Börse Dax schließt fester - Nemax gibt nach

Nach der Vorlage guter Konjunkturdaten zur Arbeits-Produktivität in den USA hat der deutsche Aktienmarkt seine Lethargie beendet. Der Neue Markt liess sich von der guten Laune jedoch nicht anstecken.


Frankfurt am Main - Der Dax hat am Dienstag behauptet geschlossen. Das Börsenbarometer stand zu Handelsende bei 7123 Punkten um 0,2 Prozent höher. Der Mdax sank dagegen um ein Prozent auf 4852 Punkte. Der Nemax 50 gab um 0,8 Prozent auf 5722 Punkte nach. Der Nemax-All-Share fiel um 0,9 Prozent auf 5127 Punkte.

Nach der Vorlage guter Konjunkturdaten zur Arbeitsproduktivität in den USA hatte der deutsche Aktienmarkt seine Lethargie beendet; die Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA ist im zweiten Quartal 2000 saisonbereinigt um 5,3 Prozent gewachsen. Volkswirte hatten zuvor mit einer geringeren Steigerung gerechnet. Damit sänken die Zinsängste in den USA, was auch dem Dax Auftrieb verschaffte, sagte Aktienhändler Karl-Detlef Becker von der Stadtsparkasse Köln.

Verluste für BASF und Lufthansa

Kursverluste für BASF und Lufthansa haben den Index allerdings belastet. Nach der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Halbjahr stürzte die Aktie des Chemiekonzerns BASF um 6,1 Prozent auf 42,45 Euro ab. Die Zahlen seien enttäuschend ausgefallen, kommentierte Analyst Themis Themistocleous vom Investmenthaus Warburg Dillon Read. Schlechte Zahlen des Konkurrenten Air France belasteten die Lufthansa-Aktie, die um 5,7 Prozent auf 25,75 Euro nachgab.

Unter Druck geriet die T-Aktie. Sie fiel um 3,5 Prozent auf 44,74 Euro. Sollte die Deutsche Börse demnächst die Aktien in den Indizes nach dem Streubesitz gewichten, verliert vor allem die Deutsche Telekom an Gewicht im Dax, befürchten Investoren. "Ihr Streubesitzanteil ist vergleichsweise gering", erläuterte Analyst Robert Halver von Delbrück Asset Management.

Pharmatitel: Gesucht

Gesucht waren hingegen Pharmatitel. "Der gesamte Pharmamarkt ist momentan im Aufwind", erklärte der Analyst Oliver Kämmerer von der Privatbank Julius Bär. Pharmaunternehmen zeigten stetiges Wachstum auf und verzeichneten Gewinne, fügte er hinzu. Fresenius Medical Care verteuerten sich am stärksten, und zwar um 0,8 Prozent auf 92,50 Euro.

Neuer Markt: Durchwachsen

Die Wertpapiere am Neuen Markt haben trotz vielversprechender Vorgaben den Handel mit leichten Verlusten beendet. "Die Entwicklung am Markt ist sehr durchwachsen verlaufen", sagte ein Händler. Die Marktteilnehmer wären nach dem freundlichen Wochenauftakt leicht euphorisch in den Handelsmorgen gestartet, seien dann aber von der unerfreulichen Realität enttäuscht worden. Eine der Aktien die den Markt entscheidend bewegten, waren Intershop. Die Papiere brachen um 8,6 Prozent auf 390 Euro ein. Bewertungsfragen wurden von Händlerseite für die Verluste verantwortlich gemacht. Zudem belaste die Charttechnik den Kurs, hieß es.

Auf der Gewinnseite fanden sich die Aktien von Carrier 1 International S.A. Die Aktien kletterten um 9 Prozent auf 48,50 Euro. Das Unternehmen hat am Dienstag den Bau von glasfaser-basierten City-Ringen in Berlin und München angekündigt. Qiagen stiegen um 3,1 Prozent auf 55,63 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte am Montag nach Börsenschluss Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht.

