Börse Angst vor Schweinegrippe belastet den Dax

Schlechter Börsenstart: Der Dax ist am Vormittag zeitweise zwei Prozent ins Minus gerutscht. Grund ist Händlern zufolge die steigende Angst vor einer Ausbreitung der Schweinegrippe, die vor allem Tourismus- und Luftfahrtwerte belastet. Lufthansa-Aktien brachen in der Spitze um zwölf Prozent ein.


Frankfurt am Main - Sorgen um eine weltweite Grippeepidemie haben den deutschen Aktienmarkt zu Handelsbeginn belastet. Der Dax Chart zeigen fiel zu Börsenauftakt zeitweise um fast zwei Prozent. Auch MDax Chart zeigen und TecDax Chart zeigen verloren. Die Sorge, dass der Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko eine Pandemie auslösen könnte, zog vor allem Tourismus- und Luftfahrtwerte nach unten. Experten befürchten angesichts einer drohenden Grippewelle, dass es zu weniger Reisebuchungen kommt.

Aktien der Lufthansa brachen zeitweise um zwölf Prozent ein. Die Aktien von TUI Chart zeigen und Air Berlin Chart zeigen fielen zum Teil um fast fünf Prozent. Auch die US-Futures hätten die sich stetig verschlimmernden Nachrichten über das tödliche Virus nach unten gedrückt, sagte Aktienhändler Matt Buckland von CMC Markets.

Mehr als hundert Menschen hat das neue Grippevirus in Mexiko bereits getötet, in den USA und Kanada erkrankten gut 30 Menschen daran, auch in Europa gibt es erste Verdachtsfälle. Viele Staaten rüsten sich für den Kampf gegen eine mögliche Pandemie - auch Deutschland.

Die mexikanische Regierung sendete bereits Beruhigungsbotschaften an Märkte: Das Bankensystem und die Wirtschaft des Landes sind nach den Worten von Finanzminister Agustin Carstens stabil genug, um die Folgen des Schweinegrippen-Ausbruchs bewältigen zu können. Es werde nur vorübergehende, jedoch keine strukturellen Schäden für die Wirtschaft des Schwellenlandes geben, versicherte der Minister am Sonntag.

Am Devisenmarkt wurden dennoch schon erste Folgen der Krise sichtbar: Der mexikanische Peso gab im elektronischen Handel in Asien am Sonntag um annähernd drei Prozent nach.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.
Merck-Aktien nach Bilanz leicht im Plus

An der deutschen Börse sorgten zudem zahlreiche Quartalsbilanzen für Bewegung: Die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck Chart zeigen steigt dagegen leicht, nachdem der Konzern sein Quartalsergebnis veröffentlicht hat. Während der Umsatz die durchschnittlichen Erwartungen etwas übertroffen habe, habe der Gewinn vor Zinsen und Steuern und der Ertrag je Aktie ein wenig enttäuscht, sagten Händler.

Bankaktien notierten dagegen in der Verlustzone. Die Titel der Commerzbank Chart zeigen etwa sanken zeitweilig um fast fünf Prozent. Händler nannten als Grund ein internes BaFin-Dokument, das nach Recherchen des SPIEGEL und der "Süddeutschen Zeitung" am Freitag öffentlich geworden war. Demnach könnte die Commerzbank weit mehr faule Kredite in der Bilanz haben als bislang angenommen. Ein Sprecher der Commerzbank stufte die Zahlen des BaFin-Dokuments als nicht repräsentativ ein: "Wir wissen nicht, wer die Zahlen zusammengestellt hat und können sie auch nicht nachvollziehen."

Titel der Deutschen Bank Chart zeigen gaben leicht nach. Händler verwiesen auf einen Bericht des "Handelsblatts", demzufolge der Branchenprimus im ersten Quartal das langfristige Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern voraussichtlich wieder erreicht haben soll.

Im MDax fielen die Aktien von Kuka Chart zeigen mit einem Abschlag von teils mehr als acht Prozent an das Indexende. Die Autoflaute hat dem Roboterhersteller zu Jahresbeginn das Geschäft verdorben. Zudem enttäuscht Kuka mit seinem Gewinnausblick auf 2009.

Kontron Chart zeigen-Titel verloren im TecDax um mehr als drei Prozent. Der Umsatz des Minicomputer-Herstellers stagnierte im ersten Quartal. Wegen der Produktionsverlagerung nach Asien verbuchte Kontron einen Gewinnrückgang. Damit lag die Aktie etwas unter den Gewinnprognosen.

Papiere von Qiagen Chart zeigen stiegen dagegen um 3,81 Prozent auf 11,98 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen erwartet trotz der aktuellen Wirtschaftskrise ein gutes Jahr. "Wir erzielen unvermindert hohe Wachstumsraten und bedienen solide Märkte", sagte Qiagen-Chef Peer Schatz im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Ein Händler verwies zudem auf Spekulationen, Qiagen könne der Schweinegrippe mit einem Impfstoff entgegentreten.

ssu/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.