Aktienhandel Börsenkurse rutschen auf neue Tiefstände

Die kurze Erholung an der Wall Street ist vorbei: Der US-Leitindex Dow Jones ist zu Handelsbeginn unter die Marke von 20.000 Punkten gerutscht. Auch an der deutschen Börse geht es bergab.
Wall Street: Straßen leergefegt, Anleger in Panik

Wall Street: Straßen leergefegt, Anleger in Panik

Foto: Craig Ruttle/ dpa

Die Angst vor monatelangen Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus verschärft die Verluste an den Aktienmärkten. In den USA fiel der Dow-Jones-Index zum Handelsstart kurzzeitig unter die 20.000-Punkte-Marke. Er notierte im frühen Handel knapp fünf Prozent niedriger bei 20.222 Punkten. Am Dienstag war er noch um rund 5,2 Prozent gestiegen. Der S&P 500 verlor 4,5 Prozent auf 2414 Zähler währen die technologielastige Nasdaq rund 3,2 Prozent auf 7096 Punkte nachgab.

Der deutsche Leitindex Dax büßte im Handelsverlauf 5,6 Prozent ein und fiel auf 8445 Punkte. Der EuroStoxx50 gab sechs Prozent auf 2378 Zähler nach. Mittlerweile haben Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und zum Teil auch Großbritannien das öffentliche Leben weitgehend eingeschränkt, um die Ansteckungswelle in den Griff zu bekommen. "Die Frage ist, ob Gesellschaft und Weltwirtschaft eine so lange Phase mit den jetzigen Maßnahmen durchhalten können", sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst bei CMC Markets.

Die Talfahrt am Aktienmarkt ist für die Deutsche Börse kein Grund zur Einstellung des Handels. "Die Folge einer Schließung der Märkte wäre Intransparenz. Die Folge hiervon wäre noch größere Unsicherheit", sagte ein Sprecher des Marktbetreibers in Eschborn bei Frankfurt. Die Verwerfungen an den Märkten würden dann noch drastischer werden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der am Dienstagabend verhängte Einreisestopp der Europäischen Union zog im Handelsverlauf vor allem Luftfahrtwerte nach unten. Airbus-Aktien brachen in Paris um bis zu 15,7 Prozent ein. Papiere von MTU Aero Engines fielen in Frankfurt um bis zu 17,9 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Die Experten der Investmentbank JP Morgan rechnen damit, dass es Jahre dauern wird, bis sich die Branche von der Corona-Krise erholt. Airbus stehe zwar besser da als US-Rivale Boeing, der für die Branche ein milliardenschweres Hilfspaket gefordert hat. Aber auch bei Airbus sei in den kommenden Jahren mit Ergebnissen deutlich unter den Erwartungen zu rechnen.

Auto-Fabriken stehen still

Unter Druck gerieten auch die Anteilsscheine der Autokonzerne. Nach Volkswagen, Daimler und Ford hat nun auch BMW einen Produktionsstopp in Europa angekündigt. BMW-Aktien büßten um bis zu 8,8 Prozent ein. Volkswagen-Papiere verloren ebenfalls rund neun Prozent, Daimler-Aktien bis zu 7,2 Prozent. Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus‘ in Europa und den Maßnahmen der Behörden zur Eindämmung sieht die Branche verschlechterte Absatzaussichten. Zudem fehlen immer mehr Teile für die Produktion.

Die immer strikteren Reisebeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus sorgten auch für einen weiteren Verfall des Öl-Preises. Ein Fass der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,1 Prozent auf 27,60 Dollar und notierte damit so tief wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. US-Leichtöl WTI kostete mit 25,08 Dollar je Fass rund sieben Prozent weniger. Angesichts der Nachfrageschwäche rechnen die Experten der Investmentbank Goldman Sachs mit einem Fall des Brentpreises auf bis zu 20 Dollar im zweiten Quartal. Dem Markt setzt auch der Kampf um Marktanteile zwischen Russland und Saudi-Arabien zu, die deshalb die Ölförderung ausweiteten.

Kommt der Corona-Bonds?

Auch die "Antikrisen-Währung" Gold verbilligt sich um knapp zwei Prozent auf 1498 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Börsianern zufolge müssen Anleger zunehmend Kasse machen und das Edelmetall verkaufen, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen. Zugleich zogen sich Investoren aus Bundesanleihen zurück. Im Gegenzug zog die Rendite der zehnjährigen Papiere auf minus 0,269 von zuvor minus 0,432 Prozent an. Auch Renditen anderer Euro-Länder wie der Niederlande und Frankreichs kletterten. Händler erklärten dies mit anstehenden Anleiheauktionen und Spekulationen auf eine mögliche gemeinsame Emission in der Eurozone.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, dessen Land in Europa bisher am heftigsten von der Coronavirus-Krise betroffen ist, plädiert Regierungskreisen zufolge für spezielle "Coronavirus-Bonds" oder einen europäischen Garantiefonds der Staatengemeinschaft. Damit soll finanziell klammen Mitgliedstaaten bei den für die Eindämmung erforderlichen Ausgaben unter die Arme gegriffen werden. In der Vergangenheit hat sich Deutschland vehement gegen gemeinsame Staatsanleihen aller Euroländer ausgesprochen.

mik/brt/dpa-AFX