Börse Verschnaufpause für deutsche Aktien

Der deutsche Aktienmarkt schloss im Kielwasser einer festen Nasdaq fester.


Frankfurt am Main - Der Dax wurde vor allem von den zuvor stark geprügelten Technologietiteln um 2,21 Prozent auf 6512 Punkte nach oben geschoben. Auch die Wachstumstiteln am Neuen Markt reagierten mit einer technischen Gegenreaktion auf die deutlichen Verluste der Vortage. Der Nemax-50, der in der Börsenwoche rund 400 Punkte verlor, beendete den Handel am Freitag um 2,37 Prozent fester bei 3228 Punkten. Der M-Dax schloss mit einem Minus von 0,90 Prozent auf 4643 Punkte.

Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones 0,2 Prozent stärker auf 10.435 Zähler. Die Nasdaq legte 4,6 Prozent auf 2718 Punkte zu.

Nächste Woche keine klare Bodenbildung in Sicht

"Wir schwimmen weiter im Kielwasser der US-Börse", kommentierte ein Börsianer den Anstieg der High-Techs. Die zuvor gut gelaufenen defensiven Titel seien dagegen unter Druck geraten. In einem allgemein nervösen Markt ist nach Ansicht der Frankfurter GZ-Bank auch in der nächsten Woche keine klare Bodenbildung an den Börsen zu erwarten.

SAP der Dax-Gewinner des Tages

Die Papiere der Walldorfer Softwareschmiede stiegen um 9,40 Prozent auf 162,50 Euro an. Marktbeobachter begründeten dies mit den festeren US-Börsen.

DaimlerChrysler schalteten nach den Kursverlusten zu Wochenanfang einen Gang hoch. Die Aktie stieg um 3,73 Prozent auf 45,65 Euro. Analyst Klaus Weiermann von der WGZ-Bank wertet die Gewinne als normale Gegenbewegung nach den Verlusten der vergangenen Tage.

Die Aktien der Deutsche Telekom gewannen 3,41 Prozent auf 37,34 Euro. Das Investmenthaus Lehman Brothers sieht die Deutsche Telekom weiter als "Outperformer". Allerdings reduzierten die Experten ihr Kursziel für die Aktie von 52 auf 46 Euro.

"Fondsmanger für Schering-Verluste verantwortlich"

Unter den Pharmawerten gehörten neben Fresenius Medical Care auch die Papiere von Schering zu den Verlierern, die mit einem Minus von 3,94 Prozent auf 60,21 Euro aus dem Handel gingen. Für den Kursrückgang könnten Verkäufe von Fondsgesellschaften verantwortlich sein. Zudem schichteten Anleger zur Zeit wieder von defensiven Titeln in High-Techs um, sagten Händler.

EM.TV-Verluste bremsen den Neuen Markt

Limitiert wurden die Kursaufschläge der deutschen Wachstumswerte nach Aussagen von Händlern von den kräftigen Verlusten bei Marktschwergewicht EM.TV. Der Titel verlor 14,79 Prozent auf 16,19 Euro.

Händler sehen bei EM.TV den Boden erreicht

Erneute Gerüchte, das Medienunternehmen werde am Montag bei Vorlage seiner Neunmonatszahlen seine Prognosen für das Jahr 2000 um mehrere hundert Millionen Mark reduzieren, hatten die Anleger in Aufregung versetzt. Ein Frankfurter Händler glaubte dennoch, dass das Schlimmste für die EM.TV-Aktie vorbei sei. "Nichts ist schlimmer als die Ungewissheit", kommentierte ein Frankfurter Händler das Szenario um die EM.TV-Aktie. Das Papier sollte deshalb seinen Boden gefunden haben, selbst wenn das einstige Aushängeschild des Neuen Marktes am Montag mit schlechten Nachrichten aufwarten wird.

Sanochemia Pharmazeutika überzeugt mit guten Zahlen

Positive Impulse gingen von den Unternehmen aus, die mit starken Geschäftszahlen aufwarteten. So konnte die Sanochemia Pharmazeutika über den Erwartungen des Unternehmens und der Analysten liegende Zahlen veröffentlichen. Die Aktien gewannen daraufhin 20,44 Prozent auf 33 Euro.

Inmotion stiegen um 14,29 Prozent auf 32 Euro. Der Musik- und Filmproduzent hatte seine Planzahlen für das Geschäftsjahr 2000/2001 auf grund neuer Vertragsabschlüsse für Filmproduktionen angehoben. Inmotion geht nun von einem Gesamtjahresumsatz von 300 Millionen Mark aus. Die Gesellschaft hatte bereits Anfang November die Umsatzprognose von 225 Millionen Mark auf 260 Millionen Mark angehoben.

Metabox enttäuscht erneut auf ganzer Linie

Metabox sorgten mit ihrer Geschäftsentwicklung hingegen erneut für eine Enttäuschung. Der Anbieter von Set-Top-Boxen für den Internetzugang hat in den ersten neun Monaten bei einem Umsatz von 32 Millionen Mark elf Millionen Mark Verlust erwirtschaftet. Gleichzeitig mussten die Hildesheimer ihren Konzernabschluss 1999 korrigieren.

T-Online markiert neues Jahrestief

Auch T-Online waren wieder unter den Verlierern zu finden. Die Aktie der Internet-Tochter der Deutschen Telekom markierte im Handelsverlauf mit 15,40 Euro ein neues Jahrestief. Händler begründeten die Talfahrt mit den negativen Eindrücken einer Telefonkonferenz. Bis zum Handelsschluss berappelte sich der Wert wieder etwas. Die Aktie schloss bei 16,69 Euro, was einem Minus von 0,06 Prozent entspricht.

United Visions Entertainment rutschten um 28,21 Prozent auf sieben Euro nach Vorlage ihrer Neunmonatszahlen. Der Berliner Spezialist für interaktive Unterhaltung hatte zwar sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern binnen Jahresfrist von 313.000 Euro auf 1,1 Millionen gesteigert. Der Umsatz stagnierte hingegen mit 10,2 Millionen Euro in etwa auf dem Vorjahresniveau.

United Visions reduzierte daraufhin seine Umsatzplanung für das laufende Geschäftsjahr von 19,4 Millionen Euro auf 13,3 Millionen.

Euro notiert über der Marke von 87 Cent

Die Gemeinschaftswährung im Euroraum kostete zuletzt 0,8768 Dollar. Der Dollar kostete im Devisenhandel 2,2306 Mark. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8735 (Donnerstag: 0,8684) Dollar fest. Für den Dollar mussten damit 2,2391 (2,2522) Mark gezahlt werden.

Der Rentenmarkt zeigte sich fast unverändert. Der Bund-Future fiel um 0,1 Prozent auf 107,30 Punkte. Der Rentenmarktindex Rex legte um 0,1 Prozent auf 111,40 Zähler zu. Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite mit 5,02 (Donnerstag 5,06) Prozent fest.



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