Börse am Vormittag Intershop fällt weiter zurück

Die deutschen Börsen sind schwach in den Handel gestartet. Die Siemens-Tochter Epcos legt dank guter Zahlen kräftig zu. Die Deutsche Bank steht trotz eines Rekordergebnisses unter Druck.


Frankfurt am Main - Bei einem ruhigen Handel hat der Dax bis 11 Uhr 0,61 Prozent auf 6753 Punkte verloren. Die Wachstumswerte im Nemax-50 gaben 2,47 Prozent auf 2735 Punkte ab. Lediglich die kleineren Werte im M-Dax können sich leicht im Plus halten.

Epcos hat seine Gewinne auf annähernd drei Prozent ausbauen können. Der Bauelementehersteller hatte am Morgen seine Geschäftszahlen vorgelegt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich mit 127 (1999/00: 55) Millionen Euro mehr als verdoppelt, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz stieg um 55 Prozent auf 574 (369) Millionen Euro. Auch der verhaltene Ausblick konnte das gute Ergebnis nicht trüben.

Die anderen Technologiewerte im Dax präsentierten sich nach Gewinnen am Vortag dagegen schwächer. SAP rutschte rund drei Prozent in den Keller, die Deutsche Telekom und Siemens verloren knapp 0,5 Prozent. Infineon hielt sich am Vormittag nahe der Vortagesschlusslinie.

Der fast fünfprozentige Kursrutsch der Deutschen Bank wird von Händlern auf die Geschäftszahlen des Unternehmen zurückgeführt. Das Unternehmen hatte vor Börseneröffnung einen Rückgang beim Vorsteuergewinn um 20 Prozent auswiesen. Zudem hätten Gewinnmitnahmen sowie charttechnische Gründe das Papier unter Druck gesetzt. Auch habe ein hoher Verwaltungsaufwand enttäuscht, hieß es.

"Die Zahlen für das vierte Quartal sind nicht gut ausgefallen", sagte Analyst Volker von Krüchten von der BHF-Bank. Bei steigendem Verwaltungsaufwand seien die Erträge insgesamt zurückgegangen. Auch gehe das Vorsteuerergebnis allein auf das Ergebnis aus Finanzanlagen zurück, was ebenfalls enttäuschend sei.

Den Zahlen der Bank zufolge sank im Schlussquartal das Vorsteuerergebnis im Vergleich zum dritten Quartal um 20 Prozent auf 818 Millionen Euro. Handelsergebnis und Überschuss seien ebenfalls gesunken. Insgesamt steigerte die Bank ihren Vorsteuergewinn im Jahr 2000 aber um 75 Prozent auf 6,729 Milliarden Euro.

EM.TV setzte seine Verlustserie fort. Bei hohen Handelsumsätzen gab die Aktie des krisengeschüttelten Medienunternehmen drei Prozent ab. Das anhaltende Interesse für den Titel wurde durch Presseberichte geschürt, wonach Exklusivverhandlungen mit der Kirch-Gruppe über deren Einstieg ins Unternehmen um eine Woche ausgedehnt worden seien. Während Kirch bereits am Mittwochnachmittag bekannt gegeben hatte, dass die Gespräche "exklusiv in den Februar hinein fortgesetzt würden", gab man sich bei EM.TV, wo laut "FTD" starke interne Querelen der Entscheidung vorangingen, bedeckt. Dass die Frist nur um eine Woche verlängert worden sei, wollte Kirch nicht bestätigen.

Großer Verlierer am Neuen Markt waren erneut Intershop. Nachdem auch die Bemerkungen des Intershop-Chefs Stephan Schambach nicht für positive Überraschungen sorgten, ging das Papier nochmals rund neun Prozent in die Knie.

Die Aktie des norddeutschen Telekommunikationsunternehmens Mobilcom bewegte sich im Markttrend nach unten und gab 0,5 Prozent ab. Ein Händler sagte, die Stimmung am Markt sei zu schlecht, um die guten Nachrichten zu belohnen. Am Morgen hatte das Unternehmen vermeldet, im vergangenen Jahr den Kundenstamm um 114 Prozent auf 3,98 Millionen mehr als verdoppelt zu haben.

Der Euro konnte nach der US-Zinssenkung deutlich zulegen. Händler zahlten am Morgen für die Gemeinschaftswährung 0.9438 Dollar. Am Mittwoch hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 0,9293 Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 2,1046 Mark.



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