Börsenausblick Greenspans vorsichtiger Optimismus

US-Notenbankchef Alan Greenspan sieht erste Zeichen einer anziehenden Konjunktur. Für den Handelstag in Deutschland erwarten Marktbeobachter dagegen nachgebende bis unveränderte Kurse.




Frankfurt am Mai – Schwache Vorgaben aus den USA sollten heute im frühen Handel die deutschen Aktienmärkte belasten. Am Vortag sind der Dow Jones und der Nasdaq im späten Handel abgerutscht. Diese Tendenz werden Dax und Neuer Markt vermutlich nachvollziehen.

Die jüngsten Abschläge sind nach Ansicht von Händlern auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen, nachdem die Börsen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sind. Der Dax könne zunächst auf bis zu 3050 Punkte zurückgehen, von diesem Niveau aus sei dann aber ein erneuter Anstieg möglich, sagte gestern ein Börsianer. Aktienhändler Oliver Hauer von M.M. Warburg verwies dagegen auf die unverändert schlechten Konjunkturaussichten. "Ich glaube, dass der Markt auf diesem Niveau bis zum Ende des Jahres verharrt."

Optimistisch hat sich US-Notenbankchef Alan Greenspan am Dienstagabend in Washington geäußert: Die Weltwirtschaft sei flexibler geworden, um unerwartete Rückschläge zu verkraften. Trotz der Vernichtung von Aktienkapital in Höhe von acht Billionen Dollar, des Einbruchs der Investitionen und der Ereignisse vom 11. September 2001 wachse die US-Wirtschaft weiter, sagte Greenspan. Trotz hoher Verluste habe noch keines der wichtigen US-Finanzinstitute seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Ähnliches sei auch in den meisten anderen Volkswirtschaften zu beobachten.

Richtungsweisende Unternehmensnachrichten gibt es kaum. Im Fokus der Investoren steht die Hannover Rück Chart zeigen. Nach Zuwächsen im dritten Quartal hat der weltweit fünftgrößte Rückversicherer seine Prognose für das operative Ergebnis (Ebit) für 2002 gesenkt und dies mit schwachen Kapitalmärkten begründet. Die Erwartung für den Nachsteuer-Ertrag bekräftigte die im MDax notierte Gesellschaft dagegen. Da die Steuerlast geringer als erwartet ausfallen werde, rechne die Hannover Rückversicherungs-AG weiter mit einem Jahresüberschuss von 300 Millionen Euro beziehungsweise mit einem Gewinn je Aktie von drei Euro.

Die Märkte der Schaden-Rückversicherung seien mehr als ein Jahr nach den Terroranschlägen in den USA nach wie vor "äußerst profitabel". "Wir gehen davon aus, dass sich die vorteilhafte Marktsituation noch mindestens bis 2004 fortsetzen wird", erklärte Vorstandschef Wilhelm Zeller.

Technologie- und Einzelhandelswerte belasten Wall Street

Die Wall Street hat am Dienstag leichter geschlossen. Technologieaktien wie der Chiphersteller AMD Chart zeigen und die weltgrößte Heimwerker-Geschäftskette Home Depot Chart zeigen fielen deutlich und drückten die Stimmung.

Der Dow-Jones-Index gab geringfügig um 11,79 Zähler oder 0,1 Prozent auf 8474 Punkte nach. Der breit gefasste S&P-500-Index fiel um 3,62 Zähler oder 0,40 Prozent auf 896,74 Punkte. Der Nasdaq-Index ermäßigte sich um 19,19 Zähler oder 1,4 Prozent auf 1374 Punkte.

Die amerikanische Handelsbilanz bleibt weiter schwach. Die Einzelhandelspreise sind im Oktober um 0,3 Prozent gestiegen. Der US-Einzelhandel litt im November unter einer bisher bescheidenen Geschäftsentwicklung. Dies verspricht für das Weihnachtsgeschäft nichts Gutes. Deshalb kamen die meisten Einzelhandelswerte unter Druck.

Bei den Technologieaktien fiel Microsoft Chart zeigen, während Xerox Chart zeigen angesichts weiterer Stellenstreichungen zulegen konnte. Rüstungs- und Versicherungswerte stiegen, während Airline- und Versorgungsaktien fielen. Der Telefonriese AT & T Chart zeigen wies deutliche Kursgewinne auf. Er hat seine Kabelfernsehsparte an die Kabelfernsehfirma Comcast verkauft, die damit US-Branchenführer geworden ist.

Tokios Börse schließt fest

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gewann 94,36 Punkte oder 1,1 Prozent hinzu und ging mit 8459 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte Topix ging mit einem Gewinn von 13,73 Punkten oder 1,7 Prozent bei 830 Zählern aus dem Handel.



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