Börse an Nachmittag Amazon geht in die Knie

Die US-Börsen starten mit Verlusten. Lehman Brothers schickt Amazon.com in den Keller. Im Dax gehören SAP und Preussag zu den wenigen Gewinnern. Am Neuen Markt legen Senator und Singulus nach Zahlen zu, während MobilCom abtaucht.


New York / Frankfurt am Main – Der Dow Jones pendelte zu Handelsbeginn um den Vortagesschluss, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 0,5 Prozent auf 1815 Zähler nachgab. Die Händler an der New Yorker Wall Street richten sich auf einen ruhigen Handelstag und geringe Umsätze ein. Eine halbe Stunde nach Börsenstart werden die Zahlen für die Verkäufe neuer Häuser veröffentlicht. Doch selbst das deutlich gestiegene US-Verbrauchervertrauen konnte gestern die Märkte nicht nachhaltig in Fahrt bringen. Vor Schluss des ersten Quartals morgen nehmen Investoren Gewinne mit.

EMC plant weitere Entlassungen

Die Papiere des Finanzhauses J.P. Morgan Chase gerieten zum Auftakt unter Abgabedruck. Unbestätigten Berichten zufolge soll der wegen seiner Rolle beim Debakel um den insolventen Energiehändler Enron verklagt werden. Behauptet startete dagegen der Hersteller von Computer-Massenspeichern EMC: Das Unternehmen will einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge eine neue Entlassungswelle einleiten und damit in der zweiten Jahreshälfte die Rückkehr in die Gewinnzone schaffen.

Ericsson belastet Telekom-Sektor

Die an der Nasdaq notierten Aktien (ADS) des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson gaben zum Auftakt deutlich nach. Der Ericsson-Chef hatte zuvor gesagt, er erwarte noch keine Verbesserung der Marktlage. Abwärts ging es auch für die Papiere des Online-Einzelhändlers Amazon.com. Der faire Wert der Aktie liege bei 10 bis 13 Dollar, hatte Analystin Holly Becker von Lehman Brothers zuvor geschrieben - also 12 bis 33 Prozent unter dem Schlusskurs vom Dienstag.

Deutliche Gewinne verbuchte dagegen der Software-Hersteller Manugistics. Mit einem Verlust von 2 US-Cent vor Sonderposten schnitt das Unternehmen deutlich besser ab als am Markt erwartet. Gleichzeitig erhöhte Manugistics die Prognose für das Gewinnwachstum im laufenden Jahr.

Dax baut Verluste aus

Der Dax baute bis zum Handelsbeginn in New York seine Verluste auf 0,9 Prozent aus und notierte bei 5344 Zählern. Am Neuen Markt pendelte der Nemax 50 um 16.30 Uhr um 0,3 Prozent unter seinem Vortagesschluss von 1024 Punkten.

Bei dünnen Umsätzen kurz vor den Osterfeiertagen behalten die Skeptiker die Oberhand. Deutlich ins Minus rutschte am Nachmittag die Deutsche Post Chart zeigen : Händler führten dies auf Gewinnmitnahmen nach einem starken Anstieg der Aktie seit Ende Februar zurück. Auch bei dem Gewinner des Vortages, der HypoVereinsbank Chart zeigen , sicherten sich die Anleger ihre Gewinne.

Technologie behauptet

Technologietitel zählten zu den wenigen Gewinnern im Dax. Der Softwarehersteller SAP Chart zeigen hielt sich ebenso wie der Chiphersteller Infineon Chart zeigen und der Bauelemente-Produzent Epcos Chart zeigen am Nachmittag im Plus. Ein Pressebericht, nach dem Infineon mit dem taiwanesischen Chiphersteller Nanya ein milliardenschweres Gemeinschaftsprojekt starten will, gab dem Aktienkurs Rückhalt.

Die Deutsche Telekom Chart zeigen gab dagegen zuletzt 0,3 Prozent nach. Die Telekom-Tochter T-Mobile will mit deutlichen Preissenkungen ihre Kunden zur Nutzung der neuen Mobilfunk-Übertragungstechnik GPRS bewegen. In den Monaten April und Mai müsse nur noch der monatliche GPRS-Grundpreis gezahlt werden.

