Börse Finanzmärkte erleben ihr Waterloo

Die unerwartet hohen Folgekosten der Anschläge auf das World Trade Center lasten wie Blei auf den Finanzmärkten. Selbst die Klassiker unter den Standardwerten verzeichnen Kursverluste wie die Start-Ups am Neuen Markt.


Die Händler resignieren: Börse Frankfurt
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Die Händler resignieren: Börse Frankfurt

Frankfurt am Main - Der Handelsauftakt in New York sorgte auf dem Parkett in Frankfurt für einen Schock. Der Dow-Jones fiel in den ersten fünf Minuten des Handels um 170 Punkte. In der ersten Stunde des Handels sackte er um 206,06 Punkte auf 8.553,07 ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 34,06 Punkte auf 1.493,74. Im Sog der Wall Street rutschten auch Dax und Nemax kräftig ab. Der Index der Standard-Werte notierte gegen 17 Uhr 4,2 Prozent im Minus bei 3870,61 Punkten, der Nemax gab 4,9 Prozent ab. Händler schätzen, dass die Investoren allmählich die Auswirkungen der Anschläge in der vergangenen Woche auf die US-Unternehmen erfassen.

An den Aktienmärkten in Europa standen die Werte von Versicherern und Fluggesellschaften am stärksten unter Druck, aber sie waren nur die Verlierer unter den Schwachen. In Europa seien die Kurse auf breiter Front gefallen, sagten Händler. Auslöser der neuerlichen Talfahrt waren die Aussagen der beiden Rückversicherer Münchener Rück Chart zeigen und Swiss Re Chart zeigen. Münchener Rück hatte am Morgen bekannt gegeben, der Konzern müsse nach den Anschlägen in New York mit mehr als zwei Milliarden Euro den größten Einzelschaden seiner Unternehmensgeschichte verkraften. Auch Swiss Re teilte mit, stärker als nach einer ersten Schätzung in der vorigen Woche angenommen belastet zu sein. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte daraufhin die Gewinnprognosen gleich mehrerer europäischer Versicherer.

Auch die Luftfahrt-Aktien brachen weiter ein. Der Aktienkurs der Lufthansa Chart zeigen rutschte auf weniger als zehn Euro, nachdem die Fluggesellschaft am Abend zuvor auf Grund der Anschläge und der dadurch ausgelösten Krise für die internationale Luftfahrt eine drastische Gewinnwarnung abgegeben hatte. Konzernchef Jürgen Weber schloss einen operativen Verlust in diesem Jahr nicht mehr aus.

Der Kurs fiel um 13 Prozent auf 9,05 Euro und notierte damit erstmals seit Frühjahr 1995 deutlich unter zehn Euro. Damit büßte der Kurs seit den Anschlägen in den USA rund 40 Prozent und das Unternehmen rein rechnerisch mehr als zwei Milliarden Euro seines Börsenwerts ein. Analysten zeigten sich über die Dramatik der Ergebnisprognose zwar überrascht, sprachen der Lufthansa aber erneut wirtschaftliche Standfestigkeit zu. British Airways Chart zeigen kündigte die Streichung von Stellen und den Abbau von Kapazitäten an und folgte damit dem Vorbild internationaler Wettbewerber. Der Kurs fiel um mehr als zehn Prozent.

Die Entwicklung der langfristigen Papiere werde von der Sorge über die Staatsverschuldung bestimmt, sagten Händler. Nach den Anschlägen hatten die USA der Wirtschaft finanzielle Hilfen bewilligt. Gleichzeitig deuteten die Indikatoren auf eine weitere Abschwächung der Konjunktur hin.

Ein anderer Faktor seien die Kosten einer möglichen militärischen Auseinandersetzung. Von der in der Nacht zum Freitag angesetzten Rede des US-Präsidenten George W. Bush werde die Entwicklung der Renten ebenfalls weiter abhängen, hieß es.



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