Börse am Nachmittag SAP bleibt an der Spitze

Die US-Börsen zeigen sich nicht so stark wie erwartet, damit geben auch die deutschen Aktienmärkte nach. Im Dax verteidigen SAP und T-Aktie ihre Spitzenplätze, die Papiere der Deutsche Post legen deutlich zu. Am Neuen Markt kämpft MobilCom weiter gegen Gerüchte.


Frankfurt am Main - Die Eröffnung der US-Börsen ist schwächer ausgefallen als es die starken vorbörslichen Barometer zunächst vorgegaukelt hatten. Gegen 16 Uhr drehte der Dow Jones mit mit 0,1 Prozent auf 10.292 Punkte ins Minus. Die Technologiewerte im Nasdaq Composite pendelten zuletzt um ihren Vortagesschluss 2027 Punkte.

Die deutschen Aktienmärkte gaben nach. Der Dax drehte mit 0,1 Prozent bei 5864 Zähler leicht ins Minus. Der Nemax 50 verzeichnete zuletzt noch ein Plus von drei Prozent auf 1237 Punkte.

Ein Händler in Frankfurt sprach von einem "Kauftag", wenn die Umsätze auch dünn seien. Die Aussichten auf Kursgewinne an der Wall Street sorgten für steigende Kurse vor allem am Neuen Markt. Er rechne aber in diesem Sommer nicht mehr mit einer grundlegenden Besserung des Gesamtmarktes. Dagegen hätte am Vormittag die Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Gewinne im Dax geschmälert, sagte ein anderer Händler. Die DIW-Experten senkten ihre Wachstumsschätzung für Deutschland in diesem Jahr drastisch auf 1,0 Prozent. Erst im Jahr 2002 sei wieder mit einer spürbaren Erholung zu rechnen.

SAP verteidigt Spitzenplatz

Eine technische Reaktion auf die Verluste der vergangenen Tage hat nach Ansicht von Oana Floares, Analystin bei Helaba Trust, die Aktie von SAP Chart zeigen an die Dax-Spitze befördert. SAP kosteten 143,79 Euro: 3,53 Prozent mehr als am Vortag. Gerüchte, dass SAP seine Prognosen in dem schwachen Marktumfeld nicht halten könne, hatten die Aktie in der vergangenen Woche stark belastet. Die T-Aktie Chart zeigen notierte zuletzt zwei Prozent fester bei 26,75 Euro. Und auch die Aktien des zweiten ehemaligen Staatsmonopolisten, die Papiere der Deutsche Post Chart zeigen, verteuerten sich um 2,88 Prozent auf 19,28 Euro.

Die Stimmung im Telekomsektor bleibt jedoch nervös: Der Glasfaserriese Corning Chart zeigen rechnet auf Sicht von zwölf bis 18 Monaten nicht mit einer Erholung und baut weitere Stellen ab. Auch der französische Telekomausrüster Alcatel Chart zeigenwill in den USA weitere 2500 Arbeitsplätze abzubauen. Zudem rechnet das US-Investmenthaus Goldman Sachs weiterhin mit einer schwachen Performance europäischer Hightechtitel.

Bayer steigt nach Übernahme-Deal

Bayer profitierten von Exklusiv-Verhandlungen mit Aventis und Schering Chart zeigen über den Kauf der Pflanzenschutz-Sparte Aventis CropScience. Allerdings sei diese gute Nachricht im Kurs bereits weitgehend berücksichtigt, sagte ein Händler. Bayer stiegen um 0,27 Prozent auf 44,30 Euro. Schering, die 24 Prozent an CropScience halten, gewannen dagegen 1,36 Prozent auf 61,09 Euro. M.M.Warburg hatte den Titel von "Halten" auf "Kaufen" heraufgestuft. Der Analyst Ulrich Huwald rechnet damit, dass das Pharmaunternehmen für seinen Anteil an CropScience etwa 1,15 Milliarden Euro erhalten wird.