Die Aktien des Wiesbadener Industriegas-Hersteller Linde Chart zeigen tendierten nach Vorlage der Jahresbilanz etwas fester bei 56,90 Euro. Der Konzern gab für das Jahr 2002 einen positiven Ausblick. Auch die Aktie der Lufthansa Chart zeigen konnte sich am Nachmittag minimal erholen. Die Commerzbank hält die Aktie für deutlich überbewertet und hat mit ihrer Herabstufung seit Dienstag für deutliche Verluste bei der Fluglinie gesorgt.

DaimlerChrysler unter Druck

Der Autobauer DaimlerChrysler Chart zeigen baute nach dem deutlichen Anstieg der vergangenen Tage seine Verluste auf 2,4 Prozent aus. Auch Volkswagen Chart zeigen gab nach, während BMW Chart zeigen zulegen konnte. Nach japanischen Zeitungsberichten prüft der japanische Automobilkonzern Mitsubishi Motors, sein Lkw- und Bus-Geschäft in ein Joint Venture mit DaimlerChrysler.

Neuer Markt: Senator und Singulus nach Zahlen fest

Der Medienkonzern Senator Entertainment Chart zeigen erwartet nach roten Zahlen für 2001 für das laufende Geschäftsjahr ein positives Ergebnis. Der positive Ausblick verhalf der Aktie bis zum Nachmittag um knapp zehn Prozent ins Plus. Das Ebit ist im Jahr 2001 allerdings auf 5,7 Mio Euro gegenüber 18,1 Millionen Euro im Vorjahr gesunken, das Jahresergebnis lag 2001 bei minus 4,2 Millionen Euro. Grund ist die Beteiligung an der defizitären CinemaxX AG.

Auch der DVD-Anlagenbauer Singulus Chart zeigen gehörte mit einem Plus von fünf Prozent zu den Gewinnern im Index. Singulus hat 2001 sinkende Umsätze in allen Bereichen hinnehmen müssen. Insgesamt sei der Umsatz im abgelaufenen Jahr auf 225,5 Millionen Euro von 375,7 Millionen Euro im Jahr zuvor gefallen. Allerdings will der Anlagebauer neue Märkte erschließen und gab einen positiven Ausblick.

Thiel Logistic meldet Aufträge

Ebenfalls leicht zulegen konnte der Logistik-Dienstleister Thiel Logistik. Das Unternehmen stehe vor dem Abschluss von Neuverträgen mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. Derzeit werde konkret mit vier Kunden verhandelt, deren Logistik zu übernehmen, sagte der Unternehmenslenker Günter Thiel der "Financial Times Deutschland".

ConSors schwächer

Der zweitgrößte deutsche Online-Broker ConSors Chart zeigen hat 2001 einen Konzern-Verlust von 125,5 Millionen Euro verbucht. Beim Vorsteuer-Ergebnis lief ein Fehlbetrag von 212,83 Millionen Euro auf, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 28,3 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Angesichts der hohen Verluste will Consors für 2001 keine Dividende zahlen. Consors soll wie geplant Ende März in einem Bieterverfahren verkauft werden, heißt es. Die Aktie gab rund drei Prozent nach.

Mobilcom: Nur der Chef kassiert

Die Aktie des Büdelsdorfer Mobilfunkbetreibers MobilCom Chart zeigen verlor am Mittwoch weitere 5,8 Prozent und fiel deutlich unter 13 Euro. Am Dienstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, Konzernchef Gerhard Schmid werde seine Anteile an eine Gruppe von Finanzdienstleistern verkaufen. Spekulative Anleger seien daraufhin ausgestiegen, "weil sie sich darüber im Klaren sind, dass France Telecom MobilCom in nächster Zukunft nicht konsolidieren wird", sagte ein Händler. Viele hätten darauf gesetzt, dass es zu einem Pflichtangebot an die freien Aktionäre kommen wird. "In den nächsten ein bis zwei Jahren wird das nicht passieren", sagte der Händler.

Am Neuen Markt litt der Börsendebütant vom Dienstag, der Hamburger Windkraftanlagenbauer REpower, unter Gewinnmitnahmen. Am ersten Handelstag war die Aktie noch um mehr als zwei Euro über ihren ersten Kurs von 42 Euro geklettert.

Euro fester

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch leicht gestiegen und notierte am Nachmittag bnei 0,8749 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8746 (Dienstag: 0,8737) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1434 (1,1446) Euro. Am Rentenmarkt zeigte sich der Rentenindex REX mit 0,22 Prozent bei 111,15 Punkten im Plus, während der Bund-Future um 0,1 Prozent auf 105,12 Zähler gewann. Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite bei 5,10 (Dienstag: 5,14) Prozent fest.



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