Börse am Nachmittag Nemax lässt nicht nach

Jüngste Geschäftszahlen von Dax-Konzernen lösen an der Börse kaum Begeisterung aus. Nur die Aktie von Metro legt deutlich zu. Der Neue Markt knüpft an seinen positiven Trend vom Vortag an.


Frankfurt am Main – Zu Handelsauftakt am Dienstag haben die Halbjahresbilanzen der Konzerne Metro, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Der Dax präsentierte trotz schwacher Vorgaben der Wall Street bis 9.30 Uhr mit 0,1 Prozent auf 5793 Zähler im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 konnten an ihren positiven Vortagestrend anschließen und zeigten sich 0,7 Prozent stärker auf 1243 Punkte.

Nach der Vorlage von Halbjahreszahlen notierte die Aktie der Deutsche Telekom bis 9.30 Uhr bei 25,85 Euro - ein leichtes Plus von 0,39 Prozent. Alexander Henkel, Aktienhändler von der Bank Julius Bär, erwartete, dass der Konzern nach der Vorlage der Geschäftszahlen dem Dax Dienstag insgesamt Auftrieb verleiht.

Die Deutsche Telekom hat im ersten Halbjahr ihren Konzernüberschuss vor Sonderposten nach vorläufigen Berechnungen um rund 20 Prozent auf 600 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Mobilfunk habe sich im Halbjahresvergleich mehr als verdoppelt.

Nach Sonderposten steht unter dem Strich für das erste Halbjahr ein Konzernverlust von 400 Millionen Euro. Mit eingeflossen in die Berechnungen sind die Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 1 Milliarde Euro, die UMTS-Kosten von 900 Millionen Euro, der Verkauf der Sprint FON Anteile für 1 Milliarde Euro und die Konsolidierung von VoiceStream/Powertel für 300 Millionen Euro.

Der Konzernumsatz stieg um 17,4 Prozent von 19,2 Milliarden auf 22,6 Milliarden Euro. Anhand der vorläufigen Zahlen geht die Deutsche Telekom davon aus, dass sich das operative Ergebnis im Konzern gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern wird.

Der Metro-Konzernumsatz stieg um 5,8 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro (45,2 Milliarden Mark). Das Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (Ebit) wuchs um 10,9 Prozent auf 206,4 Millionen Euro. Die Aktie setzte sich an die Dax-Spitze mit Kursaufschlägen von 1,31 Prozent auf 43,36 Euro.

Fresenius Medical Care hat im ersten Halbjahr 2001 das Ergebnis nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 116 Millionen Dollar gesteigert. Der Umsatz konnte um 16 Prozent auf 2,36 Milliarden Dollar erhöht werden. Die Aktie fiel nach positivem Start mit 0,24 Prozent auf 88,25 Euro ins Minus.

Am Neuen Markt sprangen die Aktien von Heyde unter hohen Umsätzen um 23,95 Prozent auf 2,95 Euro, nachdem das angeschlagene Unternehmen durch den Verlauf von Software-Töchtern 25 Millionen Euro einnehmen wird. "Das können die gut gebrauchen", sagte ein Händler. Wie das Kerngeschäft gelaufen sei, können man aber erst nach den Quartalszahlen sehen.

Nachdem sich die ersten Erfolge der Restrukturierung des Softwareunternehmen Ixos abzeichnen, stiegen die Aktien im frühen Handel um 5,19 Prozent auf 7,10 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor die Rückkehr zu schwarzen Zahlen gemeldet.

Nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Halbjahr verloren Singulus um 3,36 Prozent auf 22,70 Euro, nachdem knapp 10.000 Aktien auf Xetra gehandelt waren.

Schwache Vorgaben aus New York

Bereits den dritten Handelstag in Folge haben die deutschen Aktienmärkte den Handel im Plus beendet. Allein der Neue Markt hat um 15 Prozent zugelegt und damit die "große Schwester", die US-Technologiebörse Nasdaq, abgehängt. Wenn auch Analysten und Händler noch von keiner Trendwende sprechen wollen, keimt gleichwohl Hoffnung vor allem bei privaten Anlegern auf, dass der schwer angeschlagene Patient langsam wieder zu Kräften kommt.

Fondsmanager dagegen, berichtet die "Welt", hielten dagegen ihr Pulver noch trocken. Rückschläge seien nicht auszuschließen. T-Online, Singulus und Steag Hamatech etwa müssen diese Woche noch mit Geschäftszahlen die Aufwärtstendenz des Marktes unter Beweis stellen.

Und letztlich bleibt den Investoren der Blick an die Wall Street nicht erspart. Wenn auch die Indizes seit vergangener Woche begonnen haben, ein Eigenleben zu entwickeln, so werden sich die deutschen Aktienmärkte nicht von der Entwicklung an der Wall Street abkoppeln können. Weniger die Tatsache, das die US-Börsen gestern leicht im Minus geschlossen haben, stimmt dabei bedenklich. Vielmehr sind es die andauernde Sorge um die US-Konjunktur und jüngste Prognosen zur Entwicklung des S&P 500, die aufhorchen lassen sollten. So haben drei namhafte Investmenthäuser ihre Prognosen für den Index zum Jahresende deutlich gesenkt.

Nachdem der Nikkei an der Tokioter Börse am Montag auf dem niedrigsten Stand seit Januar 1985 geschlossen hatte, setzte am Dienstag eine Erholung ein. Die 225 führenden Werte gingen mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 11.860 Punkte aus dem Handel.



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