Börse am Nachmittag T-Aktie weiter unter Druck

Die Wall Street startet schwach: Das Enron-Debakel und der sich verschärfende Konflikt im Nahen Osten belasten die Börse. Der NAPM-Einkaufsmanagerindex fällt dagegen besser aus als erwartet.


New York / Frankfurt am Main – Der Dow Jones gab bis 16 Uhr 1,1 Prozent auf 9741 Zähler nach. Der Technologieindex Nasdaq Composite verlor 0,9 Prozent auf 1914 Zähler.

Bis zur Bekanntgabe des NAPM-Einkaufsmanagerindex hatten sich Investoren auf beiden Seiten des Atlantiks zurückgehalten. Der Frühindikator müsse zeigen, dass sich die Kurserholung der vergangenen Monate nun auch konjunkturell belegen lasse. Der Index ist auf 44,5 Punkte gestiegen, nach 39,8 Punkten im Oktober. Damit lag er über den Erwartungen der Analysten.

Privathaushalte in Einkaufsstimmung

Auch von den Konsumenten kommt wieder ein positives Signal: Die Ausgaben der US-amerikanischen Privathaushalte haben im Oktober den höchsten Anstieg seit der Datenauflegung 1959 verzeichnet und damit die Erwartungen von US-Volkswirten übertroffen. Im Vergleich zum September hätten die Konsumausgaben um 2,9 Prozent zugelegt, teilte das US-Handelsministerium mit.

Doch diese positiven Nachrichten von der Konjunkturseite konnten die Märkte zunächst nicht in Schwung bringen. Der Zusammenbruch des Energiehändlers Enron belastete nicht nur den Finanzsektor. Am Sonntag hat Enron in den USA Gläubigerschutz beantragt und gleichzeitig eine Klage auf Schadensersatz in Milliardenhöhe gegen den Wettbewerber Dynegy eingereicht, der sich kurzfristig von Fusionsplänen mit Enron verabschiedet hatte. Nun bangen die Banken um ihre Kredite.

Bewegung in der Hightech- und Biotechbranche

Fusions- und Allianzvorhaben stützten zum Handelsauftakt die Kurse einiger Halbleiter- und Biotechnologie-Unternehmen. Der hoch verschuldete südkoreanische Chiphersteller Hynix Semiconductor und sein US-Wettbewerber Micron Technology erwägen eine strategische Allianz. Auch eine Übernahme von Hynix werde nicht ausgeschlossen. Auch die Anteilsscheine des Biotechnologie-Unternehmens Aviron starteten fest. MedImmune will den Konkurrenten für 1,5 Milliarden US-Dollar übernehmen. Die Aktie von MedImmune gab deutlich nach.

Weiterhin beginnt heute eine Analystenkonferenz zu Cisco Systems. Mitte der Woche gerät Intel Chart zeigen ins Visier der Analysten. Die Aktie von Intel startete leicht im Plus, nachdem Morgan Stanley sich positiv geäußert hatte.

Amazon: Warten auf den Weihnachtsmann

Die Aktie des Internetkaufhauses Amazon geriet dagegen zum Handelsstart unter Druck. Die Investmentbank Lehman Brothers hat die Hoffnungen auf ein außerordentlich gutes Weihnachtsgeschäft gedämpft. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Umsätze des vierten Quartals besser oder schlechter ausfielen als prognostiziert.

Dax reduziert Verluste

Kursverluste der Schwergewichte Deutsche Telekom, Allianz und Münchener Rück drückten bei den deutschen Standardwerten weiter auf den Index. Der Dax reduzierte bis 16.15 Uhr seine Verluste auf 0,9 Prozent auf 4936 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten zuletzt nur noch 3,8 Prozent schwächer.

Adidas und Infineon profitieren von Empfehlungen

Adidas Chart zeigen blieben mit einem Kursplus von 4,8 Prozent an der Dax-Spitze. Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihr Kursziel für das Papier auf 92 Euro angehoben und den Titel weiter als "klaren Kauf" eingestuft. Infineon Chart zeigen profitierten ebenfalls von positiven Analystenkommentaren durch Dresdner Kleinwort Wasserstein, die das Papier von "Halten" auf "Hinzufügen" hochgestuft haben. Infineon könne von einem Anziehen der PC-Nachfrage in den USA profitieren, erklärten die Analysten. Die Aktie legte zuletzt 2,7 Prozent auf 22,40 Euro zu und gehörte damit ebenfalls zu den wenigen Gewinnern im Dax.

Großauftrag für Siemens

Der Bauelemente-Hersteller Epcos Chart zeigen und Konzernmutter Siemens Chart zeigen konnten ihr Minus am Nachmittag leicht reduzieren. Die Siemens-Sparte Power Generation hat einen Auftrag über rund eine Milliarde Euro aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an Land gezogen.

T-Aktie deutlich unter Druck

Die Papiere der Deutsche Telekom Chart zeigen bauten ihre Verluste 2,8 Prozent aus und notierten bei 18,42 Euro. Händler begründeten die Verluste damit, dass ehemalige Voicestream-Aktionäre sich nach Ablauf der Haltefrist am Wochenende von T-Aktien getrennt hätten. Bis zu 490 Millionen T-Aktien stehen nach Ablauf der Haltefristen rein rechnerisch zum Verkauf. Zugleich könnte das Papier nach der Umstellung der MSCI-Indizes auf Streubesitz darunter leiden, dass große Fonds in ihrem Portfolio diesen Wert nun untergewichten.

Allianz gibt trotz "Metall-Rente" nach

Die Tarifparteien Gesamtmetall und IG Metall haben den Versicherungskonzern Allianz Chart zeigen und dessen Tochter Dresdner Bank als Konsortialführer ihres gemeinsamen Versorgungswerks "Metall-Rente" ausgewählt. Diese Woche würden die Details des Vertrages ausgehandelt, schreibt das "Handelsblatt". Allianz und Dresdner Bank könnten sich auf Beitragseinnahmen in Milliardenhöhe freuen. Die Aktie zeigte sich dennoch 2,1 Prozent schwächer auf 258 Euro. Mit Blick auf die MSCI-Umstellung könnte die Aktie des Versicherungskonzerns ebenso wie die T-Aktie und die Papiere der Münchener Rück Chart zeigen (minus 1,9 Prozent auf 294 Euro) wegen ihres vergleichsweise Streubesitzes unter Verkäufen von Fonds leiden.

Neuer Markt: Ende der Rallye?

Am Neuen Markt gab es im Nemax 50 nur wenige Gewinner. Highlight Communications Chart zeigen waren mit einem Plus von 4,4 Prozent bester Titel im Nemax 50. Die Aktien profitierten von der Spekulation über den Wettstreit um die Rechte an der Fußball-Champions-League. Das Schweizer Medienunternehmen hält die Rechte bis zum Jahr 2003. Die UEFA will an diesem Mittwoch über die Vergabe bis 2006 entscheiden. Euch das Biotechnologie-Unternehmen Evotec Chart zeigen legte rund zwei Prozent zu, nachdem das Unternehmen eine Kooperation mit Merck bekannt gegeben hatte.

Die Aktien des Filmproduzenten Senator EntertainmentChart zeigen brachen um 19 Prozent auf 2,67 Euro ein. Am Freitag hatte der Filmproduzent gewarnt, er werde im laufenden Jahr weniger verdienen als erwartet. Auch der Umsatz werde zurückgehen. Darüber hinaus mussten einige Filmstarts verschoben werden, um nicht mit den Verkaufsschlagern "Harry Potter" und "Herr der Ringe" zu konkurrieren.

Euro fester

Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8925 US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1914 Mark.



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