Wall Street: Uneinheitlich

Die US-amerikanischen Aktienmärkte haben sich im Laufe des Dienstagshandels uneinheitlich entwickelt. Während der Dow Jones seine Eröffnungsgewinne etwas ausbaute und gegen 20.10 MESZ ein Plus von 0,7 Prozent auf 10.937 Punkte aufwies, drehte der Nasdaq Composite in die Verlustzone und gab 0,2 Prozent auf 3856 Zähler ab. Der S&P 500-Index kehrte seine Anfangsverluste demgegenüber in eine positive Tendenz um und kletterte um 0,2 Prozent auf einen Stand von 1482 Punkten.

New Yorker Händler begründeten die positive Tendenz des Dow Jones mit den im Tagesverlauf veröffentlichten Daten zur Arbeitsproduktivität. An der Nasdaq hätten sich die Käufer hingegen zurückgehalten. Die Investoren werden sich nach Ansicht der Händler sehr vorsichtig geben. Die nach Börsenschluss erwarteten Zwischenergebnisse von Cisco Systems könnten dem Markt eine klare Richtung vorgeben.

Europa: Gut behauptet

In Paris stieg der EuroStoxx-50-Index um 0,3 Prozent auf 5105 Punkte. Der Pariser Aktienmarkt hat am Montag behauptet geschlossen. Der CAC 40-Index schloss 0,2 Prozent im Plus auf einem Stand von 6532 Zählern. Technologie-Werte stiegen im Sog der Kursgewinne beim Index-Schwergewicht Alcatel. Alcatel habe sich in den vergangenen Tagen gut erholt, sagte ein Händler. Die Aktien des Unternehmens zogen um 2,4 Prozent auf 78,40 Euro an.

Der Mailänder Wertpapiermarkt hat am Dienstag gut behauptet geschlossen. Der Mib30-Index stieg bis zum Handelsschluss 0,5 Prozent auf einem Stand von 46.952 Zählern. Die positive Tendenz des Handels sei von einer Rally im Banken-Sektor und von Kursgewinnen bei Versicherungs-Titeln getragen gewesen, sagten Händler. Bank-Aktien seien zurzeit unterbewertet und aufgrund ihrer defensiven Qualität sehr attraktiv.

Der spanische Aktienmarkt hat den Handel am Dienstag mit Kursgewinnen beendet. Der IBEX-35-Index schloss mit 1,5 Prozent im Plus auf einem Stand von 10.867 Punkten. Das Handelsvolumen betrug 1,39 Milliarden Euro.

Der britische Aktienmarkt hat den Handel am Dienstag indes leichter beendet. Der FTSE 100-Index verlor 29,7 Zähler auf einen Schlussstand von 6358 Punkten. Bei einem geringen Handelsvolumen von geschätzten 1,311 Milliarden Aktien, bewegte sich das Börsenbarometer zwischen 6350 und 6420 Zählern.

Rentenmarkt: Knapp behauptet

Der Rentenmarkt tendierte knapp behauptet. Der Bund Future zehnjähriger Staatsanleihen rentierte um 0,1 Prozent leichter bei 105 Punkten. Der Rentenindex Rex sank um 0,1 Prozent auf 109 Zähler. Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag bei 5,25 (Montag: 5,22) Prozent fest.

Euro: Unter Druck

Den ohnehin schwachen Euro setzte die gestiegene Produktivität jenseits des Atlantiks weiter unter Druck. Er fiel am Devisenmarkt kurzzeitig unter die Marke von 0,9 Dollar und wurde zuletzt bei 0,9023 US-Dollar gehandelt. Der Dollar war damit 2,1669 Mark wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den Referenzkurs am Nachmittag bei 0,9047 Dollar (Vortag: 0,9084) fest. Damit kostete ein Dollar 2,1619 (2,1530) Mark.

Die Schlussnotierung für Gold betrug am Dienstag in London 273,40 Dollar pro Feinunze.



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