Börsenaufsicht Insiderverdacht am Neuen Markt

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel hat bestätigt, gegen den Wiener Internet-Dienstleister Blue C zu ermitteln. Derzeit werde an einer ersten Analyse gearbeitet.


DPA

Wien / Frankfurt am Main - "Wir hätten auch ohne den Hinweis der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ermittelt", sagte die Presseprecherin der Börsenaufsichtsbehörde, Regina Nößner. Schon allein der auffällige Handelsverlauf rechtfertige eine Analyse. Bei Blue C könnte es sich in der Tat um das "klassische Szenario eines Insiderhandels" handeln. Mit ersten Ergebnissen könne jedoch erst in zwei Wochen gerechnet werden, so Nößner. Bis dahin werden die Analysten sämtliche Informationsquellen untersuchen: Von den Chatrooms im Internet bis hin zu den kursierenden Gerüchten vor der offiziellen Unternehmensmitteilung.

Sollte sich der Verdacht erhärten, werde anschließend eine formale Insider-Untersuchung eingeleitet. Am Ende könnten die Ergebnisse dann der Staatsanwaltschaft zugehen. Nachweisliche Insidergeschäfte werden mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet.

Blue C war am vergangenen Montag in die Schlagzeilen geraten. Der Verdacht: Insider hätten von den schlechten Zahlen des Unternehmens gewusst und ihre Papier vor deren Veröffentlichung abgestoßen. Darauf hätten die ungewöhnlichen Umsätze hingewiesen. Am 15. und 16. Februar hatte sich der Handelsumsatz auf dem Frankfurter Parkett mehr als verdreifacht. Im elektronischen Handelssystem Xetra war der Umsatz immerhin zweieinhalb mal höher - so viel wie noch nie. Für die SdK war das Grund genug, der Börsenaufsicht einen entsprechenden Hinweis zu geben. "Wir wollten auf Nummer sicher gehen", sagte SdK-Vorstandsmitglied Reinhild Keitel.

Das Blue C-Papier hatte schon seit Wochen unten Druck gestanden. Am vergangenen Montag hatte das Unternehmen dann die Planzahlen deutlich nach unten korrigiert: Demnach beläuft sich der Umsatz im laufenden Quartal voraussichtlich lediglich auf 0,9 Millionen Mark statt der anvisierten 5,7 Millionen Mark. Die Umsatzprognose für das Jahr 2001 wurde von bisher 36,2 Millionen Euro auf 10,6 Millionen Euro gesenkt. Der Grund: Fehlende Neukunden und ein schlechter Markt bei Start-up-Finanzierungen. Der Kurs brach daraufhin um über 50 Prozent auf 1,2 Euro ein. "Blue C hat das Vertrauen der Anleger verloren und verdient es auch nicht", sagte Keitel.

Beim Börsengang waren die Aktien im August 2000 unter der Konsortialführerschaft der Commerzbank mit 9,50 Euro zugeteilt worden. Die Commerzbank kündigte indessen an, die Ermittlungen der Aufsichtsbehörde zu unterstützen. "Bislang kennen wir aber noch nicht die genauen Ermittlungen", sagte Commerzbank-Sprecher Stefan Roberg auf Anfrage.



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