Börse am Nachmittag Warten auf Greenspan

Bei schwachen Umsätzen baut der Dax seine Verluste weiter aus. Zu den größten Verlierern gehören wieder die Technologietitel und MLP. Händler warten auf positive Impulse aus den USA.




Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Verluste im Handelsverlauf ausgebaut und rutschte bis 14.30 Uhr um 0,9 Prozent auf 5738 Punkte. Weiterhin im Plus hielt sich der Neue Markt. Die Aktien im Nemax 50 stiegen durchschnittlich um 2,6 Prozent und hoben den Index auf 1110 Zähler.

Extrem dünne Umsätze und damit eine insgesamt lethargische Stimmung hat das Geschehen am Aktienmarkt geprägt, wobei nur einzelne Titel wie MLP, Fresenius Medical Care oder am Neuen Markt EM.TV das Interesse auf sich zogen. Händler sagten, die Vorlage enttäuschender US-Unternehmenszahlen am Vorabend habe Zurückhaltung bei Marktteilnehmern im Dax aufkommen lassen. Zudem hat vor Eröffnung der Wall Street der US-Netzwerkriese Lucent enttäuschende Geschäftszahlen und Massenentlassungen bekannt gegeben.

Der Markt erhofft sich von einer Anhörung des US-Notenbankchefs Alan Greenspans am Nachmittag (MESZ) weitere Aufschlüsse über die Konjunkturentwicklung in den USA. "Er kann nicht mehr länger die Situation schön reden", sagte Christian Schmidt, Händler von der Helaba in Frankfurt. Greenspan spricht um 16.00 Uhr (MESZ) vor dem Bankenausschuss des US-Senats.

Die Futures für die Nasdaq und den S&P notierten eine Stunde vor Handelsbeginn nahezu unverändert.

Goldman Sachs empfiehlt Fresenius Medical Care

Die Dax-Gewinnerliste wurde angeführt von der Fresenius Medical Care-Aktie, die 1,7 Prozent auf 83,30 Euro zulegte. Das Papier profitierte von einer positiven Analyse der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten haben Fresenius Medical Care in ihre Empfehlungsliste aufgenommen und für die Anteilsscheine ein Kursziel von 105 Euro angegeben.

Ebenfalls freundlich notierten die Aktien von der Lufthansa (plus ein Prozent auf 19,22 Euro), Allianz (plus 0,8 Prozent auf 318,60 Euro) und DaimlerChrysler (plus 0,5 Prozent auf 57,05 Euro).

Wie schon am Vortag hat die Aktie von MLP die Verliererliste angeführt. Das Papier rutschte um über acht Prozent auf 89,75 Euro. Am Montag war MLP mit einem Abschlag von über sieben Prozent aus der Sitzung gegangen. Vor der Aufnahme in den Dax sei die Aktie "hochgekauft" worden, erklärte ein Händler. Nun würde sie "heruntergeprügelt", weil sie den Anlegern zu teuer erscheine.

SAP ist von Marktgerüchten um eine Berichtigung der am Donnerstag präsentierten Geschäftszahlen belastet worden. Das Papier verlor 2,2 Prozent auf 156,40 Euro. Gegen die Softwareschmiede ermittelt der "Berliner Zeitung" zufolge das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", wird eine Sprecherin des Amtes zitiert. Am Wochenende hatte der größte europäische Softwarekonzern eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben als noch am vergangenen Donnerstag präsentiert. Auslöser waren die Quartalsverluste von mehr als zwei Milliarden Mark des US-Softwareherstellers Commerce One, an dem SAP beteiligt ist.

Im Vorfeld der für Mittwoch erwarteten Zahlen gaben die Aktien von Siemens deutlich nach. Die Titel verloren knapp 3,9 Prozent auf 58,58 Euro, die der Konzerntochter Epcos gaben 1,2 Prozent auf 52,31 Euro nach. Der Markt befürchte, dass die Quartalszahlen des Elektronik-Konzerns schlecht ausfallen, sagte ein Händler. Die Konkurrenz aus der Schweiz habe ja bereits am Morgen ein negatives Beispiel geliefert: ABB musste im ersten Halbjahr 2001 einen Gewinneinbruch hinnehmen. Möglicherweise sei bei Siemens das negative Überraschungspotenzial aber inzwischen so weit eingepreist, dass die Aktie am Mittwoch bei Veröffentlichung der Zahlen sogar steigen könnte, erklärte der Händler.

Technische Reaktion verhilft den Neuen Markt ins Plus

Der Neue Markt stemmte sich mit deutlichen Zugewinnen gegen die schlechten Vorgaben der Nasdaq. Händler machten für die freundliche Tendenz eine technische Reaktion verantwortlich. Fundamental habe sich nichts geändert, zudem sei die Nachrichtenlage aus den USA eher belastend.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Aktie von EM.TV, die sich um 5,6 Prozent auf 1,90 Euro verteuerte. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass der Firmengründer Thomas Haffa kurz davor stehen soll, seinen Anteil von 43 Prozent am Unternehmen für rund 180 Millionen Mark zu verkaufen.

Mobilcom-Aktien legten 0,6 Prozent auf 11,99 Euro zu. Das Unternehmen hat die Gespräche zur Übernahme des Konkurrenten Talkline beendet, nachdem man sich nicht über den Kaufpreis einigen konnte. Dies meldete die FTD unter Berufung auf einen Mobilcom-Sprecher.

Die Aktien des Telematik-Dienstleisters Init sanken am ersten Handelstag auf dem Frankfurter Parkett unter den Ausgabepreis von 5,10 Euro. Nach einem Umsatz von knapp 160.000 Papieren gab der Kurs auf 4,95 Euro nach. "Für ein so schwieriges Umfeld für Börsengänge ist das kein schlechter Start", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Derzeit würden die Emissionsbanken den Aktienkurs allerdings noch durch Käufe stützen, hieß es.

Euro notiert etwas stärker

Der Euro hat zum Mittag zulegen können. Dabei überwand er die Marke von 0,87 Dollar, die er am Vortag unterschritten hatte. Gegen 14.30 Uhr kostetet die Devise in Frankfurt 0,8704 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Montag den Referenzkurs auf 0,8676 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2543 Mark.

Eine nachhaltige Kurserholung bei der Gemeinschaftswährung sei derzeit nicht zu erwarten, erklärten Händler. Vielmehr bestehe eher die Gefahr, dass die Währung wieder nachgebe. Im Übrigen dürften sich die Marktteilnehmer im Moment damit zurückhalten neue Euro-Dollar-Positionen zu eröffnen, fügten sie hinzu. Hintergrund für diese Einschätzung seien Spekulationen, wonach die Opec in den kommenden sieben bis zehn Tagen ihre Ölproduktion drosseln könnte, um den fallenden Ölpreis zu stabilisieren.



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