Börse am Vormittag T-Aktie vorn

Die T-Aktie profitiert von dem forcierten Schuldenabbau des Konzerns. Nach den deutlichen Abschlägen vom Vortag herrsche am Neuen Markt eine vorsichtige aber positive Grundstimmung, sagen Händler.


Frankfurt am Main – Die Standardwerte zeigten sich am Vormittag fest. Der Dax stand mit 0,1 Prozent im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 brachen trotz der Gewinnwarnung des US-Computerherstellers Sun Microsystems nicht völlig ein. Zuletzt rutschte der Index mit einem Prozent ins Minus.

Stärkster Wert waren die Titel der Deutschen Telekom mit einem Plus von 3,48 Prozent auf 26,15 Euro. Händler René Parmantier von der Gontard & Metallbank erklärte die Zugewinne als technische Reaktion auf die Verluste der vergangenen Tage. Zudem würde der geplante Verkauf der Mehrheit an den restlichen Kabelregionen für rund zehn Milliarden Mark dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen.

Auf der Gewinnerseite fanden sich auch Lufthansa-Aktien wieder. Händlern zufolge plant die Fluggesellschaft gemeinsam mit zwei "milliardenschweren" Investoren, den indischen Fluglinien Air India und Indian Airlines eine Übernahmeangebot zu machen. Die Kranich-Aktie stieg um ein Prozent auf 23,75 Euro.

Die Bankenwerte im Dax gaben zwar leicht nach, gehörten aber eindeutig zu den Gewinnern. Die HypoVereinsbank verzeichnete Zuwächse von 0,8 Prozent. Commerzbank-Titel standen mit 0,9 Prozent im Plus. Die Aktien des Branchenprimus Deutsche Bank verzeichneten ein Kursplus von 1,1 Prozent und belegten damit Platz drei im Dax.

Einen schlechten Start erwischten kurz vor dem Wochenende DaimlerChrysler-Aktien. Die Autotitel verbilligten sich zuletzt 2,3 Prozent auf 53,34 Euro. "Die Daimler-Aktie ist ja in den vergangenen Wochen sehr gut gelaufen, da sind Gewinnmitnahmen normal", sagte Wolfgang Albrecht, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Der Aufschwung sei zu schnell gewesen, um ohne Rückschläge weiterzugehen.

Unter den Technologietiteln notierten die Papiere von Siemens mit Kursabschlägen von 0,5 Prozent auf 131 Euro. Ein Minus verzeichnete auch SAP mit 1,3 Prozent auf 179 Euro.

Der Energiekonzern RWE erweitert sein Engagement auf dem niederländischen Gasmarkt. Rückwirkend zum 1. Januar 2001 werde die Dortmunder RWE Gas AG eine Mehrheitsbeteiligung von 90 Prozent an der Obragas Holding in Helmond erwerben, teilte der Energiekonzern mit. Damit werde RWE Gas fünftgrößter Anbieter auf dem niederländischen Gasmarkt und steigere den Marktanteil auf sieben Prozent. Die Papiere von RWE sind mit Abschlägen von 0,6 Prozent auf 42,20 Euro viertschwächster Wert unter den Dax-Titeln.

Nach der "Verkaufsübertreibung" vom Vortag herrsche nun eine "vorsichtig positive Grundstimmung", am Neuen Markt, sagte ein Hamburger Aktienhändler. Allerdings seien die Umsätze am letzten Handelstag vor dem Wochenende moderat. Besonders gefragt waren zunächst die Anteilsscheine von SCM Microsystems mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent. Dann allerdings fiel der Wert wieder auf sein Vortagesniveau von rund 24 Euro zurück.

Im Nemax 50 waren die Papiere von IM Internationalmedia gesucht und stiegen um 6,1 Prozent auf 24,36 Euro. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2000 nach bisher noch vorläufigen Zahlen beim Ergebnis vor Steuern um mehr als 40 Prozent gegenüber der Planzahl von 18,96 Millionen Euro zugelegt. Auch der Jahresumsatz könnte besser ausfallen als erwartet, steht aber nach Unternehmensangaben noch nicht fest.

Das Internetportal Lycos Europe hat zwar das Zahlungsproblem des Fusionspartners Spray Network gelöst, muss aber auf 80 Millionen Euro Bargeld verzichten, denn der Anteilseigner Spray Ventures konnte die Summe für den vereinbarten Kauf von acht Millionen Lycos-Europe-Aktien nicht aufbringen. Stattdessen erhält Lycos Europe annährernd 25 Millionen Lycos-Europe-Aktien von Spray Ventures zurück. Somit erhält Lycos Europe saldiert 17 Millionen Aktien zurück, was einer Reduzierung um 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises in Höhe von 83,3 Millionen Aktien entspricht. Lycos-Europe-Papiere gewannen 3,45 Prozent und kosteten 3 Euro.

Zum letzten Mal standen die Aktien von Gigabell unter Druck, denn sie dürfen ab Montag nicht mehr am Frankfurter Neuen Markt gehandelt werden. Die Deutsche Börse hatte die Zulassung auf Notierung am Wachstumssegment am Donnerstag entzogen. Die Wertpapiere rutschten um 16,22 Prozent in den Keller und kosteten noch 0,31 Euro.



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