Börse Dax leichter - Nemax-50 auf Jahrestief

Ein Kursrutsch bei Technologiewerten an der Wall Street hat den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Nemax-50 rutschte auf ein Jahrestief. Die "Aktie Gelb" konnte sich an ihrem ersten Handelstag in ein leichtes Plus retten.


Frankfurt am Main - Der Dax gab 2,11 Prozent auf 6609 Zähler nach. Die höchsten Einbußen verzeichneten indes die Wachstumswerte im Neuen Markt: Der Nemax-50 fiel um 4,61 Prozent auf 3518 Stellen und durchbrach damit das Jahrestief von 3623 Punkten. Der Tagestiefstand lag bei 3490 Zählern. Die Nebenwerte im M-Dax verloren 0,54 Prozent auf 4864 Punkte.

Drastische Einbußen an der Nasdaq

Die schwache Eröffnung der Leitbörse in Amerika übe starken Druck aus, sagte Händler Martin Kruse von der Hamburger Sparkasse. Der Dow Jones gab zuletzt um 0,93 Prozent auf 10.531,28 Punkten nach. Die US-Technologiebörse Nasdaq fiel um 4,86 Prozent auf 2879 Zähler.

Das ließ die deutschen Technologiewerte nicht kalt: Die SAP-Aktien fielen um 3,32 Prozent auf 188,05 Euro. Der Siemens-Kurs gab um 3,91 Prozent auf 126,50 Euro nach, das Tochterunternehmen Epcos gab um 2,35 Prozent auf 90 Euro nach.

Anleger flüchten in defensive Titel

Anleger flüchteten angesichts des unsicheren Marktumfeldes in Staatsanleihen, erklärten Händler die Verluste. Zu den Gewinnern gehörten auch eher defensive Werte wie Preussag, die mit einem Gewinn von 2,80 Prozent auf 38,55 Euro stärkster Dax-Wert waren.

"Die Tatsache, dass Airtours als größter Konkurrent in England zum Verkauf steht, könnte sich beflügelnd ausgewirkt haben", sagte Analyst Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin.

Der britische Reiseveranstalter Airtours gelte insbesondere wegen seines aggressiven Marktverhaltens als scharfer Konkurrent. Ein Verkauf würde sich für die gesamte Touristikbranche und insbesondere für Preussag als Marktführer positiv auswirken.

Henkel kletterten um 0,24 Prozent auf 70,20 Euro. Händler sprachen von einer technischen Reaktion, nachdem die Aktie in den vergangenen Tagen deutlich an Wert verloren hatte.

Lahme Erstnotiz für die Post-Aktie

Unspektakulär verlief der mit Spannung erwartete erste Handelstag der Post-Aktie. Bei einem Ausgabekurs von 21,00 Euro hielt sich der Ansturm in überschaubaren Grenzen. Das Papier schloss - unterstützt von Stützungskäufen durch die Banken - mit 21,40 Euro.

Dax-Verlierer waren DaimlerChrysler mit einem Kursverlust von 4,32 Prozent auf 47,65 Euro. Damit setzte das Papier seine Talfahrt der vergangenen Handelstage fort. Die US-Investmentbank Lehman Brothers hatte am Montag das Kursziel für die Autoaktie von 43 auf 39 Euro gesenkt.

Der Neue Markt im freien Fall

Die großen Verluste an der US-Technologiebörse Nasdaq zogen die deutschen Wachstumswerte nach unten, sagte Händler Martin Kruse von der Hamburger Sparkasse. Ausgelöst worden war die Verkaufswelle in den USA von den negativen Neuigkeiten aus dem Hause Oracle.

Der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt hatte innerhalb von Monaten seinen zweiten Spitzenmanager verloren. Auch der unsichere Ausgang der Präsidentschaftswahl belastete nach wie vor, sagten Händler.

Der Nemax-50 rutscht auf die 2500-Punkte-Linie zu

Am Frankfurter Neuen Markt waren am Montagmorgen einige Händler ob der festen Eröffnung beider Indizes noch optimistisch gestimmt, doch bereits gegen Mittag bröckelten die Kurse wieder ab. Analysten hatten noch vergangene Woche gewarnt, dass der Nemax-50 charttechnisch gesehen bis auf 2500 Punkte einbrechen könnte.

Eine Frankfurter Händlerin beschrieb das Szenario am Neuen Markt als "Desaster". "Da fehlen einem langsam die Worte. Die Kurse fallen wie Steine, ohne das irgend jemand dagegen hält", sagte die Expertin. Insbesondere die Kursabschläge der Blue Chips würden den Gesamtmarkt nach unten ziehen.

Schwergewichte mit deutlichen Kursverlusten

Die Aktien des Medienschwergewichts EM.TV verloren 10,27 Prozent auf 22,89 Euro, Singulus gaben 9,51 Prozent auf 40,72 Euro ab, und Adva verbilligten sich um 20,10 Prozent auf 41,15 Euro.

Auch Kinowelt Medien schlossen leichter. Der Medienkonzern hatte im Rahmen der Erwartungen ausgefallene Neunmonats-Ergebnisse vorgelegt, konnte seine frühen Gewinne aber nicht verteidigen. Der Titel verlor 3,03 Prozent auf 20,80 Euro.

Brain International büßten 21,33 Prozent auf 5,90 Euro ein. Am Morgen war bekannt geworden, dass die Baader Wertpapierhandelsbank 35,4 Prozent der Anteile und 50,1 Prozent der Stimmrechte an dem Software-Unternehmen kaufen wird. Außerdem soll das Kapital um 600.000 Aktien ohne Bezugsrecht erhöht werden.

Easy Software schlossen nach Gewinnmitnahmen um 17,83 Prozent niedriger bei 16,04 Euro. Der Anbieter von Dokumenten-Management-Systemen hatte am Freitag nach der Ankündigung eines umfangreichen Aktienrückkaufs noch über elf Prozent wett gemacht.

Softmatic bauten ihre Verluste bis zum Handelsende weiter aus. Das Unternehmen hatte schwächer als erwartet Geschäftszahlen ausgewiesen. Die Aktien rutschten um 37,07 Prozent auf 4,60 Euro ab.

Euro unter die Marke von 85 Cent gefallen

Der Kurs des Euro ist am Montag unter die Marke von 85 Cent gefallen. Nach Einschätzung von Analysten ist die Stimmung immer noch durch eine abwartende Haltung der Marktteilnehmer geprägt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 0,8488 Dollar festgelegt nach 0,8535 Dollar am Freitag. Der Dollar kostete damit 2,3042 (2,2915) Mark.

Die Schlussnotierung für Gold betrug am Montag in London 266,30 Dollar pro Feinunze.



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