Börse am Vormittag Dax sprintet ins Plus

Jüngste Konjunkturzahlen haben dem Dax einen bemerkenswerten Turnaround beschert. Preussag setzt sich an die Spitze der Gewinner. Die T-Aktie baut ihre Verluste ab. Auch Tech- und Autowerte sind gefragt.


Frankfurt am Main - Der überraschend optimistische ifo-Geschäftsklima-Index hat die Stimmung bei den Standardwerten am Vormittag herumgerissen. Die schwachen Vorgaben aus New York scheinen vergessen. Händler bezeichneten in ersten Einschätzungen den ifo-Geschäftsklima-Index euphorisch als "megapositiv". Der Wert für Westdeutschland habe mit 89,8 deutlich die Prognose von 88,8 übertroffen. Analysten hatten zuvor mit einem deutlichen Rückgang des Index gerechnet. Der Anstieg der Erwartungshaltung sei ein gutes Zeichen. Damit gebe es Hoffnung, dass auch der Dax sich nun deutlich erhole.

Nach deutlichen Verlusten am Morgen drehte der Dax binnen Minuten ins Plus und stand gegen 11.05 Uhr bei 5253 Zählern (plus 0,8 Prozent). Die Wachstumswerte im Nemax 50 konnten ihr Minus von mehr als drei Prozent am Morgen auf zuletzt 0,8 Prozent bei 1069 Zähler reduzieren. Dabei hatten die schwachen Vorgaben der Wall Street und die düstere Einschätzung der amerikanischen Einschätzung von US-Notenbankchef Alan Greenspan den Handelsauftakt in Deutschland noch stark belastet.

Die Lufthansa hat trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs in den ersten sechs Monaten 2001 ihre Ergebnisprognose für das gesamte Geschäftsjahr bekräftigt. Die Aktie legte zuletzt 1,45 Prozent auf 16,80 Euro zu.

"Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von 700 bis 750 Millionen Euro zu erreichen", teilte der Konzern am Mittwoch mit. Im ersten Halbjahr ging der operative Gewinn um mehr als zwei Drittel auf 105 Millionen Euro und damit im Rahmen der Erwartungen zurück. Die Umsätze zogen dagegen um 13,7 Prozent auf 7,81 Milliarden Euro an. Die Lufthansa-Aktie stieg zuletzt um mehr als 2,36 Prozent auf knapp 17 Euro. Das Festhalten an der Prognose schien die Anleger offenbar zu überzeugen.

Beflügelt von dem besser als erwartet ausgefallen ifo-Index kletterten Preussag-Aktien um 2,77 Prozent auf 34,17 Euro an die Dax-Spitze. Auch Technologiewerte waren wieder gefragt: Siemens stiegen um rund zwei Prozent auf 55,58 Euro, Infineon kletterten um 1,90 Prozent auf 24,36 Euro.

Deutlich fester zeigten sich auch Autowerte. BMW verbesserten sich um 1,91 Prozent, DaimlerChrysler stiegen um 1,40 Prozent auf 49,28 Euro. Autotitel profitierten allerdings auch von der Nachricht, dass General Motors seinen Ausblick für das dritte Quartal bestätigt hat. Wie das Unternehmen mitteilte, rechnet es weiter damit, die Konsensprognosen von Analysten zu übertreffen. DaimlerChrysler hatte zuvor erklärt, dass der Konzern trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet.

Die Aktien von MAN konnten ihre Verluste von rund acht Prozent auf 5,79 Prozent bei 23,60 Euro begrenzen. Der Konzern hatte am Morgen seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nochmals deutlich herabgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr könne das operative Ergebnis um ein Drittel zurückgehen, berichtete der MAN-Vorstand am Mittwoch in München. Neben der rückgängigen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen werde der Konzern durch die Bilanzfälschungen bei der britischen Tochter ERF erheblich belastet. Im ersten Halbjahr habe sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 245 Millionen Euro mehr als halbiert. Die Aktie rutschte zunächst um mehr als acht Prozent auf rund 23 Euro ab.

Auch die T-Aktie baute ihre Verluste von rund 1,70 Prozent zu Handelsbeginn auf 0,41 Prozent auf 17,03 Euro ab. Das Papier wurde von verschiedenen Meldungen belastet: Der Verkauf des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom an die Liberty Media Group droht zu scheitern. Wie das "Handelsblatt" aus dem Umfeld des US-Konzerns erfuhr, will Liberty-Präsident John Malone vor Unterzeichnung der Kaufverträge Zusagen der Bundesregierung darüber bekommen, dass Liberty in Deutschland keine Probleme mit dem Bundeskartellamt bekommt und zusätzlich zu dem Telekom-Kabel weitere kleinere Netzanbieter aufkaufen kann.

T-Aktie: Neue Großverkäufe drohen

Widersprüchliche Meldungen gibt es zu dem möglichen Verkauf weiterer T-Aktien-Pakete: "Focus-Money" berichtet, dass nach der Hongkonger Hutchison Whampoa und der finnischen Mobilfunkgesellschaft Sonera nun offenbar auch der US-Großaktionär Telephone & Data Systems (TDS) den Verkauf seiner T-Aktien erwägt. Ein TDS-Sprecher sagte hingegen der "Financial Times Deutschland", dass der Konzern seine 131,5 Millionen T-Aktien als langfristige Investition betrachte und sich in diesem Jahr nicht von seinen Papieren trennen werde.

Schwache Vorgaben aus den USA

Die New Yorker Aktienmärkte haben am Dienstag nach der Zinssenkung der US-Notenbank kräftig nachgegeben. Die Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sei bereits in den Kursen vorweggenommen worden, sagten Händler. Da Fed-Chef Alan Greenspan den Anlegern keine Hoffnungen auf ein Anziehen der amerikanischen Konjunktur machen konnte, sondern vielmehr seine Entscheidung mit dem anhaltenden Risiko einer Rezession für die US-Wirtschaft begründete, zeigten sich die Investoren enttäuscht und verkauften.

Die Kurseinbrüche in den USA werfen somit ihren Schatten auf den Handelstag in Deutschland: Der Dow Jones fiel um 1,41 Prozent auf 10.174 Zähler zurück. Die Technologiebörse Nasdaq gab 2,66 Prozent auf 1831 Punkte nach. Analysten zufolge habe sich die Notenbank mit ihrer Begründung des Zinsschrittes die Tür für eine weitere Zinssenkung bei ihrem Treffen am 2. Oktober offen gelassen habe. Nach mittlerweile sechs verpufften Zinssenkungen konnte dies jedoch die Märkte nicht beflügeln.

Massiver Stellenabbau in den USA hält an

Belege für die von Greenspan konstatierte Schwäche der US-Unternehmen hatten gleich mehrere Konzerne geliefert. So hatten die zweitgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase, der weltgrößte Büromöbelhersteller Steelcase und der Elektronik-Zulieferer Agilent Technologies massive Stellenstreichungen angekündigt. Nachbörslich wurde in New York bekannt, dass der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner 1700 Arbeitsplätze abbauen will.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich von dem Kursrutsch an der Wall Street wenig beeindruckt. Der Nikkei schloss mit einem Prozent auf 11.396 Punkte im Plus.



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