Börse am Nachmittag Wall Street startet schwach

Die deutschen Aktienmärkte verharren auch nach einer schwachen Eröffnung der Wall Street tief im Minus. Verluste bei den Schwergewichten aus der Technologiebranche drücken den Dax und den Nemax nach unten.


Frankfurt am Main - Der Dax konnte sich am Nachmittag nicht aus dem roten Bereich befreien und notierte um 16 Uhr mit 0,8 Prozent im Minus auf 6062 Zählern. Deutlich schwächer präsentierten sich die Werte am Neuen Markt. Der Nemax 50 verlor 4,3 Prozent auf 1374 Punkte. Die Nebenwerte behaupteten sich: Mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent stand der M-Dax bei 4798 Punkten.

Die Eröffnung in New York fiel am verkürzten Handelstag schwach aus. Der Dow Jones gab innerhalb der ersten halben Handelsstunde 0,5 Prozent auf 10.541 Punkte ab. Die Nasdaq verlor 0,7 Prozent auf 2134 Zähler. Die Stimmung an der Wall Street wurde von einer Gewinnwarnung von Broadvision und Dupont belastet. Zudem gab IBM massive Stellenstreichungen bekannt und die geplante Honeywell-Übernahme durch General Electric ist von der Europäischen Kommission verboten worden.

Schwächster Wert im Dax waren die Aktien des Softwareherstellers SAP, die 5,7 Prozent auf 155,85 Euro verloren. Das Unternehmen wurde von einer Gewinnwarnung des IT-Dienstleisters Broadvision belastet. Zudem gaben die Walldorfer bekannt, ihren Anteil an der im Nemax 50 notierten Tochter SAP SI um sieben auf 60 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig mehrten sich Gerüchte, dass SAP seine Zahlen auf Grund der schwachen Konjunktur nicht halten könne. Der Softwarehersteller hatte seine Prognosen bisher eingehalten.

Defensive Werte bestimmten am Nachmittag die Gewinnerliste. Ganz oben notierte die "Aktie Gelb". Die Titel der Deutschen Post stiegen um 2,8 Prozent auf 19,44 Euro. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp profitierte von der Meldung, dass jetzt auch in Mexiko und Italien lasergeschweißte Feinbleche für die Automobilindustrie herstellt werden sollen. Investoren honorierten die Nachricht mit einem Kursplus von 1,8 Prozent auf 15,85 Euro.

Neben ThyssenKrupp und MAN (plus 2,4 Prozent auf 25,74 Euro) kletterten die Anteilsscheine des Autobauers BMW um ein Prozent auf 39,96 Euro und reagierten damit mit einem Tag Verspätung auf die gestiegenen Autozulassungszahlen in Frankreich.

Die Titel der Chemiekonzerne BASF (minus 0,9 Prozent auf 46,38 Euro) und Bayer (minus 1,8 Prozent auf 45,90 Euro) litten unter einer Gewinnwarnung des US-Chemiekonzerns Dupont. Außerdem hat das Investmenthaus Merrill Lynch die Gewinnerwartungen für die beiden Chemietitel reduziert.

Die Allianz-Aktie (minus 2,1 Prozent auf 335,25 Euro) litt ebenso wie die anderen Finanztitel unter Medienberichten, das Finanzministerium werde die geplante Steuerbefreiung bei Veräußerung von Kapitalbeteiligungen teilweise durch eine neue Gewerbesteuer aufweichen. Das Ministerium hat dieses Vorhaben jedoch dementiert.

Auch die Aktie der Deutschen Telekom verlor 1,9 Prozent auf 27,05 Euro. Händler nahmen die Verluste bei der T-Aktie gelassen: Es sei normal, dass ein Kurs nach vorangegangenen Gewinnen irgendwann nicht mehr steige. "Telekom hatte bisher einen guten Run", sagte ein Händler. Außerdem hat die Telekom milliardenschwere Anleihen am Markt platziert.

Der Energiekonzern RWE hat sein vorläufiges Jahresergebnis vorgestellt. Das Betriebsergebnis habe um mehr als 35 Prozent zugelegt und der Umsatz 2000/01 sei um 29 Prozent auf 62 Milliarden Euro gewachsen, teilte der Konzern mit. Die Aktie, die bereits in der Vergangenheit den Versorgerindex übertroffen hat, legte am Nachmittag um 0,3 Prozent auf 46,89 Euro zu.

M-Dax: Übernahmegerüchte um Hannover Rück

Im Nebenwerteindex M-Dax, der bis zum Mittag 0,1 Prozent auf 4809 Punkte zulegte, waren die Aktien der Hannover Rück mit einem Plus von 5,4 Prozent auf 96 Euro oben in der Gewinnerliste. Der HDI-Konzern hat die am Züricher Aktienmarkt umlaufenden Gerüchte als "Unsinn" zurückgewiesen, wonach die Schweizer Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) die HDI-Tochter Hannover Rück übernehmen wolle.

Broadvision zieht den Neuen Markt nach unten

Schlechte Zahlen des E-Commerce-Anbieters Broadvision ließen den Nemax 50 am Nachmittag in den Keller rauschen. Die Aktie, die im Nemax 50 mit knapp fünf Prozent gewichtet ist, gab um mehr als 20 Prozent auf 4,70 Euro nach.

Größter Gewinner im Nemax 50 waren die Aktien von Lion Bioscience, die 5,6 Prozent auf 33,26 Euro zulegten. Ebenfalls fest präsentierten sich die Titel von Comroad, die sich um 2,7 Prozent auf 10,27 Euro verteuerten. Das Unternehmen profitierte von einem Auftrag über den Aufbau von zunächst sieben Telematik-Netzwerken in China.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist der Pennystock von Kabel New Media in den Händen der Zocker: Am Dienstag legte die Aktie um annähernd 20 Prozent auf magere 0,62 Euro zu. Der Konkurrent Pixelpark legte hingegen zu. Die Anteilsscheine des Berliner Internet-Dienstleisters gewannen 1,2 Prozent auf 7,69 Euro.

CE Consumer Electronic hat Anleger auf eine Gewinnwarnung vorbereitet: Vorstandschef Erich J. Lejeune sieht das größte Risiko für das Unternehmen in den USA und schließt deshalb eine Korrektur der Prognose für das laufende Geschäftsjahr nicht aus. Dies sagte er auf der Hauptversammlung am Dienstag vor mehr als 1000 Aktionären. Die Aktie verlor daraufhin um 4,1 Prozent auf 7,66 Euro.

Euro wieder leicht gestiegen

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8497 (Montag: 0,8455) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,3018 (2,3132) Mark.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.