Börsenausblick Die Stunde der gefallenen Engel

Der Dax könnte seine Erholung fortsetzen – wenn die für Dienstag erwarteten Konjunkturdaten nicht enttäuschen. BNP Paribas sorgt für Bewegung im europäischen Bankensektor. Am Neuen Markt stehen EM.TV und MobilCom im Blickpunkt.


Frankfurt am Main – Der Deutsche Aktienindex Dax dürfte Händlern zufolge in dieser Woche in einer Spanne von 3100 und 3400 Punkten schwanken. Der Dax, der am Freitag mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 3320 schloss, hatte in der vergangenen Woche mehr als drei Prozent zugelegt. Der US-Industriewerteindex Dow Jones ging zwar am Freitag um 0,5 Prozent schwächer aus dem Handel, jedoch ist der Index seit Anfang Oktober im Aufwärtstrend.

Sollten am morgigen Dienstag das US-Verbrauchervertrauen und der ifo-Geschäftsklimaindex besser als erwartet ausfallen, könnte der Dax die Marke von 3443 Punkten bereits in dieser Woche erneut testen, meinen Beobachter. Zum Wochenauftakt stehen mit den Zahlen von Vivendi und dem Überraschungscoup von BNP Paribas jedoch zunächst zwei französische Großkonzerne im Mittelpunkt des Interesses.

Blick nach Paris

Bei der Blitz-Auktion für den Staatsanteil an der französischen Großbank Credit Lyonnais hat Konkurrent BNP Paribas Chart zeigen für 2,2 Milliarden Euro den Zuschlag erhalten. BNP stach damit drei Mitbewerber aus. Das Angebot von BNP entsprach 58 Euro je Aktie, ein Aufschlag von fast 49 Prozent auf den aktuellen Börsenkurs von Credit Lyonnais.

Auch beim Schwergewicht Vivendi rechnen Marktbeobachter zu Wochenauftakt mit steigenden Kursen. Die Vivendi Universal SA hat den Verkauf eines 20,4-prozentigen Anteils an der Vivendi Environnement SA abgeschlossen. Käuferin seien eine Gruppe von Investoren aus Frankreich, Italien und USA, teilte der französische Medienkonzern mit.

Steuerpläne belasten ifo-Index

In dieser Woche dürften nach Ansicht von Börsianern vor allem die Quartalszahlen der Dax-Unternehmen Münchener Rück Chart zeigen und TUI Chart zeigen (beide am Donnerstag) sowie die Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex (Dienstag) Beachtung finden. Der ifo-Index dürfte im November vermutlich unter den Oktober-Wert von 87,7 Punkten gefallen sein. Das wäre der sechste Monatsrückgang in Folge. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibe schlecht, sagt Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Den voraussichtlich anhaltenden Pessimismus der deutschen Firmen erklärten Volkswirte mit den von der Regierung geplanten Erhöhungen bei Steuern und Sozialabgaben.

Schwierige Zeit für Münchener Rück

Bei dem Rückversicherer Münchener Rück Chart zeigen rechnen Anleger mit miserablen Zahlen. Die Analysten der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein erwarten einen Verlust von 700 Millionen Euro im dritten Quartal. Zu den größten Problemen der Gesellschaft zählten die Abhängigkeit von den Aktienmärkten sowie die Beteiligungen an den angeschlagenen deutschen Banken, heißt es in einer Kurzstudie. Dadurch drohe die Münchener Rück ihr hohes Bonitäts-Rating von AAA zu verlieren.

Steigerung bei TUI erwartet

Europas größter Touristikkonzern TUI wird Analysten zufolge im dritten Quartal den Überschuss zum Vorjahresquartal leicht und zum Vorquartal deutlich steigern. Durchschnittlich prognostizieren von Reuters befrage Analysten einen Überschuss von 276 Millionen Euro. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte die TUI 260 Millionen Euro erwirtschaftet, im zweiten Quartal dieses Jahres jedoch einen Verlust von 45 Millionen Euro ausgewiesen.



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