Börse am Nachmittag Neuer Markt stürzt ab

Verluste bei den Schwergewichten drücken den Dax tiefer ins Minus. Die T-Aktie und Allianz geben nach, SAP rutscht immer weiter ab. Der Neue Markt bricht nach schwachen Zahlen von Broadvision um fünf Prozent ein.


Frankfurt am Main – Der Dax baute sein Minus auf ein Prozent aus und notierte bei 6049 Punkten. SAP verlor zeitweise mehr als sechs Prozent. Im sogenannten Wachstumsindex Nemax 50 wuchsen die Verluste auf 5,1 Prozent. Der Index fiel auf 1363 Zähler.

Der Softwarehersteller SAP hat seinen Anteil an der im Nemax 50 notierten Tochter SAP SI um sieben auf 60 Prozent erhöht. Gleichzeitig mehren sich Gerüchte, dass SAP seine Zahlen aufgrund der schwachen Konjunktur nicht halten könne. Der Softwarehersteller hatte seine Prognosen bisher eingehalten. Dennoch verloren SAP-Anteile mehr als sechs Prozent und notierten unter 156 Euro.

Die Chemiekonzerne BASF (minus ein Prozent) und Bayer (minus 2,1 Prozent) litten unter einer Gewinnwarnung des US-Chemiekonzerns Dupont. Außerdem hat das Investmenthaus Merrill Lynch die Gewinnerwartungen für die beiden Chemietitel reduziert.

Gerüchte belasten Finanztitel

Die Allianz (minus 1,8 Prozent auf 336 Euro) litt ebenso wie die anderen Finanztitel unter Medienberichten, das Finanzministerium werde die geplante Steuerbefreiung bei Veräußerung von Kapitalbeteiligungen teilweise durch eine neue Gewerbesteuer aufweichen. Das Ministerium hat dieses Vorhaben jedoch demeniert.

Auch die Aktie der Deutschen Telekom verlor 1,3 Prozent auf 27,18 Euro. Händler nahmen die Verluste bei der T-Aktie gelassen: Es sei normal, dass ein Kurs nach vorangegangenen Gewinnen irgendwann nicht mehr steige. "Telekom hatte bisher einen guten Run", sagte ein Händler. Außerdem hat die Telekom milliardenschwere Anleihen am Markt platziert.

Defensive Werte ziehen an

Defensive Standardwerte gaben im Dax den Ton an. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp war mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 16 Euro Spitzenreiter im Index. Händler erklärten dies mit der Meldung, dass ThyssenKrupp jetzt auch in Mexiko und Italien lasergeschweißte Feinbleche für die Automobilindustrie herstellt.

Neben ThyssenKrupp und MAN (plus 2,4 Prozent auf 25,78 Euro) kletterte der Autobauer BMW um 1,4 Prozent auf 40,32 Euro und reagierte damit mit einem Tag Verspätung auf die gestiegenen Autozulassungszahlen in Frankreich.

RWE steigert Umsatz

Der Energiekonzern RWE hat sein vorläufiges Jahresergebnis vorgestellt. Das Betriebsergebnis habe um mehr als 35 Prozent zugelegt und der Umsatz 2000/01 sei um 29 Prozent auf 62 Milliarden Euro gewachsen, teilte der Konzern mit. Die Aktie, die bereits in der Vergangenheit den Versorgerindex übertroffen hat, legte am Nachmittag um 0,5 Prozent auf 46,98 Euro zu.

M-Dax: Übernahmegerüchte um Hannover Rück

Im Nebenwerteindex M-Dax, der bis zum Mittag 0,1 Prozent auf 4809 Punkte zulegte, waren die Aktien der Hannover Rück mit einem Plus von knapp fünf Prozent Spitzenreiter. Der HDI-Konzern hat die am Züricher Aktienmarkt umlaufenden Gerüchte als "Unsinn" zurückgewiesen, wonach die Schweizer Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Swiss Re) die HDI-Tochter Hannover Rück übernehmen wolle.

Neuer Markt bricht weiter ein

Schlechte Zahlen des E-Commerce-Anbieters Broadvision ließen den Nemax 50 am Nachmittag in den Keller rauschen. Die Aktie, die im Nemax 50 mit knapp fünf Prozent gewichtet ist, gab um rund 13 Prozent auf 5,22 Euro nach.

Gewinner im Nemax 50 waren am Nachmittag Comroad (plus drei Prozent auf 10,30 Euro) und Kabel-Konkurrent Pixelpark mit einem Plus von sechs Prozent auf 8,05 Euro. Comroad hatte einen Auftrag über den Aufbau von zunächst sieben Telematik-Netzwerken in China gemeldet.

Zockeraktie Kabel New Media

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist der Penny Stock Kabel New Media in den Händen der Zocker: Am Dienstag legte die Aktie 25 Prozent auf 0,65 Euro zu.

CE Consumer Electronic gab am Dienstag bekannt, ab 2002 die Bilanzierungsmethode von IAS auf US-GAAP umzustellen. Diese Änderung würde das Ebit in der Bilanz um rund zehn Millionen Mark erhöhen. Außerdem werde CE die restlichen Anteile an ihrer Mehrheitsbeteiligung an SND Electronics voraussichtlich günstiger und schneller als geplant übernehmen, hieß es.

Euro legt zu

Der Euro ist am Nachmittag leicht gestiegen. Gegen 14 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung 0,8487 US-Dollar. Vor der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag rechnen viele Marktteilnehmer mit einer Zinssenkung.



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