Börse am Vormittag Ausverkauf am Neuen Markt

Am Neuen Markt nehmen die Verluste drastische Formen an. Der Nemax-50 steht nur noch knapp über der Marke von 1400 Zählern.


Frankfurt am Main - Die erneute Umsatz- und Gewinnwarnung des weltweit größten Netzwerkausrüsters Cisco Systems innerhalb von zwei Monaten zieht die deutschen Aktienmärkte stark nach unten. Der Dax gab bis 11 Uhr um 2,4 Prozent auf rund 5860 Zähler nach. Ganz dunkel sah es bei den Wachstumswerte im Nemax-50 aus. Die Abschläge betrugen zuletzt 8,2 bei 1430 Punkten.

"Wir sehen eine Reaktion auf Amerika", erklärte ein Händler von der Bayerischen Landesbank die frühen Kursverluste. Nach der Gewinnwarnung von Cisco und dem EDV-Dienstleister Unisys stünden vor allem die Technologiewerte unter Druck. Zudem hätten die Quartalszahlen von Royal Philips Electronics NV enttäuscht, was die Halbleitertitel zusätzlich belaste. Die Umsätze seien allerdings wie bereits in der vergangenen Woche sehr dünn, denn viele Marktakteure befänden sich noch im Oster-Urlaub.

Anleger schichteten in konservative Werte um. Deshalb führten Werte wie Schering (plus 2,2 Prozent) und Henkel (plus 1,2 Prozent) die Gewinnerliste im Dax an. ThyssenKrupp gaben zwar leicht nach, standen aber noch mit 0,6 Prozent im grünen Bereich. Für die Kurszuwächse bei ThyssenKrupp spricht eine Meldung des "Handelsblatt". Dem Transrapid winkt nach dem Bericht nach der Flughafen-Verbindung in Schanghai jetzt die zweite kommerzielle Strecke in China. Zu dem Transrapid-Konsortium gehört auch der Stahlkonzern ThyssenKrupp.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" befindet sich der Energieversorger E.ON weiter auf Einkaufstour. Demnach sollen die Verhandlungen mit dem österreichischen Stromkonzern Verbund auf Hochtouren laufen. Das Wiener Unternehmen ist derzeit der drittgrößte Anbieter von Energie aus Wasserkraft in Europa. Die E.ON-Aktie kletterte um 0,6 Prozent auf rund 65 Euro.

Technologietitel befanden sich mehrheitlich auf Talfahrt. Die T-Aktie gab um 4,6 Prozent auf 27,30 Euro nach. Der Bauelementehersteller Epcos notierte 3,36 Prozent schwächer. Siemens verloren 5,4 Prozent. Bei SAP waren es 5,7 und beim Halbleiterhersteller Infineon ebenfalls 5,7 Prozent, um die die Aktien in den Keller rutschten.

Unter den Wachstumswerten im Nemax-50 notierten lediglich zwei Titel im Plus. Die Aktien von Comroad stürzten um knapp 35 Prozent auf 10,28 Euro ab. Die "Platow Börse" hatte unter Verweis auf informierte Kreise berichtet, dass die Umsätze des Telematiksystembauers nicht auf seriösen Geschäftsbeziehungen beruhen sollen, sagte Marius Hoerner, Analyst bei Lang & Schwarz. Wenn das stimme, sei die Aktie "wahrscheinlich keine 9 Euro mehr Wert", fügte er hinzu. Das Unternehmen habe die Meldung natürlich dementiert, und falls sich die Gerüchte tatsächlich als unwahr herausstellen sollten, sei das Papier auch "deutlich mehr wert" als das derzeitige Kursniveau.

Bereits am Donnerstag vor Ostern hatte das Papier deutlich nachgegeben, als das Gerücht die Runde machte, dass BMW und Motorola dem Kerngeschäft des Unterschleißheimer Unternehmens Konkurrenz machen und auf der New Yorker Auto Show 2001 ein integriertes Telematik-System vorstellen wollen.

Der Softwareanbieter Intershop will seinen Geschäftsschwerpunkt aus den USA nach Europa zurück verlagern. Der Hauptsitz wurde wieder nach Jena gelegt, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). Von 260 Mitarbeitern in den USA erhielten 130 die Kündigung. Die Aktie des Jenaer Unternehmens fiel um 12,7 Prozent auf 3,17 Euro.

Der Softwareanbieter Ixos Software wird nach Angaben seines Finanzvorstandes Peter Rau im laufenden Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Börse honorierte die Nachricht mit einem Abschlag von 9,9 Prozent auf 6,85 Euro. Bei dem derart angespannten Marktumfeld wird zwischen guten und schlechten Nachrichten offenbar kaum noch unterschieden.

Im marktbreiteren Nemax-All-Share verzeichnen die Aktien von Sunburst Merchandising Kursabschläge von knapp 24 Prozent auf 1,30 Euro. Offenbar steckt das Unternehmen in argen finanziellen Nöten. Nach eigenen Angaben verhandelt Sunburst mit Banken, um die Liquidität sicherzustellen. Solche Meldungen kommen bei den Anlegern nicht an. Sie trennen sich von dem Papier.

Auch mb Software gaben zuletzt noch rund 12 Prozent auf 2,55 Euro ab - obwohl das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt hat, dass das Softwarehaus im Geschäftsjahr 2000/2001 sein Umsatzziel um neuen Prozent übertroffen hat. Dagegen werde das Ergebnis nach Steuern mit einem Verlust von etwa sieben Millionen Euro negativ ausfallen.

Einen schwarzen Tag erleben auch die Anteilsscheine von der OAR Consulting AG, die mit einem Minus von rund 20 Prozent in den Handel gestartet waren. Zuletzt betrugen die Kursabschläge noch knapp 10 Prozent auf 1,25 Euro. Das Unternehmen hatte am Gründonnerstag nach Börsenschluss eine geringere Gesamtleistung und einen höheren operativen Verlust ausgewiesen als bisher mitgeteilt.

Nasdaq schloss mit dickem Minus

Die US-Technologiebörse Nasdaq schloss am Montag mit 2,6 Prozent im roten Bereich auf 1909 Zählern. Die Blue Chips im Dow Jones konnten hingegen ein kleines Plus von 0,3 Prozent auf 10.158 Zähler über den Handelsschluss retten.

Negative Analystenkommentare der Investmenthäuser Morgan Stanley und Lehman Brothers zu Chipwerten, die eine verstärkte Abwärtsbewegung im Halbleiterbereich gleich für das laufende Jahr prognostizieren, drückten stark auf die Kurse. Überdies korrigierten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für eine ganze Reihe von Unternehmen nach unten. Dazu zählt zum Beispiel auch Intel.

Der Chip-Riese wird am Dienstag nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vorlegen. Intel hatte am bereits 8. März gewarnt, dass der Umsatz im ersten Quartal um 25 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2000 fallen werde, in dem 8,7 Milliarden Dollar erzielt worden waren. Für die Bruttomarge wurde ein Rückgang auf 51 Prozent erwartet und außerdem ein Personalabbau von 5000 Stellen angekündigt.



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