Börse am Nachmittag Ruhe vor dem Sturm?

Vor Eröffnung der US-Börsen reduzieren Dax und Nemax ihre Verluste leicht. Siemens, Infineon, Epcos und T-Aktie bleiben unter Druck. Der Neue Markt markiert Jahrestiefstände.


Frankfurt – Die Future-Indizes für den S&P 500 sowie für den Technologieindex Nasdaq liegen minimal im Plus. Eine behauptete Eröffnung in New York könnte die Talfahrt an den Aktienmärkte zumindest stoppen – an eine Trendwende glauben nur handverlesene Optimisten. Zu groß ist die Unsicherheit vor den Quartalszahlen von Yahoo und Motorola am Mittwoch, zu stark ist der Vertrauensverlust bei den deutschen Wachstumstiteln.

Zumindest die Daten zur deutschen Industrieproduktion sind etwas besser als erwartet. Im Mai habe das Produktionsniveau saisonbereinigt zum Vormonat um 0,9 Prozent zugenommen, teilte das Bundesfinanzministerium am Mittag mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer stagnierenden Produktion gerechnet.

Der Dax notierte am Nachmittag nur noch 0,3 Prozent schwächer bei 5844 Zählern. Besonders die Technologie- und Telekomtitel blieben aber unter Druck. Der Nemax All Share gab zwei Prozent auf 1280 Punkte nach, der Nemax 50 (minus 1,6 Prozent) notierte zuletzt bei 1178 Punkten.

Defensive Werte wie Adidas (plus 1,9 Prozent auf 71,50 Euro), Lufthansa (plus 1,7 Prozent auf 18,93 Euro) und Henkel (plus 1,7 Prozent auf 73,30 Euro) waren am Vormittag gefragt. Der Energiekonzern RWE setzte mit einem Plus von 1,4 Prozent seine Klettertour fort, nachdem die Credit Suisse First Boston die Titel zum Kauf empfohlen hatte.

Deutsche Telekom: Streit um Bewertung

Die TMT-Titel waren erneut die größten Verlierer im Dax. SAP notierten mit einem Minus von 0,5 Prozent weiter unter 140 Euro – nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage ist der Abwärtstrend noch nicht gestoppt. Die T-Aktie verlor zuletzt 1,3 Prozent auf 25,75 Euro. Bei der möglichen Fehlbewertung des technischen Anlagevermögens könnte es sich um eine Summe zwischen 15 und 21 Milliarden Mark handeln, berichtet der "Spiegel".

Siemens und Infineon stark unter Druck

Siemens verloren drei Prozent auf 62,10 Euro. Die Chiptochter Infineon gab 5,2 Prozent auf 25,25 Euro nach. Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, belasteten beide Werte massiv. Offenbar wollen institutionelle Anleger nicht mehr als 25 Euro für die neu ausgegebenen Infineon-Aktien zahlen – dies scheint Infineon Schumacher zu wenig zu sein. Man wolle die Kapitalerhöhung "nicht um jeden Preis", hieß es in der vergangenen Woche.

Deutsche Bank als Weißer Ritter?

Finanztitel notierten uneinheitlich. Die Deutsche Bank erwägt nach einem Bericht des "Spiegel", in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar zu dem Bericht ab. Die Aktie verlor 1,5 Prozent auf 80,30 Euro.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank im Zeitplan. Die Aktie notierte am Montag Vormittag 1 Prozent fester bei 337,30 Euro.

Bayer gaben um 0,9 Prozent auf 43,95 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland heute Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Neuer Markt: Wer macht das Licht aus?

Am Neuen Markt herrscht Untergangsstimmung. Bereits am Freitag hatte der Nemax 50 die 1.200-Punkte-Marke durchbrochen und markierte am Montag neue Jahrestiefs. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit. Der von der Deutschen Börse AG hochgelobte "Wachstumsmarkt" verkommt mehr und mehr zur Zockerbörse.

Gewinner im Nemax 50 waren am Montag Aixtron (plus 7,1 Prozent), Biodata (plus 6,8 Prozent) und Heyde (plus 2,1 Prozent). Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen. Die größten Verlierer im Nemax 50 waren am Mittag Telegate, Pandatel und SAP SI mit Verlusten zwischen zehn und zwanzig Prozent.

Der Internet-Anbieter eJay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um knapp 20 Prozent auf 0,70 Euro ein.

Der Euro wurde am Montag Morgen etwas fester mit 0,8461 Dollar gehandelt. Die EZB hatte in der vergangenen Woche die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Börsianer trauen der Konjunktur in den USA inzwischen wieder mehr zu als in Europa und verheißen dem Euro weiter schwierige Zeiten.



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