Infineon bleibt unter Druck

Der Technologiekonzern Siemens Chart zeigen und die Chiptochter Infineon Chart zeigen waren nach der Diskussion um die geplante Kapitalerhöhung gestern die größten Verlierer im Dax. Während Siemens am Dienstag Nachmittag um 1,77 Prozent auf 63,10 Euro kletterte, tendierte Infineon fortgesetzt schwächer (minus 2,89 Prozent) und notierte bei 25,21 Euro.

Neben Infineon büßte Preussag Chart zeigen gegen den Trend und bei hohen Umsätzen 2,34 Prozent auf 35,55 Euro ein. Von Gewinnmitnahmen sprach Robert Gülpers. Für den Analysten von Sal. Oppenheim hat sich die Aktie in der Vergangenheit gut gehalten, während um sie herum die Technologiewerte abgestürzt seien.

Neuer Markt: ACG und Singulus brechen ein

Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 gehörten die Aktien von Aixtron Chart zeigen, die sich um mehr als 14 Prozent auf 28,30 Euro verteuerten. Aixtron hält trotz der schwierigen Marktsituation an seinen Prognosen fest. "Von uns wird es keine Gewinnwarnung geben", sagte Aixtron-Sprecher Claus Ehrenbeck am Dienstag. "Unsere Planungen sind bombenfest und wir werden im nächsten Jahr weiter wachsen", bekräftigte er und fügte hinzu: "Unsere Quartalszahlen werden die erfreuliche Geschäftsentwicklung widerspiegeln und wir werden in den kommenden Jahren um durchschnittlich 30 Prozent wachsen."

Auch SAP SI Chart zeigen (plus 14 Prozent auf 20,80 Euro) konnte sich ebenso wie der im Dax notierte Mutterkonzern erholen. Händler führten den Gewinn auf die starken Abgaben der Vortage zurück. "Gestern hatte es morgens einen richtigen Ausverkauf gegeben, der die Aktie deutlich unter 20 Euro führte. Das haben wir heute mit ordentlichen Umsätzen wieder aufgeholt", sagte ein Händler.

Biotechnologiewerte notierten ebenfalls freundlich: Zu den größten Gewinnern zählten Evotec Chart zeigen (plus 10,45 Prozent auf 14,80 Euro) und Morphosys Chart zeigen mit einem Plus von knapp acht Prozent auf 39,80 Euro.

Börsianer rechnen am Neuen Markt nach den massiven Verlusten der Vorwoche allenfalls mit einer technischen Reaktion, aber nicht mit einer Trendwende. In diesem Sinne ist auch das Plus von 23 Prozent bei Brokat Chart zeigen zu bewerten: Bei einer Bewertung von rund 2,50 Euro ist es relativ leicht, die Kurse deutlich nach oben zu treiben. Telegate Chart zeigen legten sogar 37 Prozent auf 6,65 Euro zu.

Der im Nemax 50 gelistete Chipbroker ACG Chart zeigen hat seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2001 gesenkt. Das Unternehmen geht auf Grund der sich verschlechternden Situation im Halbleiter- und Mobilfunkmarkt nun von einem Umsatz von 400 Millionen Euro und einem Ebitda von 15 Millionen Euro aus. Die Aktie von ACG brach 14 Prozent auf 8,80 Euro ein und war schwächster Wert im Index.

Der DVD-Anlagenhersteller Singulus Chart zeigen gab ebenfalls gegen den Trend rund sieben Prozent auf 21,45 Euro nach. Das Unternehmen schließt auf grund der schlechten Rahmenbedingungen einen Wechsel aus dem Segment Neuer Markt nicht aus - das Image des Marktes sei eine zu große Belastung.

MobilCom weiter nahe Jahrestief

Auch MobilCom Chart zeigen denkt weiterhin über einen Wechsel nach. Die Aktie drehte zuletzt wieder leicht ins Minus auf 12,25 Euro. Der Wert war am Vortag nach Gerüchten über eine zu geringe Liquidität auf das Jahrestief von 10,91 Euro gefallen war. Das Gerücht sei gezielt gestreut worden, sagte ein Unternehmenssprecher im Gespräch mit manager-magazin.de.



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