf 10,00 Euro führten die Aktien des Biotechnologieunternehmens Curasan im marktbreiteren Nemax All Share fortgesetzt die Gewinnerliste an. Hier wirke sich nach wie vor die Zertifizierung des Knochenaufbaumaterials "Cerasorb" positiv aus, erklärte ein Händler. Die Aktie hatte bereits am Vortag rund 49 Prozent zugelegt.

"Ansonsten gibt es derzeit nichts, aber auch gar nichts Ermutigendes", sagte ein Makler. Die Talfahrt werde erst einmal anhalten. "Verluste nähren im Augenblick die Verluste", so die Einschätzung eines Marktbeobachters.

Die Aktien des niederländischen Powershopper Letsbuyit.com befanden sich weiter auf Talfahrt und verloren zuletzt 12 Prozent auf 0,15 Euro. Das Unternehmen wird nach Einschätzung von Händlern in den nächsten ein bis zwei Tagen Konkurs anmelden. Ein großer Investor sei nun doch nicht bereit, Mittel in Millionenhöhe zur Verfügung zu stellen.

Die Aktien der Internetagentur Kabel New Media gaben rund 32 Prozent auf 0,45 Euro ab und waren damit schwächster Wert am gesamten Neuen Markt. Das Unternehmen hat in dieser Woche Insolvenzantrag gestellt. Bei Sunburst ist das Insolvenzverfahren bereits eröffnet worden. Die Aktien waren ebenso wie die von Letsbuyit ein beliebter Spielball der Zocker und standen zuletzt mit neun Prozent auf 0,20 Euro im Minus. Zeitweilig hatten die Kursabschlägen 30 Prozent betragen.



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