Börse am Nachmittag Wall Street schwach

US-Konzerne schauen wenig zuversichtlich in die Zukunft und bescheren der Wall Street einen schwachen Auftakt. Die Aktien von Amazon etwa brechen um 20 Prozent ein. Auch in Deutschland geben Techwerte ab. Siemens gehört zu den größten Verlierern im Dax.


Frankfurt am Main - Die US-Börsen haben schwach und rutschten bis 16.30 Uhr weiter ab. Die Industriewerte im Dow Jones lagen mit 0,7 Prozent im Minus bei 10.347 Punkten. Die Technologiewerte im Nasdaq Composite gaben ebenfalls 0,7 Prozent auf 1977 Zähler ab. Der Dax baute seine Verluste auf 1,3 Prozent bei 5717 Zählern aus. Der Nemax 50 verringerte sein Plus auf 1,7 Prozent bei 1100 Zählern.

Einer der weltgrößten Telekomausrüster, Lucent Technologies, hatte vor Handelsbeginn in den USA den Vogel abgeschossen. Nach bereits zwei Gewinnwarnungen veröffentlichte der Konzern Geschäftszahlen, die dann auch noch unter den Erwartungen der Analysten lagen. Jetzt wird Lucent bis zu 20.000 weitere Stellen zu streichen. Die Aktie gab um rund 14 Prozent nach.

Vorbörslich hatten auch die Aktien der Konzere AT&T, Texas Instruments und Amazon.com unter Verkaufsdruck gestanden. Alle Konzerne hatten am Montag nach Börsenschluss Geschäftszahlen etwa im Rahmen der Erwartungen vorgelegt, allerdings ihre Umsatzprognosen gesenkt. Amazon-Papiere stürzten eine halbe Stunde nach Handelsbeginn in den USA um mehr als 20 Prozent ab.

In Frankfurt erhoffte sich der Markt von einer Anhörung des US-Notenbankchefs Alan Greenspans am Nachmittag (MESZ) weitere Aufschlüsse über die Konjunkturentwicklung in den USA. "Er kann nicht mehr länger die Situation schön reden", sagte Christian Schmidt, Händler von der Helaba in Frankfurt. Greenspan spricht ab 16 Uhr (MESZ) vor dem Bankenausschuss des US-Senats.

Goldman Sachs empfiehlt Fresenius Medical Care

Die Dax-Gewinnerliste wurde weiter angeführt von der Fresenius Medical Care-Aktie, die 2,45 Prozent auf knapp 84 Euro zulegte. Das Papier profitierte von einer positiven Analyse der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten haben Fresenius Medical Care in ihre Empfehlungsliste aufgenommen und für die Anteilsscheine ein Kursziel von 105 Euro angegeben.

Ebenfalls freundlich notierten die Aktien von der Lufthansa (plus 0,53 Prozent auf 19,14 Euro), Allianz (plus 0,32 Prozent auf 317 Euro).

Wie schon am Vortag hatte die Aktie von MLP die Verliererliste angeführt. Das Papier rutschte um zehn Prozent auf 88 Euro. Am Montag war MLP mit einem Abschlag von über sieben Prozent aus der Sitzung gegangen. Vor der Aufnahme in den Dax sei die Aktie "hochgekauft" worden, erklärte ein Händler. Nun würde sie "heruntergeprügelt", weil sie den Anlegern zu teuer erscheine.

SAP ist von Marktgerüchten um eine Berichtigung der am Donnerstag präsentierten Geschäftszahlen belastet worden. Das Papier verlor 1,78 Prozent auf 157,15 Euro. Gegen die Softwareschmiede ermittelt der "Berliner Zeitung" zufolge das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", wird eine Sprecherin des Amtes zitiert. Am Wochenende hatte der größte europäische Softwarekonzern eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben als noch am vergangenen Donnerstag präsentiert. Auslöser waren die Quartalsverluste von mehr als zwei Milliarden Mark des US-Softwareherstellers Commerce One, an dem SAP beteiligt ist.

Im Vorfeld der für Mittwoch erwarteten Zahlen gaben die Aktien von Siemens deutlich nach. Die Titel verloren zuletzt 5,39 Prozent auf 57,62 Euro, die der Konzerntochter Epcos gaben 1,20 Prozent auf 52,30 Euro nach. Bereits gestern hatte die Aktie um mehr als zwei Prozent verloren, nachdem die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein die Gewinnprognosen für das Unternehmen als auch das Kursziel von ehemals 54 auf zukünftig 45 Euro gesenkt hatte. Der Markt befürchte, dass die Quartalszahlen des Elektronik-Konzerns schlecht ausfallen, sagte ein Händler.

Die Konkurrenz aus der Schweiz hatte bereits am Morgen ein negatives Beispiel geliefert: ABB musste im ersten Halbjahr 2001 einen Gewinneinbruch hinnehmen. Möglicherweise sei bei Siemens das negative Überraschungspotenzial aber inzwischen so weit eingepreist, dass die Aktie am Mittwoch bei Veröffentlichung der Zahlen sogar steigen könnte, erklärte der Händler.

Technische Reaktion verhilft den Neuen Markt ins Plus

Der Neue Markt stemmte sich mit Zugewinnen gegen die schlechten Vorgaben der Nasdaq, gaben dann aber mit Eröffnung der US-Börsen nach. Händler machten für die freundliche Tendenz eine technische Reaktion verantwortlich. Fundamental habe sich nichts geändert, zudem sei die Nachrichtenlage aus den USA eher belastend.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Aktie von EM.TV, die sich um 7,78 Prozent auf 1,94 Euro verteuerte. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass der Firmengründer Thomas Haffa kurz davor stehen soll, seinen Anteil von 43 Prozent am Unternehmen für rund 180 Millionen Mark zu verkaufen.

Die Aktien des Telematik-Dienstleisters Init konnten sich im Frankfurter Parketthandel wieder leicht über den Ausgabepreis von 5,10 Euro hieven. Zuletzt stand das Papier bei 5,18 Euro. "Für ein so schwieriges Umfeld für Börsengänge ist das kein schlechter Start", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Derzeit würden die Emissionsbanken den Aktienkurs allerdings noch durch Käufe stützen, hieß es.

Euro notiert stärker

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8708 (Montag: 0,8676) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2460 (2,2543) Mark. Nach der Festlegung des Referenzkurses durch die EZB kletterte der Euro weiter und stieg zum späten Nachmittag auf 0,8743 Dollar.

Die niedriger als erwartet ausgefallenen Inflationswerte aus den deutschen Bundesländern sowie die ebenfalls geringe Teuerung in Frankreich hätten dem Euro-Kurs am Dienstagnachmittag neues Leben eingehaucht, sagte der Analyst Mark Austin vom Bankhaus HSBC.



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