Börse Telekom erneut unter Druck

Der Dax konnte sich bis Handelsschluss gegen die schlechten Vorgaben der amerikanischen Leitbörsen stemmen. Besonders die Autowerte verzeichneten kräftige Gewinne.


Frankfurt am Main - Der Dax lag bei Handelsschluss mit einem leichten Minus von 0,3 Prozent bei 7059 Punkten. Der Nemax 50 am Neuen Markt fiel etwas stärker um 1,1 Prozent auf 4637 Punkte. In New York zeigten sich die Aktienmärkte etwas schwächer: Der Dow Jones lag knapp ein Prozent im Minus, der Nasdaq büßte etwas mehr als ein Prozent ein.

Bei den kleinen Schwankungen im Handelsverlauf handele es sich um ein Antesten der Marke von 7100 Zählern nach oben beziehungsweise 7000 Punkten nach unten, sagte ein Händler. Die Stimmung am Markt sei gut und eine Bodenbildung nach dem jüngsten Anstieg "völlig normal", hieß es. Die Umsätze seien angesichts eines Feiertages in Teilen Deutschlands recht gut.

Autowerte gefragt

Unter den Standardwerten waren besonders Automobilwerte gefragt. Volkswagen stiegen um 2,4 Prozent auf 60,28 Euro, knapp unter ihrem am Vormittag erreichten neuen Jahreshoch von 61 Euro. Händler führten den Anstieg auf die guten Quartalsergebnisse vom vergangenen Freitag und eine Reihe von Heraufstufungen durch verschiedene Banken zurück. Die Aktien der Konkurrenten DaimlerChrysler und BMW verzeichneten mit plus 3,2 Prozent auf 56,04 Euro und 1,2 Prozent auf 39,50 Euro ebenfalls Zuwächse.

Geringe Verluste für Deutsche Bank

Nach Bekanntgabe der Neun-Monats-Ergebnisse pendelten die Aktien der Deutschen Bank mit Minus 0,3 Prozent auf 96,20 Euro um ihren Vortagesschluss. Die geringen Verluste führte ein Händler auf Gewinnmitnahmen nach dem Motto "Verkaufe nach positiven Nachrichten" zurück. Die Zahlen seien vom Markt erwartet worden, sagten Händler. Die Deutsche Bank hatte am Morgen einen größeren Verdienst nach neun Monaten und damit mehr als von Analysten erwartet ausgewiesen und dabei offenbar von ihrer Ausrichtung auf das Investment- Banking profitiert.

Schering und T-Aktie unter Druck

Für Druck auf dem Markt haben indes die Aktien des Berliner Pharmakonzerns Schering gesorgt, die 4,9 Prozent auf 62,80 Euro verloren. Händler führten den Kursrückgang auf eine technische Reaktion nach den am Montag veröffentlichten Geschäftszahlen und der Verschiebung des Börsengangs der Tochter Metagen zurück. Die Aktie sei unter die technische Unterstützungunslinie bei 64 Euro gefallen, hieß es. Für den Kursverlust des Indexschwergewichtes Deutsche Telekom machten Händler die momentanen Schwierigkeiten der amerikanischen Telekomriesen verantwortlich. Die T-Aktie fiel um vier Prozent auf 42,49 Euro.

Umschichtung von RWE in E.ON

Von einer Umschichtungs-Empfehlung der Deutschen Bank profitierten die Aktien des Energiekonzerns E.ON. Die Papiere legten um 1,8 Prozent auf 60,95 Euro zu. Konkurrent RWE fielen dagegen um 1,5 Prozent auf 46,52 Euro. Die Bank hatte am Mittag Investoren die Umschichtung von Aktien des Düsseldorfer Konzern RWE in die Titel von E.ON empfohlen.

Neuer Markt: Unsicherheit bei Intershop

Intershop setzten am Mittwoch ihren volatilen Kursverlauf fort. Bei Handelsschluss lag die Aktie 2,3 Prozent im Minus bei 50,80 Euro. Das Index-Schwergewicht hatte am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die Analysten enttäuschten.

Ganz oben auf der Einkaufsliste standen United Internet, die nach Gerüchten um eine Übernahme durch T-Online um 28,6 Prozent auf 9,75 Euro zulegten. T-Online verloren 0,6 Prozent auf 24,35 Euro. Tomorrow Internet lagen nach einem guten Zwischenergebnis mit 4,3 Prozent im Plus bei 17,70 Euro.

Die rote Laterne trugen Brain International. Der Software-Anbieter litt unter enttäuschen Neunmonatszahlen und büßte 39,59 Prozent auf 5,05 Euro ein. Verluste verbuchte auch der Online-Broker Consors, der bei relativ hohen Umsätzen um 5,3 Prozent auf 91,90 Euro nachgab. Händler machten den verschärften Wettbewerb und einen bevorstehenden Preiskampf hierfür verantwortlich.

Wall Street: Kurseinbruch bei World Online

Mit einer Gewinnwarnung sorgte der US-Telekomriese World Online für Aufregung an der Wall Street. Der Kurs der Aktie fiel daraufhin um über 16 Prozent, auch das Papier von AT&T büßte knapp fünf Prozent ein. Die Aktie des Modedesigners Tommy Hilfinger verbesserte sich dagegen um rund fünfzehn Prozent, nachdem das Unternehmen mit Quartalszahlen die Erwartungen von Analysten übertroffen hatten.

Das Investmenthaus Goldman Sachs sorgte bei der Konkurrenz für fallende Kurse. Nachdem die Analysten des Hauses mehrer Finanztitel herabgestuft hatten, verbilligten sich Lehman Brothers um rund fünf Prozent, Morgan Stanley Dean Witter fielen um vier Prozent und Merril Lynch gaben etwa drei Prozent ab.

Europabörsen im Plus

Die Europäischen Aktienmärkte zeigten sich am Mittwoch durchweg im positiven Terrain. Die Kursgewinne lagen zwischen 0,1 Prozent in Zürich bis zu 1,0 Prozent in Mailand. In Paris legte der CAC 40 um 0,2 Prozent zu und der FT SE 100 in London kletterte um 0,3 Prozent empor. Mit 0,6 Prozent stieg der AEX in Amsterdam an. In Wien und Madrid blieben die Börsen wegen des Feiertages Allerheiligen geschlossen.

Euro im Aufwärtstrend

Der Euro hat seine Kursgewinne am Mittwochnachmittag angesichts weiterer Anzeichen für eine Abschwächung der US-Konjunktur ausgebaut. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf neue Zwei-Wochen-Hochs von 85,98 US-Cents und 93,16 Yen. Der unerwartet starke Rückgang des US-Einkaufsmanagerindexes im Oktober ist nach Ansicht von Analysten ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Wachstumsdifferenz zwischen den USA und der Euro-Zone verringert.

Die Feinunze Gold notierte zuletzt bei 265,25 US-Dollar und damit 0,75 US-Dollar fester als am Vortag.



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