Börse Telekom und Infineon unter Druck

Nach einer Berg- und Talfahrt hat der deutsche Aktienmarkt bis zum Montag abend wieder ins Plus gefunden - und folgte damit den US-Vorgaben. Im Mittelpunkt standen Epcos als Tagesgewinner und Infineon als größter Verlierer.


Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Montag ohne klare Richtung, aber zum Handelsschluss parallel zu einer Aufwärts-Tendenz an der US-Börse freundlich präsentiert. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss nach einem Auf und Ab im Handelsverlauf bei schwachen Umsätzen 0,88 Prozent fester mit 6958,96.

Die New Yorker Aktienbörse hatte zuvor ihre verkürzte Sitzung mit einem deutlichen Plus beendet, nachdem neue Konjunkturdaten Volkswirten zufolge die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung gemindert hatten.

Das breite Interesse an deutschen Aktien fehle, kommentierte ein Händler die weiterhin schwachen Umsätze, die viele Kursbewegungen verzerrten. Eine Stütze fand der Dax aber im späten Handel in der Entwicklung am US-Markt.

Dow Jones: Im Plus bei nachlassender Zinsangst

Der Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte schloss nach einer wegen des bevorstehenden US-Feiertages verkürzten Sitzung um 1,08 Prozent höher auf 10.560,67 Zählern, nachdem der Index der US-Einkaufsmanager für Juni erheblich unter den Erwartungen gelegen hatte. Analysten zufolge bestätigten die Daten die Anzeichen eines sich verlangsamenden US-Wirtschaftswachstums, was eine Zinserhöhung unwahrscheinlicher mache.

Telekom: Sprint-Spekulationen drücken den Kurs

Beeinträchtigt wurde der Dax durch das deutliche Minus der Telekom-Aktie. Das Unternehmen hatte am Montag neue Berichte über angebliche Fusionsgespräche mit dem US-Konzern Sprint unkommentiert gelassen. Die britische Zeitung "Financial Times" hatte berichtet, die Telekom habe informelle Gespräche über eine mögliche Fusion mit Sprint geführt.

Investoren sorgten sich über einen zu hohen Kaufpreis, falls an den Berichten etwas dran sein sollte, sagten Händler.

Noch höhere Verluste als Telekom verbuchten die Papiere der Siemens-Tochter Infineon mit minus 6,4 Prozent auf 77,21 Euro. Die Werte litten Händlern zufolge unter der Emission einer milliardenschweren Wandelanleihe von Siemens (plus 3,16 Prozent auf 162,99 Euro). Die Anleihe kann in Aktien der Infineon AG getauscht werden.

Bei verhältnismäßig hohen Umsätzen verteuerten sich die Aktien der Metro um sieben Prozent auf 39,56 Euro. Damit profitierten die Aktien Händlern zufolge von einem angeblichen Kaufinteresse der britischen Tesco für die Metro-Supermaktkette Real, obwohl in es britischen Branchenkreisen hieß, es wäre überraschend, wenn Tesco nach Deutschland ginge.

Epcos legten als Spitzenreiter der prozentualen Gewinnerliste um 8,6 Prozent auf 113,50 Euro zu.

Neuer Markt: TV-Tipps treiben die Kurse

Fester hat der Neue Markt am Montag geschlossen. Der Nemax-All-Share gewann 1,71 Prozent oder 91,55 auf 5.460,71 Zähler, während der Nemax-50 2,46 Prozent bzw 146,10 auf 6.087,26 Stellen zulegte. In Anbetracht des verkürzten Handels in den USA und des anstehenden Feiertags am Dienstag habe sich das Umsatzvolumen "sehr moderat" gezeigt, sagten Händler.

Ohne Meldungen haussierten Mosaic Software, die 29,07 Prozent bzw 5,45 auf 24,20 Euro gewannen. Eine "klare Übertreibung" stellte dagegen der Kurssprung bei Höft & Wessel nach Aussage eines Händlers dar. Die Aktie stieg um 19,60 Prozent oder 2,45 auf 14,95 Euro.

Netlife, Infor, Saltus, Steag: Nach TV-Tipps im Plus

Netlife und Infor legten deutlich zu. Marktbeobachter führten die Kursgewinne auf positive Kommentare im 3sat-Börsenspiel vom Freitag zurück. Netlife gewannen 15,84 Prozent bzw 3,50 auf 25,60 Euro, und Infor erhöhten sich um 21,50 Prozent bzw 4,60 auf 26 Euro. Saltus Technology legten ohne spezielle Unternehmensmeldung um 16,56 Prozent bzw 2,70 auf 19 EUR zu.

Steag Hamatech konnten sich von den Verlusten am Freitag erholen, nachdem ein positiver Kommentar im Rahmen der Telefonaktion der "n-tv-Telebörse" abgegeben wurde. Die Aktie kletterte um 8,79 Prozent bzw 2,90 auf 35,90 Euro.

Fantastic schiesst nach oben

Fantastic schossen um 27,79 Prozent nach oben auf 13,29 EUR. Hintergrund war eine Meldung, wonach Fantastic, die Deutsche Telekom und das ZDF bei der Entwicklung von kabellosen Übertragungsdiensten für Deutschland zusammenarbeiten wollen.

Damit werde das weltweit erste kabellose Breitband System für den Business-to-Consumer-Markt geschaffen, hieß es.

feedback und musicmusicmusic tief im Minus

"Einige Verkäufer" drückten dagegen feedback. Fundamental gebe es zu dem Wert, der erst am 26. Juni an die Börse gekommen ist, keine Neuigkeiten, betonten Händler. Die Aktien verloren 16,36 Prozent bzw 1,80 auf 9,20 Euro.

Der Abwärtstrend bei Musicmusicmusic setzte sich mit neuen Tiefstkursen fort. Eine Händlerin bezeichnete den Kursverlauf als "erschreckend", zumal keine neuen Nachrichten von Unternehmensseite vorlägen. Der Titel büßte 9,52 Prozent bzw 0,40 auf 3,80 Euro ein.



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