Börse am Nachmittag Nemax 50 fällt unter 1600-Punkte-Marke

Die deutschen Indizes bleiben im Minus. Die Fraport-Aktie fällt bereits an ihrem zweiten Handelstag unter den Ausgabekurs.


Frankfurt am Main – Der Dax verlor bis zum Nachmittag rund 0,9 Prozent auf 6115 Punkte. Schlechter sah es am Neuen Markt aus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verbilligten sich im Schnitt um rund drei Prozent und fielen unter die Marke von 1600 Punkten. Der Nasdaq Future, das vorbörsliche Barometer für die US-Technologiebörse, stand mit 0,7 Prozent im roten Bereich.

"Der ganze Markt zeigt sich lustlos, die Umsätze sind dünn und wir befinden uns im Banne des Hexensabbat am Freitag", sagte ein Frankfurter Händler. Vor dem Verfallstermin für Optionsscheine und Futures sei nicht mit großen Marktbewegungen zu rechnen. "Bis dahin halten sich vor allem die institutionellen Anleger zurück", fügte er hinzu.

Im Dax kletterte die T-Aktie um 1,43 Prozent auf runde 24,12 Euro. Die Telekom profitiere von der Ankündigung, mit der British Telecom eine Allianz bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards UMTS in Deutschland und Großbritannien einzugehen, sagten Händler. Die Telekom erwartet dadurch Einsparungen im Vergleich zu den bisherigen Planungen von 2,7 Milliarden Euro.

Die Aktien der HypoVereinsbank führten den Dax an: Sie legten 2,53 Prozent auf rund 58 Euro zu. Die HVB-Gruppe will ihr Privatkundengeschäft künftig einheitlich unter dem Namen HypoVereinsbank über die Filialnetze der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG, der Vereins- und Westbank AG und der Norisbank anbieten.

BMW hat im Monat Mai erstmals in seiner Geschichte mehr als 80.000 Wagen verkauft. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist das ein Plus von rund acht Prozent. In einem schwachen Börsenumfeld stand die Aktie immerhin nur mit 0,15 Prozent auf rund 40 Euro im roten Bereich. Die Werte der Konkurrenz zeigten sich dagegen schwächer. DaimlerChrysler gaben 1,53 Prozent auf rund 52,90 Euro ab. Volkswagen-Aktien verbilligten sich um 1,61 Prozent auf 56,33 Euro. Nach der Hauptversammlung zeigten sich institutionelle Anleger verschnupft und reduzierten ihren Anteil an VW-Aktien, sagten Händler. Gegen den Antrag von Fondsgesellschaften hatte die Hauptversammlung den Rückkauf von Stammaktien abgesegnet.

Fraport-Aktie verliert

Der Kurs der Fraport-Aktie ist auch am zweiten Handelstag des Papiers gesunken. Die Aktie verlor zuletzt 2,82 Prozent auf 33,82 Euro. Am Vortag war das Papier beim Wert von 34,80 Euro aus dem Handel gegangen, der Ausgabepreis hatte 35 Euro betragen. Händler sagten, der Emissionspreis sei "überteuert" gewesen. "Mit 35 Euro ist die Zuteilung am oberen Rande der Erwartungen ausgefallen", sagte ein Händler. Viele hätten mit einem fairen Wert von 33 oder 34 Euro gerechnet. "Man sah gestern, dass die Titel nicht euphorisch aufgenommen worden sind, sondern eher gestützt werden mussten."

Die Beiersdorf AG hat die Jahresüberschuss-Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Wie der Vorstandsvorsitzende Rolf Kunisch auf der Hauptversammlung am Dienstag in Hamburg sagte, wird der Kosmetik-Hersteller den Überschuss im Jahr 2001 auf 270 Millionen Euro steigern. Die Aktie legte 3,73 Prozent auf knapp 119,50 Euro zu.

Neuer Markt: Biotech-Werte unter Verkaufsdruck

Am Neuen Markt standen insbesondere Werte der Biotechnologie unter Verkaufsdruck. Mit Abschlägen von durchschnittlich 3,80 Prozent war dies die schwächste Branche am gesamten Neuen Markt. Das US-Biotech-Unternehmen Affymetrix hatte am Vortag eine Gewinnwarnung ausgegeben. MWG Biotech verloren 9,73 Prozent auf rund vier Euro. Nemax-50-Schwergewicht Qiagen verbilligten sich um 6,66 Prozent auf 26,90 Euro. Die ebenfalls im Nemax-50 notierten Medigene verloren 6,50 Prozent auf 18,70 Euro. Morphosys notierten 6,20 Prozent schwächer auf rund 62 Euro.

"Amerika lässt grüßen", konstatierte Guiseppe Amato von Lang & Schwarz. "Die Biotechs an der Nasdaq sind schwach gelaufen", begründete auch ein Händler die Kursverluste. Thomas Schießle vom Bankhaus Delbrück verwies auf die "fehlende Trennschärfe des Marktes". Es sei wie mit den Autoherstellern. Obwohl der eine LKWs und der andere Rennwagen produziere, würden alle über einen Kamm geschoren. Dabei habe das eine mit dem anderen nichts zu tun, wenn man es genauer betrachte.

Doch auch Schwergewichte wie Aixtron, Direkt Anlage Bank und Comdirect Bank zogen mit Verlusten zwischen 5,40 und 6,40 Prozent den Nemax-50 in den Keller.



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