Börse am Nachmittag Neuer Markt bricht ein

Die Nokia-Gewinnwarnung verdirbt den US-Börsen den Auftakt. Tech-Werte im Dax bauen ihre Verluste rapide aus. Einzig die T-Aktie stemmt sich gegen den Abwärtstrend.


Frankfurt am Main - Auch die US-Börsen bleiben von der Gewinnwarnung des weltgrößten Handyherstellers nicht verschont. Die Industriewerte im Dow Jones verloren zu Handelsbeginn rund 0,6 Prozent auf 10.865 Punkte. Die Technologiewerte an der Nasdaq gaben 2,1 Prozent auf 2125 Zähler nach. Nokia hatte zuvor für das zweite Quartal deutlich niedrigere Erwartungen veröffentlicht. Der Umsatz werde nur um zehn Prozent statt der bisher erwarteten 20 Prozent steigen, hieß es. Die Aktie von Nokia fiel zuletzt um rund 20 Prozent.

Angeführt von hohen Verlusten bei den Technologiewerten fiel der Dax bis 16.30 Uhr um 2,2 Prozent auf 6079 Punkte ab. Am Neuen Markt fielen die Wachstumswerte im Nemax-50 zuletzt um 6,4 Prozent auf 1558 Punkte in den Keller. Zeitweilig hatten die Abschläge hier sechs Prozent betragen.

Nach einer Gewinnwarnung des finnischen Handy-Herstellers haben die deutschen Technologieaktien im Dax ihre Talfahrt beschleunigt. Siemens verloren 4,43 Prozent auf runde 80 Euro. Das Papier der Siemens-Halbleitertochter Infineon verbilligte sich um 5,14 Prozent auf 38,79 Euro.

Der Titel des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos, der stark im Handygeschäft engagiert ist, verlor 5,40 Prozent auf 69,70 Euro. SAP fielen um rund vier Prozent auf 167,45 Euro. Tapfer stemmte sich die T-Aktie gegen den Trend und drehte zuletzt wieder mit 0,30 Prozent auf 23,85 Euro ins Plus.

Einziger Lichtblick im Dax waren die Aktien der HypoVereinsbank. Sie führten den Index mit plus 2,2 Prozent auf 57,85 Euro an. Die HVB-Gruppe will ihr Privatkundengeschäft künftig einheitlich unter dem Namen HypoVereinsbank über die Filialnetze der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG, der Vereins- und Westbank AG und der Norisbank anbieten. Aufgrund der Schwäche der Tech-Werte schichteten Anleger offenbar auch eher defensive Werte um: RWE steigerten sich um 0,66 Prozent auf 45,50 Euro. BASF-Aktien zogen um 0,45 Prozent auf 46,83 Euro an.

Fraport-Aktie verliert

Der Kurs der Fraport-Aktie ist auch am zweiten Handelstag des Papiers gesunken. Die Aktie verlor zuletzt 3,59 Prozent auf 33,55 Euro. Am Vortag war das Papier beim Wert von 34,80 Euro aus dem Handel gegangen, der Ausgabepreis hatte 35 Euro betragen. Händler sagten, der Emissionspreis sei "überteuert" gewesen. "Mit 35 Euro ist die Zuteilung am oberen Rande der Erwartungen ausgefallen", sagte ein Händler. Viele hätten mit einem fairen Wert von 33 oder 34 Euro gerechnet. "Man sah gestern, dass die Titel nicht euphorisch aufgenommen worden sind, sondern eher gestützt werden mussten."

Die Beiersdorf AG hat die Jahresüberschuss-Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Wie der Vorstandsvorsitzende Rolf Kunisch auf der Hauptversammlung am Dienstag in Hamburg sagte, wird der Kosmetik-Hersteller den Überschuss im Jahr 2001 auf 270 Millionen Euro steigern. Die Aktie legte 3,39 Prozent auf rund 119,50 Euro zu.

Neuer Markt: Biotech-Werte unter Verkaufsdruck

Im Nemax-50 stand zuletzt nur noch ein Wert im Plus: Die Papiere von Senator Entertainment führten den Index mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 6,17 Euro an. Hinter dem Wert standen die Zeichen nur noch auf Rot. Zu den schwächsten Titeln gehörten die Papiere des Handy-Ausrüsters Balda, die um rund zwölf Prozent auf 14,90 Euro in den Keller rauschten.

Unter Verkaufsdruck standen insbesondere Werte der Biotechnologie. Mit Abschlägen von durchschnittlich 5,33 Prozent war dies die schwächste Branche am gesamten Neuen Markt. Das US-Biotech-Unternehmen Affymetrix hatte am Vortag eine Gewinnwarnung ausgegeben. MWG Biotech verloren fast 15 Prozent auf rund 3,85 Euro. Nemax-50-Schwergewicht Qiagen verbilligten sich um acht Prozent auf 26,50 Euro. Die ebenfalls im Nemax-50 notierten Medigene verloren 6,50 Prozent auf 18,70 Euro. Morphosys notierten 7,10 Prozent schwächer auf 61,50 Euro.

"Amerika lässt grüßen", konstatierte Guiseppe Amato von Lang & Schwarz. "Die Biotechs an der Nasdaq sind schwach gelaufen", begründete auch ein Händler die Kursverluste. Thomas Schießle vom Bankhaus Delbrück verwies auf die "fehlende Trennschärfe des Marktes". Es sei wie mit den Autoherstellern. Obwohl der eine LKWs und der andere Rennwagen produziere, würden alle über einen Kamm geschoren. Dabei habe das eine mit dem anderen nichts zu tun, wenn man es genauer betrachte.



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