Börsenausblick "Das Schlimmste ist vorbei"

Händler in New York schöpfen wieder neuen Mut. Von den positiven Vorgaben der Wall Street sollten auch die deutschen Aktienmärkte profitieren. Im Blickpunkt stehen ThyssenKrupp und ProSiebenSat.1.


Frankfurt am Main - Marktbeobachter erwarten eine freundliche Eröffnung von Dax und Nemax. Am Vorabend hatten der Dow Jones und die Nasdaq nahe ihres Tageshochs deutlich fester geschlossen. Zudem habe sich nach Angaben von Händlern die Stimmung an der Börse wieder deutlich gebessert.

Am Vormittag informiert das Münchner Ifo Institut über die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Monat Februar. Der so genannte Geschäftsklimaindex gilt als wichtiger Maßstab dafür, wie die Unternehmen die wirtschaftliche Situation beurteilen. Im Januar hatte sich die Stimmung spürbar aufgehellt. Der Index war von 85,8 auf 86,3 Punkte gestiegen. Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass sich diese Entwicklung im Februar fortgesetzt hat.

Bereits vor Börseneröffnung hat der Stahlriese ThyssenKrupp Chart zeigen seine Zahlen vorgelegt. Die weltweite Konjunkturschwäche hat die Geschäftsentwicklung des Konzerns im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 (30. September) nach eigener Darstellung erheblich belastet. Das Ergebnis vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter verminderte sich nach Ad-hoc-Angaben vom Dienstag gegenüber dem ersten Quartal 2000/2001 auf 28 (414) Millionen Euro. Von vwd befragte Analysten hatten ein Ergebnis vor Steuern von minus 35,5 Millionen Euro prognostiziert. In den Zahlen sind auf Grund der erstmaligen Anwendung von SFAS 142 keine Firmenwertabschreibungen mehr berücksichtigt, wird erläutert. Enthalten ist ein Gewinn von 23 Millionen Euro aus dem Verkauf von Kone-Aktien.

Mitten in der Finanzkrise der KirchGruppe legt der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 Chart zeigen seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 vor. Bereits vor einigen Wochen hatte die Kirch-Tochter mitgeteilt, dass der Jahresüberschuss um 27 Prozent auf 68 Millionen Euro gesunken ist. Der ProSiebenSat.1-Vorstand wird heute möglicherweise auch zur Zukunft des Konzerns im Rahmen einer Neuordnung der hoch verschuldeten KirchGruppe Stellung nehmen. Am vergangenen Freitag hatte die KirchGruppe die für Juni geplante Fusion von ProSiebenSat.1 mit der Muttergesellschaft KirchMedia auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Deutsche Telekom Chart zeigen darf nach einem Pressebericht ab 1. Mai die Grundpreise für Telefonanschlüsse um bis zu fünf Prozent erhöhen. Das hat nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) genehmigt. Wie die Behörde der Zeitung bestätigte, darf die Telekom den monatlichen Grundpreis für einen analogen Telefonanschluss um fünf Prozent auf 13,33 Euro sowie für einen ISDN-Standard-Anschluss um 2,8 Prozent auf 23,60 Euro erhöhen. Ortstelefonate sollen im Schnitt um 3,2 Prozent billiger werden. Erst am Vortag wurde mitgeteilt, dass der geplante Verkauf des Kabelnetzes an Liberty Media endgültig gescheitert ist.

General Motors bringt Rallye in Fahrt

Der US-Aktienmarkt begann die Börsenwoche am Montag mit einer breiten Kurs-Rallye, die Händler mit positiven Ergebniserwartungen bei General Motors Chart zeigen und anderen Spitzenunternehmen begründeten. Vor Handelsbeginn sagte der weltweit führende Autohersteller, er rechne dank der steigenden Nachfrage auf dem Heimatmarkt mit höheren Gewinnen im ersten Quartal und im Kalenderjahr 2002. Der 30 Standardwerte umfassende Leitindex Dow Jones stieg um 177,56 Punkte oder 1,8 Prozent auf 10.145; dies war der höchste Stand seit sieben Wochen.

Angeführt von Kurssteigerungen bei General Electric und Intel Chart zeigen notierte der breiter angelegte S&P-500-Index um 19,59 Punkte oder 1,8 Prozent höher auf 1109 Zähler und die Nasdaq verbesserte sich um 45,34 Punkte oder 2,6 Prozent auf 1769 Punkte. "Das Schlimmste ist vorbei", sagte Eric McKissack, Manager des Ariel Appreciation Fund. "Die Anleger sind, was die Ergebnisse bei den Unternehmen betrifft, zuversichtlicher geworden".

Auch die Hoffnung des Marktes, US-Notenbankchef Alan Greenspan werde in einer für Mittwoch geplanten Rede die Rezession offiziell für beendet erklären, hätten die positive Stimmung unterstützt, sagten die Händler. Andere meinten jedoch, man dürfte von Greenspans Rede nicht all zu viel erwarten. Obwohl der Notenbankchef bereits im Januar auf Zeichen des Aufschwungs hingewiesen habe, habe er gleichzeitig auch auf die Risiken aufmerksam gemacht, die eine rasche Erholung gefährden könnten, hieß es.

Tokios Börse schwach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verlor 93,84 Punkte oder 0,9 Prozent und ging beim Stand von 10.202 Zählern aus dem Markt. Der breitere Topix verlor 3,30 Punkte oder 0,3 Prozent und beendete den Handel beim Stand von 983 Punkten.

An diesem Mittwoch will die japanische Regierung ein neues Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des andauernden Preisverfalls vorlegen. Kernelement ist Medien zufolge die erneute Bereitstellung weiterer Steuergelder für Japans kapitalschwache Banken für den Fall einer "drohenden Finanzkrise". Zudem werde die Zentralbank des Landes aufgefordert, zur Überwindung der Deflation ihre geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern. An diesem Donnerstag wird in Tokio mit großer Spannung die nächste Sitzung der Bank von Japan erwartet.



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