Börse SAP bricht ein

Die deutschen Aktienmärkte sind erneut stark unter Druck geraten. Neben SAP mussten DaimlerChrysler und Bayer die größten Verluste hinnehmen.


Frankfurt am Main - Der Dax lag bis zum frühen Nachmittag mehr als eineinhalb Prozent im Minus, der Nemax 50 verlor rund fünf Prozent.

Schwach zeigte sich vor allem die Aktie von DaimlerChrysler, die rund dreieinhalb Prozent abgab. "DaimlerChrysler sind von Goldman Sachs heruntergestuft worden", begründete Knut Hochwald, Aktienhändler bei der Hamburger Sparkasse, die Kursverluste. Goldman Sachs habe ein Kursziel von 50 Euro ausgegeben. DaimlerChrysler sei nun wieder "ein mehr oder weniger deutsches Unternehmen" fügte ein anderer Händler in Frankfurt hinzu. Darüber hinaus sei die Frage, ob Schrempp in der Lage sein wird, die defizitäre Tochter Chrysler wieder auf die Beine zu stellen. Der Markt, sagte der Broker, zeige sich da am Morgen skeptisch. Im Gefolge dieser Bedenken musste auch Konkurrent VW rund eineinhalb Prozent abgeben, BMW verbilligten sich um knapp ein Prozent.

Den rückläufigen Trend im Dax kommentierte Hochwald mit den Worten: "Vielen Dank Herr Greenspan." Die US-Märkte seien bis zur Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses in den USA im Plus gewesen. Danach gerieten die Kurse unter Druck, da Alan Greenspan Händlern zufolge wenig Interesse daran zeigt, die Zinsen zu ändern."Und das stört hier auch." Am Markt herrsche derzeit allgemeines Rätselraten über die Kursentwicklung der Zukunft. Die Bayer-Zahlen seien am Markt unterschiedlich interpretiert worden. Letztlich überwiege allerdings die Skepsis. Das Papier verlor rund dreieinhalb Prozent.

Auch die Technologiewerte gerieten erneut unter Druck. SAP führten mit einem Abschlag von über sechs Prozent die Liste der Verlierer an, Siemens verloren rund zwei Prozent, die T-Aktie gab etwa ein Prozent ab. Die SAP-Aktie hatte am Mittwoch in New York bereits deutliche Verluste hinnehmen müssen. Diese schwachen Vorgaben aus den USA hätten den Titel auch hierzulande belastet, sagte ein Frankfurter Analyst. Die Nachfrage nach PC-Chips verlangsame sich, das drücke auf die Kurse.

Lufthansa setzten ihren Steigflug nach den guten Unternehmenszahlen vom Vortag fort. Mit einem Plus von etwa eineinhalb Prozent war die Fluglinie erneut stärkster Wert im Dax.

Am Neuen Markt bleibt die Verunsicherung. Zu den großen Verlieren gehörten im frühen Handel Intershop, die um mehr als sieben Prozent verloren. Auch T-Online verloren rund vier Prozent, nachdem die Regulierungsbehörde für Post und Telekomunikation entschieden hatte, dass die Telekom ihren Mitbewerben einen Pauschalpreis für den Online-Zugang einräumen muss.

Sunburst Merchandising kletterten nach Vorlage ihrer Neunmonatszahlen um knapp zwölf Prozent. Das Unternehmen hatte ein Umsatzplus von 770 Prozent auf rund 97 Millionen Mark sowie ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 10 Millionen Mark gemeldet. Sunburst hatte darüber hinaus angekündigt, noch in diesem Jahr die Umsatz- und Ertragsprognosen für 2001 zu erhöhen.

Der Euro blieb im Vorfeld der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank deutlich unter 86 US-Cent und notierte bei Kursen um 0,857 Dollar.



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