Börsen Rezessionsangst treibt Dax ins Minus

Schlechte Vorgaben aus den USA, Rezessionsangst und mangelnde Risikolust hinterlassen ihre Spuren: Der Dax hat seine Verluste im Tagesverlauf ausgeweitet und weit über drei Prozent verloren. Trotzdem herrscht an der Frankfurter Börse Zweckoptimismus.


Frankfurt - Es ist die Risikoscheu der verunsicherten Anleger, die der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch zu spüren bekommen hat. Bis zum Mittag verlor der Dax 3,6 Prozent auf 4611 Punkte. "Alle haben Geld in den vergangenen Wochen verloren, jetzt traut sich keiner mehr etwas zu tun", sagte ein Börsianer. Für Kursgewinne von ein paar Prozent wolle keiner den Helden spielen, ergänzte ein Marktteilnehmer.

Börsenhändler in Frankfurt: "Wir halten uns noch ganz gut"
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Börsenhändler in Frankfurt: "Wir halten uns noch ganz gut"

Auslöser der Abwärtsbewegung waren - mal wieder - die schlechten Vorgaben aus Übersee. An der Wall Street hatten die Aktien nach Handelsschluss in Europa deutlich nachgegeben. Am japanischen Aktienmarkt brach der Nikkei Chart zeigen sogar um 6,8 Prozent ein. "Angesichts dessen halten wir uns noch ganz gut", sagte ein Händler in Frankfurt. "Die Vorgaben hätten Schlimmeres vermuten lassen."

Die Verlierer im Dax Chart zeigen zogen sich durch alle Branchen. Die Investoren hätten jeden Tag andere Favoriten, sagten Händler. Gewinner seien häufig die Verlierer des Vortages. "Das kann minütlich drehen." Die heftigsten Abschläge verbuchten am Mittwoch Hypo Real Estate Chart zeigen. Die Aktie gab 11,5 Prozent nach. Münchener Rück Chart zeigen verloren 4,8 Prozent auf 87,64 Euro.

Allianz-Aktien unter Druck

Ebenfalls stark unter Druck standen die Allianz-Aktien Chart zeigen, die um 6,7 Prozent auf 68,54 Euro fielen. Händler berichteten von Gerüchten, Allianz wolle die Dividende für 2008 senken. Der Konzern wollte dazu nicht Stellung nehmen. Andere Börsianer erklärten die Abschläge der Versicherer mit Nachwirkungen der Gewinnwarnung von Hannover Rück Chart zeigen am Dienstag. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer hatte seine Gewinnprognosen wegen hoher Abschreibungen auf Aktien zurückgenommen. Die im MDax Chart zeigen notierte Aktie fiel um weitere 0,9 Prozent, nachdem sie am Dienstag bereits um über 13 Prozent abgesackt war.

An der Spitze des MDax standen die Papiere von Hochtief Chart zeigen. Sie stiegen um rund vier Prozent auf 24,10 Euro. Der Baukonzern hatte seine Geschäftsprognosen für 2008 bekräftigt und einen Aktienrückkauf angekündigt. Das seien gute Nachrichten, sagte ein Händler. Doch damit werde nur ein kleiner Teil der zuletzt verzeichneten Kursverluste aufgeholt. Hochtief haben seit Jahresanfang fast 75 Prozent verloren und zählen damit zu den schwächsten Werten im MDax.

Zuvor waren die Börsen in Asien erneut abgestürzt: Neue Rezessionsängste und schwache US-Vorgaben hatten die Tokioter Börse tief in die roten Zahlen gedrückt. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte verlor 6,8 Prozent und schloss mit 8674 Punkten. Damit gab er seine Gewinne vom Vortag weitgehend wieder ab. Auch an den anderen asiatischen Handelsplätzen überwogen die Verluste. Shanghai, Singapur, Südkorea und Australien notierten schwächer. Dagegen konnten sich Taiwan und Hongkong etwas verbessern.

Asien reagiert auf Rezessionsängste

Die asiatischen Börsen reagierten damit auf sich verstärkende Rezessionsängste und schlechte Vorgaben aus den USA: Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte hatte den Handel am Dienstag mit 2,5 Prozent im Minus beendet. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,1 Prozent auf 955 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 4,1 Prozent auf 1696 Punkte nach.

Außerdem deutet der deutlich sinkende Ölpreis auf einen Rückgang der Weltwirtschaft hin. Die Ölpreise setzten ihre Talfahrt vom Vortag fort und fielen erstmals seit Monaten unter 70 Dollar. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Dezember kostete im frühen Handel 69,40 US-Dollar. Das waren 2,78 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent, ebenfalls zur Auslieferung im Dezember, gab um 2,56 Dollar auf 67,16 Dollar nach.

Händler begründen die seit Wochen zu beobachtende schwache Tendenz der Ölpreise vor allem mit Rezessionsängsten - das Nachlassen des Wirtschaftswachstums würde auch die Ölnachfrage drosseln. Außerdem ist der Dollar inzwischen wieder deutlich stärker als im Sommer, der Euro sank mit 1,27 Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Die wahrscheinliche Förderkürzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) in dieser Woche habe den Abwärtstrend der Ölpreise nur zwischenzeitlich stoppen können, heißt es. Zudem werden mittlerweile Zweifel laut, ob die Opec-Staaten eine Kürzung der Fördermenge überhaupt umsetzen können, da ein Großteil der Mitgliedsländer auf die Öl-Einnahmen angewiesen ist.

sam/Reuters/dpa/dpa-AFX

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