Börse Tech-Titel und DaimlerChrysler drücken Dax

Der Deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag leichter geschlossen. Vor allem Verluste bei Technologietiteln und DaimlerChrysler drückten den Index. Die Wachstumswerte am Neuen Markt setzten ihre Talfahrt fort.


Frankfurt am Main - Der Dax sank um 1,71 Prozent auf 6842 Punkte. Am Neuen Markt rutschte der Nemax-50 mit 4,76 Prozent auf 3773 Punkte ins Minus. Der M-Dax sank um 0,02 Prozent auf 4906 Zähler. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland nahezu unverändert auf 10.702 Punkten. Der Nasdaq-Index zeigte sich 1,76 Prozent schwächer auf 3109 Zähler.

Warnung des Fed-Chefs drückte auf die Stimmung

"Vor allem die Technologieaktien haben im Sog einer schwächeren Nasdaq im Tagesverlauf leichter notiert", erklärte ein Frankfurter Börsianer. Auch die Warnung des Fed-Chefs Alan Greenspan vor weiteren Inflationsgefahren habe auf die Stimmung bei den Technologietiteln gedrückt. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB, nicht erneut an der Zinsschraube zu drehen, habe der Markt dagegen erwartet, erklärte Wolfgang Kuhl, Händler bei der BfG-Bank.

SAP-Verluste ziehen andere Tech-Titel nach unten

Der stärkste Verlierer im Dax, die Aktie von SAP, büßte 6,48 Prozent ein und sank auf 199,38 Euro. Marktbeobachter rechnen mit sinkenden Gewinnmargen bei der Internetplattform mySap.com. Andere Börsianer führten den Kursrückgang auf die Herabstufung des Titels durch eine Investmentbank zurück.

Die Kursverluste bei SAP drückten auch auf die Kurse anderer High-Techs im Dax: Infineon verloren 4,62 Prozent auf 46,07 Euro. Die Konzern-Mutter Siemens fiel um 3,09 Prozent auf 133,69 Euro.

Bayer verfehlt Analysten-Erwartungen

Auf der Verkaufsliste der Anleger standen nach Vorlage der Geschäftszahlen die Bayer-Papiere. Die Aktien des Chemie- und Pharmakonzern fielen bis zum Sitzungsschluss um 3,16 Prozent auf 49,63 Euro. Im dritten Quartal hat der Konzern den Gewinn zwar gesteigert, die Analystenerwartungen aber verfehlt.

Deutsche Telekom verliert nach Flatrate-Urteil

Mit einem Minus von 2,52 Prozent auf 40,25 Euro schloss die Aktie der Deutschen Telekom. Händler begründeten dies mit der Entscheidung der Regulierungsbehörde, dass die Telekom ihren Konkurrenten ab Februar 2001 eine Großhandels-Flatrate für zeitlich unbegrenztes Internet-Surfen anbieten muss. Analyst Werner Stäblein von der BHF-Bank hält die Verpflichtung der Telekom, Konkurrenten Internet-Angebote zum Festpreis zu ermöglichen, für eine Verschärfung des Wettbewerbs bei den Flatrate-Angeboten.

Schwach zeigte sich auch die Aktie von DaimlerChrysler, die 1,32 Prozent auf 51,75 Euro abgab. "DaimlerChrysler sind von Goldman Sachs und Merrill Lynch heruntergestuft worden", begründete Kut Hochwald, Aktienhändler bei der Hamburger Sparkasse, die Kursverluste.

Schering schiebt sich in die Dax-Spitze vor

Schering-Aktien gehörten zu den wenigen Gewinnern des Tages. Der Berliner Pharmawert hat sich mit plus 3,86 Prozent auf 68,65 Euro an die Dax-Spitze geschoben. "Die Schering-Aktie hat auf die Meldung, dass die Berliner ihren Anteil von 24 Prozent an der Aventis-Sparte Crop Science nicht verkaufen, mit Kursgewinnen reagiert", erklärte Wolfgang Kuhl, Händler der BfG-Bank.

Wachstumswerte auf Talfahrt

Die Gegenreaktion des Neuen Marktes ist durch das ausgebliebene Zinssignal aus den USA erstickt worden, erklärte ein Münchner Händler. Vor diesem Hintergrund mache sich der Markt langsam wieder auf den Weg nach unten. Die Stimmung wird zusätzlich durch anhaltend negative Nachrichten aus dem Unternehmensbereich belastet. Damit stimmte der Händler mit seinen Frankfurter Kollegen überein, die den Markt als "angeschlagen" kennzeichneten.

Intertainment schließt mit 28 Prozent Verlust

Intertainment waren mit minus 28,07 Prozent auf 20,55 Euro der Tagesverlierer im Nemax-50, nachdem der Filmvermarkter von dem Brokerhaus Merrill Lynch abgestuft wurde Dabei habe die Aktie ein neues Allzeittief bei 19,30 Euro markiert, so dass Händlern zufolge die Abwärtsbewegung noch verstärkt wurde. Zudem seien Gerüchte am Markt aufgekommen, dass eine Gewinnwarnung bei Intertainment zu erwarten sei.

Pixelpark schließt nach Herabstufung mit Verlusten

Pixelpark mussten einen starken Kursverlust von 18,67 Prozent auf 43,17 Euro hinnehmen, nachdem die Aktien ebenfalls heruntergestuft worden sind. Merck Finck & Co. sehen den Berliner Anbieter von Internet-Lösungen nach der Vorlage von Unternehmenszahlen nur noch als "Marketperformer". Zudem erhöhten auch bei Pixelpark Gerüchte den Druck, nachdem Spekulationen um einen geplanten Ausstieg des Hauptaktionärs Bertelsmann die Runde machten, bestätigte ein Händler.

Teleplan mit minus 17,13 Prozent auf 30 Euro, Adva mit minus 15,20 Prozent auf 53 Euro und Heyde, die um 14,71 Prozent auf 14,50 Euro fielen, komplettierten das Feld der größten Verlierer im Nemax-50. Bei Heyde belasteten negative Analystenkommentare beispielsweise von M.M. Warburg zusätzlich.

Euro über der Marke von 85 Cent

Der Euro war am Devisenmarkt zuletzt 0,8535 Dollar wert. Der Dollar wurde bei 2,2917 Mark umgesetzt. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 0,8569 (Mittwoch: 0,8596) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2824 (2,2753) Mark.

Bei den Renten gab es eine leichte Aufwärtsbewegung. Der Bund Future zehnjähriger Staatsanleihen stieg zuletzt um 0,1 Prozent auf 105,84 Punkte. Der Rentenmarktindex Rex zeigte sich unverändert bei 110,48 Punkte. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite mit 5,19 (Mittwoch: 5,23) Prozent fest.



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