Börsen US-Leitzins-Senkung entfacht Kursfeuerwerk

Die deutliche Senkung des US-Leitzinses verfehlt ihre schnelle Wirkung nicht - weltweit herrscht an den Börsen Hochstimmung: Die Aktienkurse an der Wall Street in New York schossen in die Höhe, Jubel auch an asiatischen Börsen. Der Ölpreis stieg auf neue Rekordwerte.


New York/Berlin - Die überraschend deutliche Leitzinssenkung in den USA hat an den Börsen für ein wahres Kursfeuerwerk gesorgt: An der Wall Street in New York schloss der Dow Jones Chart zeigen bei 13.739,39 Punkten, was einem Anstieg von 2,51 Prozent entspricht. Der Technologieindex Nasdaq Chart zeigen stieg bis Handelschluss um 2,71 Prozent auf 2651,66 Punkte.

Börse in New York: Dow Jones stieg um 2,51 Prozent
REUTERS

Börse in New York: Dow Jones stieg um 2,51 Prozent

Auch in Hongkong, Shanghai und Tokio stiegen die Aktienindizes um mehr als drei Prozent. In Tokio schnellte der Nikkei Chart zeigen-Index um 3,4 Prozent nach oben: Das Kursbarometer legte um 531,49 Punkte auf 16.333,29 zu. In Hongkong sprang der Hang Seng Chart zeigen-Index um 3,33 Prozent nach oben, in Seoul waren es 2,7 Prozent.

Asiatische Analysten warnten dennoch vor zu viel Euphorie. Die grundlegenden Probleme mit der Kreditvergabe in den USA seien noch nicht gelöst, sagte Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities in Tokio.

Positiv äußerte sich der Ölmarktexperte Tony Nunan von Mitsubishi Chart zeigen. Die Zinsentscheidung habe Befürchtungen über eine drohende Rezession entgegengewirkt und werde die Ölmärkte weiter anfeuern, sagte Nunan. Die Kreditknappheit hatte bei den Händlern Sorgen wegen einer möglicherweise sinkenden Nachfrage nach dem Rohstoff ausgelöst. Nach dem Zinsentscheid schienen diese Befürchtungen zerstreut: In New York stieg der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude zeitweise auf den Rekordwert von 82,38 Dollar, bei Handelsschluss lag er bei 81,51 Dollar. Auch in Asien stieg der Ölpreis über die Rekordmarke von 82 Dollar.

Der Euro kletterte vorübergehend auf den historischen Kurs von 1,3988 Dollar, bevor er wenig später wieder auf die immer noch historische Marke von 1,3987 Dollar fiel. Am Morgen lag die europäische Gemeinschaftswährung im Tokioter Handel bei 1,3966 Dollar.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte vor negativen Folgen für die deutsche Konjunktur. Der niedrige Dollarkurs und der hohe Ölpreis könnten der zur Zeit sehr robusten Konjunktur "einen Dämpfer verpassen", sagte der Wirtschaftsminister der "Bild"-Zeitung. "Wenn der Dollarkurs weiter sinkt, trübt das unsere Exportchancen." Von einem Abschwung wollte der CSU-Politiker allerdings nicht sprechen. Es gehe um "eventuelle Schwankungen der Wachstumsraten".

Nachdem der Leitzins seit Juni 2006 unverändert bei 5,25 Prozent gelegen hatte, hatte die US-Zentralbank Fed gestern unter dem Eindruck der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten den Satz um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gemindert.

Die Notenbanker begründeten ihre Entscheidung mit "Störungen an den Finanzmärkten", die eine Änderung der Geldpolitik nötig gemacht hätten. Durch die Zinssenkung wird die Geldbeschaffung für Banken billiger. Dies dürfte die Schwierigkeiten bei der Kreditfinanzierung verringern, die durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt entstanden sind. Die Leitzinssenkung war die erste seit vier Jahren.

anr/AFP/AP



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