Börsen im Sturzflug Furcht vor dem Waffengang

An den Märkten gilt seit dem Blair-Vorstoß ein Krieg gegen den Irak als so gut wie sicher. Die Aktienmärkte brechen erneut ein, der Ölpreis steigt auf ein 21-Monats-Hoch.


Börse Frankfurt: Krieg ist schlecht fürs Geschäft
AP

Börse Frankfurt: Krieg ist schlecht fürs Geschäft

Hamburg/Wien - Die Angst vor einem Krieg im Irak treibt den Ölpreis weiter nach oben. Am Londoner Markt stiegen die Notierungen für die Nordsee-Sorte Brent am Dienstag um 52 Cent auf 29,65 Dollar je Barrel (159 Liter).

Auch an den Aktienmärkten nimmt die Furcht vor einem Waffengang wieder zu: Der Dax fiel bis 15.30 Uhr um 3,7 Prozent auf 2806 Punkte, der Nemax 50 büßte 8,5 Prozent ein und lag bei 331 Zählern. Auch US-Börsen eröffneten im Minus. Der Standard & Poor's 500 verlor in den ersten Handelsminuten 1,3Prozent auf 822 Zähler. Der Nasdaq Composite verlor 0,7 Prozent auf 1176 Punkte. Die Investmentbank Lehman Brothers hat zudem am Dienstag desaströse Zahlen veröffentlicht und warnt vor weiterhin "extrem schwierigen" Marktbedingungen.

Ölpreis: Das Krisenthermometer geht durch die Decke

Der Preis für Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat erstmals seit langem wieder das von dem Kartell angestrebte Preisband zwischen 22 und 28 Dollar durchbrochen. Ein Barrel Opec-Öl habe am Montag durchschnittlich 28,28 Dollar gegenüber 27,60 Dollar am Freitag davor gekostet, berichtete das Opec-Sekretariat am Dienstag in Wien. Damit war Opec-Öl so teuer wie seit 21 Monaten nicht mehr. In den USA haben einzelne Ölsorten bereits die Marke von 30 Dollar je Barrel durchbrochen.

Die Opec hat erst vergangene Woche entschieden, die aktuelle Förderung von 21,7 Millionen Barrel am Tag um eine halbe Million Barrel zu erhöhen, falls der Ölpreis mehr als 20 Werktage über 28 Dollar liegt. Führende Funktionäre der Organisation haben versichert, das Kartell werde eine Explosion der Ölpreise angesichts eines drohenden Irak-Krieges nicht zulassen.

40 Dollar sind möglich

Da auf der Nordhalbkugel der Winter bevorsteht und die Vorräte relativ niedrig sind, rechnet der Ölexperte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) mit einer steigenden Nachfrage nach Ölprodukten. "Es ist keineswegs ausgemacht, dass wir die höchsten Ölpreise schon gesehen haben", sagte er in Hamburg.

Schon in früheren Krisenzeiten habe ein Barrel Rohöl mehr als 40 Dollar gekostet und dieser Preis könne ohne weiteres wieder erreicht werden. Je näher ein möglicher Krieg rücke, desto höher steige der Ölpreis. Auch zum Beginn von Kampfhandlungen sei nochmals mit einem Preisschub zu rechnen.

Kriegsangst verunsichert die Märkte

Morgan Stanleys Stratege Robert Pelosky rechnet im Fall eines lang anhaltenden Konflikts damit, dass der Ölpreis noch stärker ansteigt. In der Folge werde die Konjunktur leiden, die Aktien fallen und die Preise für Anleihen steigen.

Eine Studie des US-Kongresses trägt in diesem Zusammenhang nicht eben zur Verbesserung der Stimmung bei. In dieser Studie kommen Experten zu dem Ergebnis, dass ein US-Militäreinsatz zum Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein den US-Haushalt mit bis zu 200 Milliarden Dollar belasten könnte, falls die Verbündeten den geplanten Angriff auf Irak nicht unterstützen würden. Ein Irak-Feldzug käme die Amerikaner damit viel teurer zu stehen als der Golfkrieg, teilte der Leiter der Studie, demokratische Abgeordnete John Spratt am Montag (Ortszeit) in Washington mit.

Der US-Haushaltsausschuss hatte für die Untersuchung die gleichen Vorbedingungen des Golfkriegs 1991 zu Grunde gelegt. Damals konnten die US-Streitkräfte Militärbasen im Nahen Osten und der Türkei nutzen und Irak verzichtete auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Der damalige Krieg zur Befreiung Kuwaits kostete die USA 79,9 Milliarden Dollar.



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