Börse am Nachmittag Rot, rot, rot

Der Kursverfall an den Börsen in New York und Frankfurt beschleunigt sich. Die wichtigen Indizes notieren alle tief im Minus. Gegen den Trend präsentieren sich SAP und die Deutsche Telekom fest.


Frankfurt am Main - Die Börsen in den USA haben wie erwartet schwach eröffnet. Der Dow Jones gab in der ersten halben Handelsstunde um 1,6 Prozent auf 8619 Punkte ab. Die Nasdaq verlor 1,4 Prozent auf 1507 Zähler. Am Markt drücken Sorgen um die Wirtschaftsflaute und ein möglicher militärischer Schlag der USA weiter auf die Stimmung.

Die deutschen Börsen konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen. In Frankfurt baute der Dax sein Minus bis 16.10 Uhr aus und notierte mit 3,5 Prozent im Minus auf 3898 Zählern. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 um vier Prozent auf 765 Punkte.

Zu den wenigen Gewinnern zählten SAP Chart zeigen , die T-Aktie Chart zeigen und die PostChart zeigen . SAP hat seine Gewinnprognosen erneut bestätigt. Bei der Post AG dauert die Erholung an, da sie als defensiver Wert gesucht ist. Auch die Aktien der Deutschen Telekom Chart zeigen zeigten sich weiter robust.

Die Telekommunikationsbranche ist für Investoren wieder interessant, da mit technologischer Aufrüstung gerechtet wird. Außerdem würden Videokonferenzen in Zukunft Geschäftsreisen in noch stärkerem Maße ersetzen. Einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge dürften die Deutsche Telekom gemeinsam mit DaimlerChrysler den Zuschlag der Bundesregierung für das elektronisches Mautsystem für LKW erhalten.

Kurssturz bei Lufthansa ungebremst

Größter Verlierer am Nachmittag war die Aktie der Lufthansa Chart zeigen mit einem zweistelligen Kursverlust. Die Fluggesellschaft hat gestern Abend eine Gewinnwarnung heraus gegeben und angekündigt, bis zu 15 Airbus-Bestellungen zurückzustellen. Die Krise der Luftfahrgesellschaften weitet sich aus: Die beiden weltgrößten Fluggesellschaften, American Airlines und United Airlines, wollen jeweils 20.000 Mitarbeiter entlassen. Damit hat sich die Zahl der von amerikanischen Fluggesellschaften nach den Terroristenattacken angekündigten Entlassungen auf rund 70.000 Personen erhöht.

Belastung bei Münchener Rück verdoppelt

Die Münchener Rück Chart zeigen rechnet inzwischen mit einer möglichen Belastung aus den Terroranschlägen in den USA von 2,1 Milliarden Euro Euro - doppelt so viel wie bislang geschätzt. Dies wäre die größte Belastung in der Geschichte des Unternehmens. Diese Zahlen belasteten auch die Allianz Chart zeigen. Das Investmenthaus Merrill Lynch hat den gesamten Versicherungssektor indessen wiederholt mit "Übergewichten" bewertet. Insbesondere durch die "übertriebenen Kursverluste" nach den Anschlägen in den USA hätten Versicherungstitel wieder an Attraktivität gewonnen.

Die Aktien der Münchener Rück stehen ebenso wie die Aktien von US-Fluglinien im Zentrum von Ermittlungen. Der Verdacht, Terroristen könnten an der Börse Tokio Versicherungs- und Airline-Aktien im großen Stil leer verkauft haben, erhärtet sich. Der Einsatz könne bis zu 500 Millionen Dollar betragen haben, sagte ein Sicherheitsexperte im Interview mit manager-magazin.de.

Stark unter Druck war auch die Aktie von Adidas Chart zeigen , die nach dem angekündigten Einstieg beim FC Bayern und aufgrund von Absatzsorgen in den USA weiter verlor und deutlich unter 50 Euro rutschte. Auch Infineon Chart zeigen gab weiter nach: Die Unsicherheit am Markt belastet mit Ausnahme der Deutschen Telekom die gesamte Technologiebranche.

Deutsche Bank in kritischer Verfassung

Die Rezessionsangst hat die Titel der Deutsche Bank Chart zeigen gestern um mehr als neun Prozent abwärts geschickt. Die ungebremste Talfahrt an den Börsen und die Zurückhaltung von Unternehmen bei Investitionen belasten den Finanzsektor. Die Aktie konnte sich am Donnerstag erholen, pendelt aber weiterhin um bescheidene 51 Euro.

Neuer Markt: Morphosys sehr schwach

Die Aktien der Biodata Information Technology Chart zeigen legten deutlich zu, präsentierten sich jedoch sehr schwankungsanfällig. Biodata liefert Sicherheitssoftware für Telefone, Faxe und PCs. "Die ganze Sicherheitssoftware-Branche läuft derzeit gut wegen der Anschläge in den USA und Computer-Viren wie dem Virus 'Nimda'", sagte der Analyseleiter der Frankfurter Sparkasse, Andreas Köchling. Bei Biodata könne es nach den starken Zugewinnen aber jederzeit zu Gewinnmitnahmen kommen.

Sehr schwach waren die Titel des Biotech-Unternehmens Morphosys Chart zeigen und des Spezialmaschinenbauers Aixtron Chart zeigen. "Cambridge Antibody haben Morphosys erneut beschuldigt, ein Patent von ihnen verletzt zu haben", sagte ein Analyst. Die monatelangen Anschuldigungen drücken auf den Kurs beider Unternehmen.

Euro-Kurs kaum verändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9259 (Mittwoch: 0,9258) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1124 (2,1126) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6320 (0,6323) Pfund, 108,15 (108,84) Yen und 1,4735 (1,4835) Schweizer Franken fest.



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