Börse Telekom machte das Rennen

Die deutschen Aktien haben den Handelstag am Montag uneinheitlich und fast unverändert beendet. Die T-Aktie und die Papiere von Thyssen Krupp gehörten zu den Gewinnern des Tages.


Frankfurt am Main - Der Dax ging mit einem Plus von 0,04 Prozent auf 6620 Punkte aus dem Handel. Am Neuen Markt verlor der Nemax-50 0,15 Prozent auf 4615 Zähler. Der M-Dax stand bei 4796 Punkten und damit um 0,49 Prozent über dem Vortagesniveau. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Frankfurt mit plus 0,75 Prozent bei 10.303 Zählern. Der Nasdaq-Index verzeichnete ein Minus von 0,34 Prozent bei 3471 Zählern.

"Geringe Umsätze und lustlose Stimmung"

"Die ganzen Bewegungen am Markt finden bei äußerst geringen Volumen statt", sagte ein Händler. Die Stimmung sei dementsprechend "weiterhin lustlos". "Wir orientieren uns zur Zeit mangels Alternativen einfach sehr stark an den US-Vorgaben", sagte der Händler. Nach den kräftigen Kursgewinnen in der vergangenen Woche hielten sich institutionelle Anleger und Privatinvestoren nun vorläufig zurück und warteten die nächsten Tage ab. Nach Einschätzung eines anderen Marktteilnehmers sind die weiteren Aussichten für den deutschen Markt zwar nicht überschwänglich, aber auch nicht schlecht.

Thyssen Krupp und Deutsche Telekom an der Spitze

Herausragend entwickelten sich die Aktien von Thyssen Krupp und der Deutschen Telekom. Die Stahlaktie gewann 5,61 Prozent auf 15,25 Euro hinzu. Die T-Aktie steigerte sich um 3,76 Prozent auf 39,74 Euro. "Es gibt für diese Kursentwicklung keine Nachrichten, die dies rechtfertigen oder erklären könnten", sagte ein Aktienhändler der Hamburger Berenberg Bank. Bereits ein oder zwei größere Kauforders könnten bei derart geringen Umsätzen und dem lustlosen Handel den Kurs nach oben treiben.

Versorger standen unter Druck

Versorger standen hingegen unter Druck. E.ON schlossen mit einem Minus von 1,92 Prozent auf 58,85 Euro; RWE verloren 2,39 Prozent auf 43,68 Euro und beendeten den Handelstag als schwächster Dax-Wert. Ein Analyst führte die Verluste auf Gewinnmitnahmen zurück.

Technologietitel uneinheitlich

Die Aktie von SAP hatte ihre Gewinne wieder abgeben müssen. Das Papier notierte zum Handelschluss mit 0,24 Prozent auf 217 Euro. Siemens schlossen mit einen leichten Zuwachs von 0,45 Prozent auf 144 Euro. Die Titel der Siemens-Tochter Infineon verloren 1,03 Prozent auf 48,88 Euro. Epcos notierten mit 0,65 Prozent auf 88,50 Euro im Minus.

Commerzbank-Aktie schloss fester

Nachdem die Commerzbank und die spanische Banco Santander Central Hispano (BSCH) ihre Gespräche über eine Verdoppelung der BSCH-Anteile an der viertgrößten deutschen Bank abgebrochen haben, legte die Commerzbank-Aktie über den Tag zu und schloss um 1,46 Prozent fester auf 31,20 Euro. Der Banken-Analyst Konrad Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co begründete den Kursanstieg mit erneut aufgeflammten Übernahmespekulationen: "Einige Marktteilnehmer glauben, dass für die Investorengruppe CoBRa jetzt wieder die Chancen steigen, für die Commerzbank einen ausländischen Investor für eine Übernahme zu finden.

Die Papiere der Dresdner Bank legten um 0,33 Prozent auf 46,05 Euro zu. Deutsche Bank verloren 0,95 Prozent auf 91,72 Euro.

Die Börsen in London und Paris schlossen im Plus. Der EuroSTOXX 50 aus den 50 wichtigsten Aktien in Euroland gewann 0,35 Prozent auf 4906 Punkte.

Ein Händler von M.M. Warburg bezeichnete den Handel am Neuen Markt als als richtungslos. "Momentan lässt sich der Markt vielmehr von äußeren Faktoren wie dem hohen Ölpreis oder der Krise im Nahen Osten beeinflussen, als von Unternehmensmeldungen", sagte der Händler.

Primacom: Ein Glanzlicht am Neuen Markt

Zu den Glanzlichtern im Nemax-50 zählten Primacom. Die Aktie, die bereits am Freitag deutliche Kursgewinne verbucht hatte, schloss erneut fester mit plus 14,75 Prozent bei 28,00 Euro. Ein Händler einer Frankfurter Bank hatte die Aktie als "gandenlos unterbewertet" bezeichnet. Zudem habe es am Markt Gerüchte über ein baldiges Übernahmeangebot des niederländischen Konkurrenten UPC gegeben.

SCM Microsystems kletterten um 4,51 Prozent auf 48,65 Euro. Goldman Sachs hatte den Wert am Freitag auf seiner Empfehlungsliste bestätigt, nachdem das Unternehmen über den Erwartungen ausgefallene Quartalsergebnisse vorgelegt hatte. IM Internationalmedia verteuerten sich um 4,35 Prozent auf 46,75 Euro. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, auf der internationalen Filmmesse in Mailand sieben Filmprojekte zu vermarkten. Der hieraus erwartete Umsatz liegt nach Unternehmensangaben bei 230 Millionen Dollar.

Datadesign mit guten Quartalszahlen

Datadesign kletterten nach Vorlage ihrer Quartalszahlen um 7,41 Prozent auf 21,59 Euro. Das auf Sicherheitslösungen im Internet spezialisierte IT-Unternehmen hat im dritten Quartal erstmals seit dem Börsengang im November 1998 einen Gewinn ausgewiesen.

EM.TV verzeichneten ein knappes Minus von 0,55 Prozent auf 37,80 Punkte. Finanz-Vorstand Florian Haffa hatte die Umsatz- und Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr bestätigt, was dem Wert allerdings nur kurzfristig in die Gewinnzone verhalf.

T-Online verzeichnet Verluste

T-Online gaben 1,56 Prozent auf 22,74 Euro ab. Die Muttergesellschaft Deutsche Telekom hatte angekündigt, die deutschen und ausländische Geschäfte von T-Online in eine Holding zu überführen. Betroffen davon seien die französische Tochter Club Internet, der deutsche Online-Dienst T-Online und der spanischen Internet-Dienst Ya.com. Diese Nachricht verhallte an der Börse ungehört. Einem Händler zufolge ändere eine Umwandlung in eine Holding nichts an dem fragwürdigen Managementkonzept des IT-Unternehmens.

Euro-Referenzkurs so niedrig wie nie zuvor

Ein Kommentar des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zum Eurokurs verfehlte das Ziel und konnte die strauchelnde Währung nicht stützen. Der Euro wechselte zuletzt bei 0,8356 US-Dollar den Besitzer. Der Dollar war 2,3411 Mark wert. Die EZB setzte den Referenzkurs so tief wie niemals zuvor an: 0,8377 (Freitag: 0,8452) US-Dollar. Der Dollar kostete damit 2,3348 (2,3140) Mark.

Der Rentenmarkt zeigte sich wie die Aktienmärkte uneinheitlich. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen büßte 0,1 Prozent auf 105,58 Punkte ein. Der Rentenindex Rex lag hingegen unverändert bei 110,18 Zählern. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag bei 5,23 (Freitag: 5,24) Prozent fest.



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