Börse am Vormittag Nemax 50 im Rausch der Tiefe

Dax und Nemax legen erneut den Rückwärtsgang ein. Siemens, Infineon und T-Aktie bauen ihre Verluste aus. Der Nemax 50 testet neue Jahrestiefs.


Frankfurt am Main - Der Dax kehrte nach minimaler Erholung zum Auftakt in die Verlustzone zurück und verlor weitere 0,8 Prozent auf 5815 Zähler. Die Verluste bei T-Aktie und Siemens drückten auf den Index. Der Nemax All Share notierte 1,2 Prozent schwächer bei 1291 Zählern, der Nemax 50 (minus 2,5 Prozent) fiel auf 1168 Punkte.

Stimmung auf dem Nullpunkt

Lediglich die defensiven Werte Metro (plus 1,4 Prozent auf 44,11 Euro), MAN (plus 1,2 Prozent auf 25,85 Euro) und der Energieversorger RWE (plus 1 Prozent auf 48,20 Euro), der bereits in der vergangenen Woche gegen den Trend zugelegt hatte, waren am Vormittag gefragt. SAP gaben ihre Anfangsgewinne wieder ab und fielen deutlich unter 140 Euro - nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage ist der Abwärtstrend noch nicht gestoppt.

Auch die T-Aktie drehte nach einer kurzen Erholung zu Handelsbeginn wieder ins Minus und verlor 1,4 Prozent auf 25,75 Euro. Bei der möglichen Fehlbewertung des technischen Anlagevermögens könnte es sich laut "Spiegel" um eine Summe zwischen 15 und 21 Mrd. DM handeln. Der Staatsanwaltschaft lägen interne Telekom-Vermerke vor, die von einer Falschbewertung in dieser Größenordnung ausgingen, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Siemens und Infineon stark unter Druck

Siemens verloren 2,7 Prozent auf 62,32 Euro. Die Chiptochter Infineon gab 3,8 Prozent auf 25,65 Euro nach. Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, belasteten beide Werte massiv.

Deutsche Bank als "Weißer Ritter?"

Auch Finanztitel blieben unter Druck. Die Deutsche Bank erwägt nach einem Bericht des "Spiegel", in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar zu dem Bericht ab. Die Aktie verlor 0,8 Prozent auf 80,86 Euro.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank in der Zeit. Die Aktie notierte am Montag Vormittag 0,5 Prozent fester bei 335,20 Euro.

Bayer gaben um 0,7 Prozent auf 44 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland am heutigen Montag Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Weitere Zahlen aus den USA

Nach den Gewinnwarnungen von AMD und EMC stehen am Mittwoch die Zahlen von Motorola und Yahoo an. Die schwachen US-Arbeitsmarktdaten haben die Hoffnung auf eine schnelle Erholung gebremst. Der Dow Jones verlor am Freitag 2,2 Prozent, die Nasdaq rauschte um 3,7 Prozent in die Tiefe.

Neuer Markt: Wer macht das Licht aus?

Am Neuen Markt herrscht Untergangsstimmung. Am Freitag hatte der Nemax 50 die 1.200-Punkte-Marke durchbrochen und notiert damit auf neuem Jahrestief. Am Montag folgte Ejay mit einer Gewinnwarnung. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit.

Gewinner im Nemax 50 waren am Montag Biodata (plus acht Prozent) und Pixelpark (plus 4,8 Prozent). Anteile der Heyde AG stiegen am Vormittag um 2,1 Prozent auf 2,40 Euro. Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen. Größte Verlierer im Nemax 50 waren Pandatel und Adva mit zweistelligen Verlusten.

Der Internet-Anbieter eJay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um 23,53 Prozent auf 0,65 Euro ein. Die MIS Aktie verlor ebenfalls rund 25 Prozent auf 7,70 Euro. Der IT-Dienstleister hat seine Wachstumsziele für das laufende Geschäftsjahr reduziert.

Der Euro wurde am Montag Morgen etwas fester mit 0,8481 Dollar gehandelt nach 0,8379 Dollar am späten Freitag. Die EZB hatte in der vergangenen Woche die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Börsianer trauen der Konjunktur in den USA inzwischen wieder mehr zu als in Europa und verheißen dem Euro weiter schwierige Zeiten. Die Gemeinschaftswährung profitierte jedoch von den schwachen US-Arbeitsmarktdaten. Heute stehen in Deutschland Zahlen zur Industrieproduktion an.



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